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Region Basel

Sonne

Rothschild zum Reh

Man dürfe in den Keller hinabsteigen, verrieten die netten Damen, die sich an diesem Tag um die Betreuung der Gäste kümmerten. Machten wir sofort, neugierig, wie wir sind, um dort eine prächtig ausgebaute, aus zwei Räumen bestehende Weinschatzkammer zu entdecken. Vollgepackt mit Flaschen aus der Schweiz, aus Spanien (ausgezeichnet vertreten, etwas mit dem Alión aus der DO Ribera del Duero) oder Italien. Sogar reife Jahrgänge sind zu haben. Wir wären fast schwach geworden beim 2001er Châteauneuf-du-Pape von Vidal-Fleury zu 118 Franken! Silvan und Bea Degen, die den uralten Gasthof am Dorfplatz wieder auf Vordermann gebracht haben, besitzen offensichtlich ein Faible für feine Tropfen, von denen eine ganze Reihe auch glasweise ausgeschenkt wird. Zu mehr als günstigsten Preisen übrigens: Für den Dezi Wintersinger Blauburgunder muss man lediglich Fr. 4.70 zahlen, für den weissen Extasis aus der Waadt gerade mal Fr. 6.90. Unser Rioja von der Bodega LAN markierte mit Fr. 7.60 sogar das obere Ende der Fahnenstange und war wie gemacht, um das später serviert Fleisch zu begleiten.
Durch ihre kluge Preispolitik haben sich die Inhaber viele Freunde gemacht, aber auch durch gehobene Kochfähigkeiten locken sie Kunden in den 1593 erstmals urkundlich erwähnten Gasthof. Entscheiden müssen diese sich nur zwischen der eher gemütlichen Stube vorn und dem eher eleganten Bereich hinten. Verschiedene Speisekarten liegen auch aus. Vorne darf man sich mit Bauern-Bratwurst, Kalbsnieren und Hackbraten verwöhnen lassen, hinten Vitello tonnato und Baselbieter Schweinsfilet-Lümmeli sowie den Lachs in Champagnersauce bestellen. Da Papier geduldig ist, machten wir die Probe aufs Exempel und waren sehr angetan – vor allem von den Details. Feiner Salat, gutes Brot, sensationelle Spätzli zu den Rehschnitzeln in Pilzrahmsauce. Und auch den Maronen, dem Rotkohl und all den anderen Kleinigkeiten, die wir kosten durften, verleihen wir das Prädikat überdurchschnittlich gegart und gewürzt.
Mit einem Dessert abzuschliessen, gebietet sich, denn die Auswahl ist nicht nur gross, sondern auch überdurchschnittlich klug. Titterter Süessmoschtglace mit Safranbirnen (ausgezeichnet gewürzt und hausgemacht), Mangocreme Hausart oder Zimtglace mit eingelegten Zwetschgen stehen zur Verfügung, aber man darf sich auch einfach nur an einer Nocke selbstgemachter Glace delektieren. Beim abschliessenden Espresso könnte man sich dann noch überlegen, wie man dem Wirt nächstes Mal einen der Weine aus persönlicher Sammlung aus den Rippen schneidet. Die Trouvaillen des Chefs sind im Keller eingelagert, für alle Augen, doch nicht mit Preisen beschriftet. Ob es eine reelle Chance gibt, den 1967er Mouton-Rothschild zu ergattern, haben wir nicht herausgefunden, aber wir vermuten, dass irgendwie alles möglich gemacht werden kann in der so verdammt gastfreundlichen «Sonne». wf

Dorfpl. 8, 4418 Reigoldswil
Mo-Fr 06:30- 24:00 Uhr, Sa 08:00-24:00 Uhr, So 08:00-22:00 Uhr
Dienstleistungen:
  • Mittags-menü
  • Vegetarische Gerichte
  • Sonntag offen
HG ab 25 CHF

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