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Region Basel

Röschenzerhof

In Rudis Stube

Wer am Sonntagabend nicht «Tatort» sehen will, sondern sich gerne in guter Gesellschaft kulinarisch verwöhnen lassen möchte, hat es in Basel nicht einfach: Viele Restaurants haben geschlossen. Man muss dafür ein bisschen aufs Land. Ein sehr guter Ort, den Sonntagabend zu Tisch zu verbringen, ist der «Röschenzerhof». Und auf Gemütlichkeit muss man in der sehr wohnlich eingerichteten Gaststube nicht verzichten. Wer, wie wir, den Ecktisch am Fenster bekommt, der darf auf einem bequemen Sofa Platz nehmen. Überhaupt fühlt man sich im «Röschenzerhof» fast sofort wie zu Hause. Rudi Stroppa, ein Südtiroler mit herzlichem Gemüt, ist Gastgeber durch und durch und setzt alles daran, dass man sich bei ihm und seinem Team wohlfühlt. Küchenchef David Doudard leistet ebenfalls einen wesentlichen Beitrag dazu, dass der Besuch in bester Erinnerung bleibt.

Basel geht aus – TV vom 29. September 2018:

(Video: Telebasel)

Wir wollen zum Studieren der Karte einen Schluck Wein und werden schon das erste Mal sehr positiv überrascht. Rudi Stoppa springt über seinen Schatten und schlägt uns ein Glas Gemischter Satz von Groszer aus dem Südburgenland vor, welches etwas nördlicher liegt als seine eigene Heimat. Im Gegensatz zu einer Cuvée wird der Gemischte Satz nicht erst nach dem Keltern verschnitten. In der Regel wachsen die unterschiedlichen Traubensorten bereits am selben Rebberg, werden gleichzeitig gelesen, gepresst und vergoren. Aufgrund der unterschiedlichen Reifestadien der verschiedenen Traubensorten entstehen sehr vielschichtige, häufig säurebetonte Weine. Ein perfekter Wein für den Apéro, der Lust auf mehr macht.
Das kulinarische Highlight im «Röschenzerhof» ist sicher das grosse Menü in sieben Gängen. Bei unserem Besuch Ende Oktober hätte es als Vorspeisen zum Beispiel einen gegrillten Steinpilz serviert auf einem Apfelrisotto und iberischem Schinken, eine Krautstiel-Velouté mit gerösteten Kürbis- und Pistazienkernen, eine gebratene Coquille St-Jacques mit einem Ecrasé von Navette-Rüben an einer Safransauce und einen hausgemachten Raviolo gefüllt mit Pastinaken und einer Zwetschgensalsa gegeben. Als Hauptgang hätten wir zwischen einem Lamm-, Rind- oder Kalbsfilet wählen können, welches auf Sauerkraut und mit einer Espuma aus Camembert serviert worden wäre. Zum Abschluss Käse vom gut assortieren Käsewagen und eine Crema catalana. Das Menü kostet – je nachdem, für welches Fleisch man sich entscheidet – zwischen 92 und 96 Franken. Uns war das allerdings für einen Sonntagabend doch zu viel, und wir haben uns für herbstliches A-la-carte entschieden: Als Vorspeise hatten wir einen wahrlich herbstlichen, feinen und knackigen Salat (Fr. 11.50) und ein zart-schmelzendes Stück gebratene Entenleber mit Jus aus Zwetschgen und etwas Vanille (Fr. 29.50). Dazu hat uns Rudi Stroppa mit einer weiteren Weinempfehlung überrascht: ein fruchtbetonter Zibibbo von Curatolo Arini aus Marsala (Fr. 6.60) war die perfekte Begleitung zur Leber.
Beim Hauptgang haben wir uns für Reh entschieden. Einmal als perfekt rosa gegrilltes Entrecôte mit einer süss-herben Kakaokruste und einer Kastaniensauce (Fr. 46.50) und als Pfeffer (Fr. 39.50). Beide mit herbstlichem Gemüse – arrangiert in einer Rotkohltarte – und feinen, buttrigen Spätzli. Damit wir doch noch etwas aus Stroppas Heimat trinken, haben wir dazu ein Glas Laurin bestellt: eine Cuvée von Lagrein und Merlot von der Kellerei Girlan, eben aus Südtirol.
Überhaupt hat der «Röschenzerhof» eine grosse Weinkarte. Von der Gaststube aus kann man durch ein im Boden eingelassenes Fenster bereits einen Blick in den grossen Weinkeller werfen. Die Weinkarte bestätigt den Eindruck: eine grosse Auswahl an Flaschen aus aller Welt bietet für jeden Geschmack und jedes Budget etwas. Eigentlich wollten wir es dabei bewenden lassen. Der aufmerksame Gastgeber hat uns allerdings mit einem Gläschen Merlino 14/00 von Pojer & Sandri aus dem Trentino – einem Dessertwein aus Lagrein und Branntwein aus Vernatsch – gefügig gemacht. Und wir haben uns noch ein Walliser Aprikosensorbet mit Abricotine (Fr. 14.50) gegönnt.
Draussen ist es kalt und windig geworden, man hat keine Lust, die gemütliche Stube zu verlassen. Nach einem Espresso mit zwei hausgemachten Macarons machen wir uns dennoch zufrieden auf den Heimweg, welcher gar nicht so lange ist, wie man vermuten würde. tw

Oberdorfstrasse 8, 4244 Röschenz
Mo, Do & Fr 11:00 - 23:30 Uhr, Sa 10:30 - 23:30, So 10:00 - 22:00 Uhr
Dienstleistungen:
  • Mittags-menü
  • Vegetarische Gerichte
  • Terrasse/Garten
  • Sonntag offen
29.50 -Fr. 56.50 CHF