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St. Johann, Südwesten

Zur Mägd

Lieblingsitaliener

Adriano Giordanos Ristorante ist ein quicklebendiges Lokal. Ein bisschen laut, aber gute Laune lässt sich schlecht leise feiern. Richtig gut gelaunt ist das bunt gemischte Publikum in der «Mägd» nicht nur an diesem Freitagabend, an dem man nochmals die ganze Woche Revue passieren lassen kann. Es scheint, als habe es die «Mägd» in dieser hellen, freundlichen und grosszügigen Art schon immer gegeben. Mit weissem Himmel und dunkelrotem Holztäfer, mit Kunst an den Wänden und dem vorbildlichen Personal, schwarz gekleidet, mit bodenlangen weissen Schürzen.
Dass die «Mägd» brummt, ist Adriano Giordanos Verdienst. Was nicht zuletzt an seiner formidablen Küche liegt, die eine treue Stammkundschaft gefunden hat. Manchmal, wenn das Gröbste in der Küche überstanden ist, verlässt Giordano seinen Arbeitsplatz, lehnt sich ans Buffet und lässt seinen Blick über die Tische seines Ristorante schweifen. Parliert mit ein paar Italienisch sprechenden Herren am langen Tisch, die er kennt, über die gerade verspeisten Primi und Secondi. Um gleich wieder in die Küche zu verschwinden.
Beginnen könnte man mit einem Glas Friancacorta an einem solchen Abend – annonciert ist er auf einer Schiefertafel hinter einem riesigen weissen Blumenstrass mit Lilien (Ca’ del Bosco, Fr. 10.– das Glas). Ebenfalls auf einer Schiefertafel im grossen Raum sind ein paar «Classici del Mägd» gelistet: Trippa (geschmorte Rindskutteln mit Gemüsen und Kräutern), Testina e lingua (Kalbskopf und Züngli an einer Vinaigrette), beides als Vorspeise oder als Hauptgang (mit Kartoffeln) möglich.
Wir konzentrieren uns zuerst auf die Primi di pasta. Hausgemachte Kürbisravioli an Butter und Salbei gäbe es (Fr. 25.–), auch eine mit Spinat, Ricotta und Mortadella gefüllte Teigroulade, die mit Käse gratiniert ist (Fr. 27.–). Ebenfalls hausgemacht. Wie die beiden Vorspeisen, die wir schliesslich bekommen: Gnocchetti di patate, Kartoffelgnocchi-Winzlinge, butterzart mit schmackhaften Tomaten und Basilikum (Fr. 25.–), und Pappardelle all’uovo, herrliche Eiernudeln mit wildem Fenchel und Stücken von der Salsiccia «Maison» (Fr. 29.–). Ein echtes Vergnügen, zwei halbe Portionen, die wir später zu einem entsprechend günstigeren Preis auf der Rechnung finden (je Fr. 18.–).
Die Weinkarte lässt mit 5 offenen Weinen, 17 Weissweinen und 36 Rotweinen auch verwöhnte Weinnasen leicht fündig werden. Uns wird eine Flasche aus Sizilien geöffnet, ein Etna rosso von der Sorte Nerello mascalese, der Archineri 2010 von Pietradolce (Fr. 74.–). Eine gefreute Sache. Das sind auch die beiden Secondi. Coda di bue, langsam geschmorter Ochsenschwanz nach römischer Art, dessen Fleisch sich leicht von den Wirbelstücken lösen lässt, ein aromatisches Ragout, zu dem à part Rosmarinkartoffeln gereicht werden (Fr. 32.–). Und Orata, eine ganze Goldbrasse, in der auf der einen Seite drei halbe Zitronenscheiben stecken; der Mittelmeerfisch offenbart nach dem Filetieren und dem Entfernen der Haut saftiges, weisses Fleisch, zu dem das mediterrane Gemüse bestens passt (Fr. 33.–).
Später, als es um die Dolci des Hauses geht (Sorbetti von Heidelbeeren, Zitronen, Kirschen oder Zwetschgen!), werden wir von unserem Kellner im wahrsten Sinne des Wortes bekniet, doch das Semifreddo zu probieren. Es sei absolute Spitze, ein Mandel-Pistazien-Amaretti-Parfait. Wir geben uns schliesslich geschlagen und können dem Kellner nur beipflichten. Wie übrigens auch dem Kochbuch-Autor Martin Jenni («555 Adressen für Besseresser»), der über die «Mägd» und Adriano Giordano sagt: «In Basel mein Lieblingsitaliener, mit Abstand.» wm

St. Johanns-Vorstadt 29, 4056 Basel
di–fr 11–14 & 18–24, sa 18–24 Uhr (Küche bis 22 Uhr), mo, sa-mittag & so geschlossen sowie 24. Dezember bis 2. Januar und 22. Juli bis 6. August
HG Fr. 29–39
Verführung auf Italienisch: Rang 2