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Bahnhof, St. Alban, Breite

St. Alban Stübli

Glücksfall

Wenn einer eine Lieblingsbeiz hat, wie Tobias Schaub, und diese plötzlich zu haben ist, nennt man das einen Glücksfall. Vor allem, wenn es bei der Übernahme so herauskommt wie im «Dalbestübli». Mit einem wie Schaub, der klare Ideen hat, der lange im «Trois Rois» in Basel tätig war, dort eine Kochlehre absolvierte und zu guter Letzt im renommierten Grandhotel als Serviceleiter den Bankett- & Eventbereich verantwortete.
Wer den Weg zum Restaurant kennt, wird sich auch im Baustellenlabyrinth leicht zurechtfinden. Wer sich vorab erst mal die Webseite anschaut (www.st-alban-stuebli.ch), wird mit einem Foto der fröhlichen Wirtin Charlotte Bleile überrascht – aber die hat doch vor einigen Monaten dem «St. Alban Stübli» nach 23 Jahren Adieu gesagt? Des Rätsels Lösung: Die Webseiten-Adresse des neuen «Dalbestübli» wurde verschlankt, indem auf die umständlichen Bindestriche verzichet wurde (neu: www.stalbanstuebli.ch). Hier ist rasch die Frage geklärt, ob das Restaurant auch montags offen hat: Ja, mittags und abends.
Was hat sich im «St. Alban Stübli» mit dem neuen Gastgeber verändert? Vieles, gleichzeitig wenig. Das helle Restaurant mit dunklem Täfer und schmuckem Riemenboden wurde gründlich aufgefrischt, Küchenchef ist aber nach wie vor Sebastien Thiebaud, der über mehrere Jahre bereits die Küche im «Dalbestübli» prägt. Klassiker wie Cordon bleu und Kalbsleberli mögen aber nicht nur Stamm-, sondern auch die anderen Montagsgäste. Ein Tagesteller mit Rehpeffer, Spätzli, Rotkraut und Apfel wird empfohlen (Fr. 38.–), dann ein Mittagsmenü in zwei oder drei Gängen (Fr. 30.–/37.–), mit Salat oder Rüebli-Orangen-Suppe als Vorspeisen und Caramelköpfli oder einem Teller mit Käsen als Desserts. Drei Hauptspeisen stehen dazwischen zur Wahl: Risotto mit Artischocken und Spinat, Lammfilet an einer Senfsauce mit Bratkartoffeln oder gebratene Dorade mit Peperonata und Sepia-Tagliolini. A la carte lässt sich ebenfalls bestellen. Das lohnt sich insbesondere bei den im Haus gemachten Steinpilzravioli: fein, aber ziemlich dick der Teig, reich die Füllung, intensiv und kräftig die cremige Sauce, passend die frischen Spinatblätter und der hauchdünn gehobelte Käse (Fr. 24.–). Beim marinierten Thunfisch setzt die farbenfrohe Begleitung einen geschmacksintensiven Akzent: kandierte Stücke von der Ananas, ein Mango-Chutney, Ingwer und eine Scheibe rot-weiss-roter Randen. Tobias Schaub, legeres, rosafarbenes Ralph-Lauren-Hemd, bereitet für zwei Herren auf einem Beistelltisch ein Tatar zu. Das portionierte Fleisch (von Grauwiler) steht in zwei Glasschalen bereit, in sechs Schälchen die Zutaten, Tabasco für alle Fälle, Öl, Salz, Pfeffermühle und eine Flasche Glenfiddich sowie auf einem Teller ein paar Probierlöffel. Später, hübsch angerichtet und eingedeckt, werden noch Toastbrot und knusprige Pommes allumettes dazugestellt (Fr. 42.–).
Die Weinkarte bietet jede Menge interessante Gewächse. Etwa einen Weissen von Diego Mathier aus dem Wallis namens Cuvée Madame Rosmarie (zu Ehren seiner Mutter), ein Petite Arvine, der mit etwas Pinot blanc, Silvaner und Pinot gris verschnitten worden ist (Fr. 58.–, Fr. 10.–/dl). Oder einen gereiften Roten bei den Bordeaux, den Château Phélan Ségur 2008 (Fr. 96.–), kein erschlagender Power-Wein, der deshalb selbst zu Fisch gut geht. So zu unserem gebratenen Filet von der Dorade aus dem Menü, zu der im winzigen grauen Creuset-Pfännchen schwarze Tagliolini gereicht werden. Für einen süsslichen Touch bei den Kalbsleberwürfeln sorgt eine Apfel-Zwiebel-Sauce – zu den Apfelstückchen haben sich noch etwas Broccoli, Rüebli und Zucchini gesellt –, hübsch im weissen Schälchen à part die kleine, knusprige Rösti.
Das «Dalbestübli» hat uns beeindruckt. Von der ersten bis zur letzten Minute. Vom ersten Telefon, dem Anruf für die Tischreservation, bis zu den Desserts (hausgemachte Glace und Sorbets!). Vom Amuse-Bouche, einem Carpaccio vom Rind, leicht angebraten, bis zur persönlichen Verabschiedung an der Restauranttür. Uns wundert also nicht, dass das rustikal-elegante Restaurant mit seinen weiss eingedeckten Tischen auch an einem Montagmittag unangemeldete Gäste abwesen muss – «complet!». wm

St. Alban Vorstadt 74, 4052 Basel
Mo-Fr 12:00 -14:00, 18:00-23:00
Dienstleistungen:
  • Mittags-menü
  • Vegetarische Gerichte
HG ab 35 CHF

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