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Südbaden

Schlegelhof

Freude am Experimentieren

Als wir kamen, war es noch leer im «Schlegelhof». War ja auch noch nicht mal 18 Uhr, und wir bezogen in aller Ruhe unser Zimmer. Als wir eine gute Stunde später erneut den Gastraum betraten, fanden wir fast jeden Tisch besetzt vor. Und das an einem Montag im November, an dem andere Restaurants bekanntlich gähnend leer sind.
Die Begeisterung hat Gründe. Einer ist flüssig, wird aus Trauben gemacht und seitenlang gelistet. Zu Recht gilt die Weinkarte im «Schlegelhof» als eine der besten weit und breit. Weil sie nicht nur die Umgebung berücksichtigt, sondern auch mit Gutem aus Rest-Deutschland oder Frankreich prall gefüllt wurde. Und weil alles nicht viel kostet. Den wirklich herausragenden 2008er Pinot noir vom Centgrafenberg des fränkischen Winzers Paul Fürst gönnten wir uns zum Preis von unter 40 Euro die halbe Flasche; der Service fragte sogar, ob er den Inhalt dekantieren solle. Auf anderes warfen wir nur sehnsüchtige Blicke. Rotwein vom Burkheimer Feuerberg von Bercher ist über alle Zweifel erhaben, der Clos de Vougeot von Jean Grivot stammte aus dem Jahrgang 2002, von Rhone-Winzer Jean-Michel Gerin listete man sogar eine unerwartete Fülle von Sorten. Nicht bloss der 1997er Château Chasse-Spleen bewies, dass man für reife Jahrgänge ein Herz hat. Eines für halb originelle Aperitifs hat man auch: Ausser Crémant von Dopff aus dem Elsass oder Madeira von Blandy’s wurden passend zum Herbst auch trockener weisser Portwein der Quinta de la Rosa und alkoholfreier Apfel-Apéro von Duttenhofer angeboten.
Die Küche weist ähnliche Freude am Experimentieren auf. Wer Martin Schlegel und seinen Hof nur auf badische Klassiker zurückstutzt, hat nicht genau gelesen. Natürlich darf man eine Vesper vom Kaiserstühler Fenchelschinken (€ 18,–) ordern oder Bibiliskäs mit Brägele (€ 13,–) verzehren. Doch es gab bei unserem Test auch die Krustentiersuppe mit Thai-Aromen (€ 14,–), das Lammcarré mit Szechuan-Pfeffer (€ 29,–) und die Buttermilch-Limonen-Mousse mit Mango und Passionsfrucht (€ 11,–). Mit unserem Feldsalat samt Nüssen, Speck und Croûtons waren wir übrigens sehr einverstanden, die Hokkaido-Suppe wurde mit Sternanis, Honig und Ingwer auf das schönste abgeschmeckt, und das Geschmorte von der Rinderschulter profitierte von Unmengen feinster Butterknöpfle und Wurzelgemüse. Wir mussten uns Mühe geben, anschliessend noch die Topfennockerln mit Rumzwetschgen und Rahmeis von weisser Schokolade und Zimt halbwegs zu schaffen. Vielleicht hätten wir da noch mal die Weinkarte aufschlagen und Süsses bestellen sollen. Machen wir das nächste Mal. Und schauen dann auch zu den Edelbränden.
Ganz zaghaft weisen wir auf das feine Frühstück hin, dass einer äusserst ruhigen Übernachtung folgte. Beim Bezahlen der Rechnung erfuhren wir dann auch, dass eine der bekanntesten deutschen Sommelièren aus dem «Schlegelhof» stammt und schon vor vielen Jahren ihren Weg in die weite Welt angetreten hat: Claudia Stern treffen wir bisweilen in Köln. Wir werden ihr sicher mal persönlich sagen, wie angenehm der Besuch in ihrem einstigen Zuhause ausgefallen ist. wf

Höfener Strasse 92, 79199 Kirchzarten, Deutschland
mo & di 18–24, do–sa 18–24 (Küche bis 21.30 Uhr), so 12–15 & 18–23 Uhr (Küche 12–13.30 & 18–21 Uhr), mittags (ausser so) & mi geschlossen
HG € 15–34, Keine Kreditkarten
Trouvaillen für Weinnasen: Rang 2

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