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Kleinbasler Innerstadt

Zum Schmalen Wurf

Leben und leben lassen

Ein Hort für alle: Dieses Restaurant ist ein Stadtteiltreff im besten Sinne, mit Menschen jeder Schicht, mit Familien, Anzugträgern und Lebemännern. Es geht unkompliziert zu und her im «Schmalen Wurf», man kann auch nur einen Kaffee trinken oder ein Bier und Zeitung lesen, selbst zur Mittagszeit. Eine Institution, heisst es oft über solche Lokalitäten, und es stimmt: Aus der Rheingasse ist der «Wurf» nicht wegzudenken.
Der «Wurf» bietet zwar eine grosse Auswahl an Weinen im Offenausschank an: acht Weisse, drei Schaumweine, einen Rosé, zehn Rote und drei Süssweine. Da es aber erst Mittag ist, verzichten wir auf alkoholische Getränke und bestellen stattdessen eine erfrischende Flasche Pepita (Fr. 5.50), naschen ein wenig von den Antipasti (Oliven, Artischocken, Sardellen, Dörrtomaten) und wenn wir schon so mediterran in den Tag starten, dann sind doch die Spaghetti amatriciana (Fr. 24.50) allzu verlockend. Der Nebentisch greift lieber zu Spaghetti alle cozze al vino bianco (Fr. 27.50), denn die Miesmuscheln sind eine Spezialität des Hauses, es gibt sie auch als Sauté. Wir freuen uns aber auf die eher deftig-scharfe Pasta, deren italienisches Originalrezept sakrosankt ist (Tomaten-Sugo, Guanciale, Peperoncini, Olivenöl), hier aber etwas interpretiert wird. Eigentlich sind Bucatini die ideale Pasta-Begleitung, doch auch mit Spaghetti schmeckt es. Zusätzlich wird im «Schmale Wurf» die Pasta noch mit ganzen Tomaten und ganzen Oliven aufgetragen, was uns schmeckt, einen Italiener aus Amatrice allerdings erschüttern dürfte. Apropos: Amatrice ist jene Stadt, die im August 2016 von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde. Seitdem geht in Restaurants in Italien von jedem bestellten Teller Amatriciana ein Euro an die Hilfsorganisationen – eine gute Sache.
Die düsteren Gedanken werden schnell verscheucht von der fabelhaften Salsiccia siciliana mit Linsen und Kartoffeln (Fr. 28.50), eigentlich ein typisches Wintergericht, aber das passt gut, denn das Wetter verweigert sich unserer frühlingshaft-italienischen Stimmung, sonst hätten wir allzu gern auf der Terrasse Platz genommen, die einen formidablen Blick auf den Rhein gewährt. Dafür bewundern wir bei einem abschliessenden Espresso von Moka Efti (Fr. 4.60) die Bilder von Sergio Riva, denn jeden Monat darf sich hier ein anderer Künstler präsentieren. Riva reiste zwei Jahre lang durch Indien und fotografierte das Leben auf den dortigen Strassen – stets durch die Frontscheibe seines Autos, was ja irgendwie gut passt, denn auch wir können nur aus dem Fenster den gewaltigen Fluss wahrnehmen und die Lastkähne, die unbeeindruckt durch den Regen gleiten. stm

Rheingasse 10, 4058 Basel
mo–so 11–23 Uhr (Küche 11.30–14 & 18–22 Uhr), November bis Februar so 14–23 Uhr geöffnet
HG Fr. 19.50–42.50
Tische direkt am Rhein: Rang 8