open menu close
Region Basel

Putzi’s Weinresidenz Zum Rössli

Das andere Kalifornien

Das Wetter ist es nicht, das Olsberg und Umgebung mit dem Golden State im Westen der USA verbindet, auch der Ozean ist von hier aus weiter entfernt als von Los Angeles und Santa Barbara. Doch die Begeisterung für Chardonnay, Cabernet und Zinfandel aus dem Napa, dem Sonoma Valley oder Paso Robles dürfte in Kalifornien nirgendwo grösser sein als hier, ein paar Kilometer von Rheinfelden entfernt. Das Phänomen erklärt sich mit der Person von Andreas Putzi. Der kam irgendwann auf den Geschmack, begann sich hineinzutrinken in die kalifornischen Weine, kaufte, importierte, handelte und sammelte. Heute führt er nicht nur einen Gasthof im Nirgendwo, in dem man auf beachtlichem Niveau speisen kann, sondern stellte auch einen riesigen Weinkeller zusammen.
Für den Keller hat er übrigens, weil mittlerweile der Sohn die Küche übernommen hat, mehr Zeit denn je. Der Gast sollte sie nutzen und nach dem Bestellen der Speisen nach unten gehen. Einen Aperitif bekommt er dort im Vorraum ausgeschenkt, darf sich dann nach Herzenslust umschauen. Die Ordnung haben wir nicht ganz verstanden, aber dass kalifornische Weine in der Mehrzahl sind, konnten wir auf der Stelle sehen. Preise stehen angeschrieben, die Erklärungen liefert der Chef mündlich. Der Mon Chevalier von Morlet (2010, knapp Fr. 200.– pro Flasche) gilt als Geheimtipp unter den Kaliforniern, einen Gravelly Meadow von Diamond Creek (1993, Fr. 210.–) wird man anderswo in der Schweiz wohl nicht so schnell finden. Glasweise gibt es auch immer Gutes, man muss nur fragen und Neugier zeigen. In unserem Falle kamen wir sogar in den Genuss eines roten 2006ers der unterschätzten Sorte Zinfandel von Easton – saftig und süffig, jetzt schön zu trinken. Wer keine Kalifornier mag, bestellt Burgunder. Riesling von Julian Haart, einem der angesagten Moselaner, hat es auch, ein paar ausgesuchte Spanier, Italiener, ebenfalls Grünen Veltliner von Knoll aus der Wachau. Doch eines ist klar: Hier verzettelt man sich nicht, sondern bewahrt eine klare Linie. Auch beim Service, der von Beatrice Arnosti auf extrem gastfreundliche Weise ausgeführt wird.
Ach ja, das Essen. Es ist saisonal, leicht verständlich, aus erkennbar guten Produkten zubereitet. Carpaccio vom Hirsch (Fr. 24.–) oder Capuns (Fr. 19.–) vorweg – in unserem Falle die Steinpilzcremesuppe mit Speck-Chips (Fr. 14.–). Danach Rindsfilet auf Cabernetjus (Fr. 58.–), Jungschwein aus dem Ofen (Fr. 38.–) oder, wie dieses Mal, Hirschpfeffer mit allen obligatorischen Beilagen (Fr. 38.–). Zu den Vermicelles, mit denen wir den Abend beschlossen, hätte auch ein Portwein gepasst. Den 1996er Guimaraens Vintage von Fonseca (Fr. 70.– die halbe Flasche) hatten wir unten gesehen, aber wir mussten leider noch fahren und deshalb passen. Zu spät erfuhren wir von den Gästezimmern, die in einem Nachbargebäude angeboten werden. Lediglich zu Beginn des Jahres sollte man aufpassen und rechtzeitig fragen, ob geöffnet ist. Schliesslich müssen Beatrice Arnosti und Andreas Putzi immer wieder persönlich in Kalifornien nachfragen, ob noch alles in Ordnung ist und wie der neue Jahrgang ausfällt. wf

Mitteldorf 12, 4305 Olsberg
di–sa 18–23 Uhr (Küche bis 22 Uhr), mittags, mo & so geschlossen sowie im März
HG Fr. 26–58, Menü ab Fr. 78
Trouvaillen für Weinnasen: Rang 1