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Kleinbasler Kleinhüningen

Volkshaus

Merci Monsieur, merci Madame

Erst dachten wir ja, dass der Oberkellner einer der angeberischen Sorte sei. Einer, der sich darin gefällt, die Leute aus Gründen vermeintlicher Noblesse mit Monsieur anzureden. Dann haben wir gemerkt, dass der Mann mit französischem Akzent sprach und überhaupt der Maître schlechthin war. Und dass es folglich nicht anders ging. Begriffe wie Monsieur und Madame gehören einfach zum «Volkshaus». So wie der eloquente Service alter Schule, der schon vor einem Jahrhundert in jedem Pariser Jugendstil-Etablissement tätig gewesen sein könnte. Kurzum: man fühlt sich wohl in diesem Lokal Kleinbasels, kann an einem der Tische im halbrunden Bereich am Fenster sitzen oder weiter drinnen im Saal. Kann sich knackigen Rosé von Fritz Keller bringen (na gut, den hätte es wohl nicht gegeben vor 100 Jahren) und Küchenklassiker wie den Crevettencocktail (Fr. 19.–) anrichten lassen. Doch wirklich faszinierend ist das Flair, ist die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter. Die fragten, ob sie eine Zeitung bringen dürften. Und ob der Espresso zum Dessert kommen solle oder danach. Alle kümmerten sich ständig, ohne aufdringlich zu wirken.
Den Crevettencocktail nahmen wir übrigens nicht. Scheint so ein Klassiker zu sein, ohne den die Stammgäste kaum auskommen können. Ähnlich wie Tatar vom Rindsfilet (Fr. 39.–), natürlich handgeschnitten. Oder wie Bratwurst mit Zwiebelsauce (Fr. 29.–). Ist aber zum Glück nicht alles, denn die Küche geht mit der Saison und der Zeit. Der Tomatensalat war gut abgeschmeckt, der Pfeffer stand zum Mahlen parat, die Burrata löste sich aufs angenehmste im Mund auf. Beim Gabeln stellten wir fest, dass dies auch tatsächlich einer der hübschesten Basler Orte ist, um zu speisen. Benjamin Mohr, der Küchenchef, beherrscht sein Handwerk, lässt das (gute!) Brot beim Kleinbasler Bäcker Schneider einkaufen und scheut sich nicht, schwarze Krustentier-Ravioli mit Artischocken und Tomaten (die Erbsen hätten wir weggelassen) auf die Tafel zu setzen, welche die Standardkarte ergänzt; der Restaurantleiter wies dezent auf die Tagesempfehlungen hin. Dass man hier die Patissierie-Chefin zu Höchstleistungen anzutreiben weiss, steht fest. Chiara, wie sie auf der Dessertkarte annonciert wird, schickt nach Wahl des Gastes Schoggimousse mit Crème de la Gruyère, Vanille-Mascarpone-Mousse mit Blaubeeren oder gar eine ganze Süssspeisen-Variation. Unsere Tarte au citron war Madame auch gelungen, knusprig hier, cremig dort. Und nicht zu süss!
Anders als zufrieden kann man das «Volkshaus» gar nicht verlassen. Der Chef de Rang und der Maître verabschiedeten sich gleichermassen nett, die Anrede Monsieur durfte wieder nicht fehlen, die Rechnung war überschaubar, die Gesamtleistung stimmte. Lobenderes kann man über ein Restaurant ja eigentlich gar nicht sagen. wf

Rebgasse 12, 4058 Basel
mo–fr 11.30–14 & 18–22.30, sa 11.30–22.30 Uhr (Küche bis 22 Uhr), so geschlossen sowie 20. bis 27. Dezember
HG Fr. 29–49
Genuss pur in den Quartieren: Rang 4

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