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Südbaden

Pfaffenkeller

Wohnzimmer mit Bewirtung

Die Katze legt sich draussen auf die warme Motorhaube, noch bevor drinnen das Amuse-Bouche auf dem Tisch steht. Zwischen Einparkieren und erstem Happen liegen die herzliche Begrüssung und die ausführliche Beratung zu Speisen plus Weinen. Allmählich trudeln die Gäste ein, der hübsch eingerichtete Gastraum füllt sich, der Küchenchef kommt persönlich. Claude F. Gysin-Spitz ist ein Original, das sich unweit der Schweizer Grenze einen gastronomischen Traum erfüllt hat. Es handelt sich nicht um eine Beiz wie jede andere, sondern um eine Art Wohnzimmer mit Bewirtung, zu dem auch verblüffend stilvolle Hotelzimmer und -suiten sowie ein Hofladen gehören. Gäste werden wie Freunde des Hauses per Handschlag willkommen geheissen, alles geht individuell zu, aber man muss sich einlassen auf das, was das Team – den Service leitet Georg A. A. Gysin-Spitz – offeriert. Ist man aufgeschlossen, freut man sich über die Speisekarte mit strikt regional-saisonaler Ausrichtung und allerlei Hinweisen zu Allergenen und Produkten; Vegetarier und Veganer werden in überdurchschnittlicher Weise glücklich. Nüsslisalat mit Ei, Croûtons und Speck (€ 10,–) wäre zu haben, der Saibling mit Süsskartoffel (€ 7,–) oder die Mischung aus Quinoa, Amaranth, Wurzelgemüse und in Speck gebackener Pflaume, die wir als Auftakt bekommen, die bestens zum glasweise ausgeschenkten Winzersekt passt. Gut gelingt auch eine Geflügellebermousse im Baumkuchenmantel (€ 12,–), zu der man hier portionsweise Süsswein bestellen kann – wie überhaupt der Weinservice nichts zu wünschen übrig lässt. Auch im flüssigen Bereich setzt der «Pfaffenkeller» auf das, was die Umgebung so bietet, denkt nicht daran, die Gäste mit dem üblichen internationalen Repertoire zu langweilen. Stattdessen darf man in Reserve-Chardonnay von Abril (€ 37,–) oder der Cuvée aus Sauvignon blanc und Sauvignon gris von Schloss Ortenberg (€ 32,–) schwelgen.
Mit der Kürbissuppe zum Basteln wären wir noch glücklicher, würde das begleitende Kürbiskernöl etwas aromatischer schmecken; wir fügen nach eigenem Ermessen Thymian, Kürbiskerne und Rahm zur Suppe hinzu. Und überlegen gleich darauf, dass die Auswahl an Hauptspeisen für ein schnuckeliges Lokal wie dieses grösser ist als erwartet. Es gibt, neben anderen Dingen, Wildlachs mit Berglinsen (€ 23,–) und Hirschrückensteak mit Schupfnudeln (€ 31,–), die Fisch und Fleisch verschmähenden Gäste könnte sich auf Gemüselasagne mit Kichererbsen und Kürbis (€ 23,–) verlassen.
Dem Abräumen des Brotes vor dem Hauptgang könnten wir widersprechen, aber wir sind viel zu versonnen, um den Aufstand zu wagen. Zumal die Rindsroulade mit Kartoffelpüree und Herbstgemüse (€ 25,–) nichts an Würzung vermissen lässt. Wo gibt es heute noch Rindsroulade? Extrem hungrige Menschen würden sich über einen kleinen Zuschlag an Püree wohl freuen – aber wir sind sicher, dass die einen bekommen würden, fragten sie nett. Wir fragen abschliessend nur nach hausgemachter Cassata (€ 6,–) und Espresso, sind mit beidem sehr zufrieden, werden formvollendet verabschiedet. Die Katze vom Auto zu entfernen, fällt uns danach schwer; zu wohl fühlen wir uns in Wollbach. wf

Rathausstrasse 9, 79400 Wollbach (Kandern), Deutschland
mi–sa 18–23.30, so 12–15.30 & 18–23.30 Uhr (Küche 12–14 & 18–22 Uhr), mo & di geschlossen, ebenfalls mittags (ausser so) sowie 27. bis 30. Dezember, ganzer Februar und die ersten zwei Wochen im August
Dienstleistungen:
  • Sonntag offen
  • Terrasse/Garten
  • Vegetarische Gerichte
HG € 22–42, Menü ab € 37 Keine Kreditkarten
Südbadische und Elsässer Trendsetter: Rang 7

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