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Kleinbasel

Volkshaus Basel

Grand Cru fürs Volk

Dem Schweizer Volk geht es gut mit einem eigenen Haus in vielen Städten der Eidgenossenschaft. Deren 40 sollen es laut dem «Historischen Lexikon der Schweiz» noch sein, obwohl einige der Modernisierung zum Opfer gefallen sind. Und ihre Funktion ist auch etwas verändert worden. Während die Volkshäuser früher eher von einem linken Teil der Bevölkerung frequentiert wurden, sind sie heute fast allseits beliebt und spiegeln den Wohlstand vieler Schichten. Auch waren viele Volkshäuser alkoholfrei, was sich aber nicht als sonderlich attraktiv erwies, und heute lockt in Basel zumindest eine wunderbare Weinauswahl.
Das Basler «Volkshaus» darf auch durchaus als eines der schönsten der Schweiz bezeichnet werden, vielleicht sogar das schönste. Trotz seiner imposanten Grösse und einer guten Portion Grandezza ist es gemütlich. Als Erstes offenbart sich ein wunderbarer Hof mit lauschigem Grün, der auch bei voller Besetzung noch beruhigend wirkt. Bei schönem Wetter wird hier das ganze Menü der Brasserie gereicht. Im Innern kontrastieren die traditionellen Holzstühle der Brasserie mit dem Design der Stararchitekten Herzog & de Meuron, alles aber in einer perfekten Harmonie, inklusive sorgfältig ausgewählter moderner Kunst.
Was aus der Küche gereicht wird, ist ebenfalls höchst erfreulich und kombiniert Tradition mit etwas Moderne. Zur Tradition gehört beispielsweise das wunderbare Wienerschnitzel mit Kartoffelpüree und Gurkensalat, das für die Kinder anstandslos auf zwei Teller verteilt wird und die Jungmannschaft vorläufig ruhigstellt. Ebenso in der Traditionsecke ein Steak-Frites «Café de Paris» oder das handgeschnittene Tatar von Rindsfilet, das ebenfalls mit Pommes allumettes serviert wird. Fischliebhaber werden die ganze Dorade mit Zitronen, Fenchelsalat und Granatapfel sowie die Kabeljau-Knusperli schätzen. Wir geniessen das Tagesangebot, Lamm, nordafrikanisch angehaucht, sowie hervorragenden gegrillten Pulpo, der sich als äusserst zart erweist. Wirklich hervorragend zubereitet! Überhaupt merkt man, dass hier Profis am Werk sind. Die Küche muss schliesslich öfters für sehr grosse Gesellschaften kochen und scheint in verschiedensten Genres äusserst versiert zu sein.
Der Chef persönlich berät uns bei der Weinauswahl. Mit Dom Pérignon und Krug Grand Cuvée scheint das «Volkshaus» nicht nur die Arbeiterschicht anzuvisieren. Allerdings sind die Preise durchaus für durchschnittliche Verdiener attraktiv. Wunderbar die Auswahl an Schweizer Spezialitäten, natürlich mit Basler Weinen von Jauslin oder anderen grossen Namen wie Marie-Thérèse Chappaz, Kopp von der Crone Visini oder Angelo Delea. Ausnahmsweise ignorieren wir die Schweizer Empfehlungen, da wir eine Seite weiter einen weissen Château Haut-Bergey entdecken (Fr. 93.–), und zwar von 2009, einen Jahrgang, der von vielen als einer der besten angesehen wird. Eine seltene Entdeckung ist auch der Châteauneuf-du-Pape Omnia, der vom eigenwilligen Winzer Mounir Saouma gekeltert wird und sich einer wachsenden Fangemeinde erfreut.
In der Zukunft wird man übrigens im «Volkshaus» auch übernachten können, ebenfalls in Herzog-&-de-Meuron-Ambiente. Wir könnten uns durchaus vorstellen, hier einige Zeit zu residieren und die Küche und Weinkarte kreuz und quer durchzuprobieren. nvh

Rebgasse 12, 4058 Basel
mo–fr 11.30–14 & 18–23, sa 18–23 Uhr (Küche bis 22 Uhr), sa-mittag & so geschlossen
HG Fr. 33–46
Genuss pur in den Quartieren: Rang 4