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Region Basel

Osteria Tre (im Hotel Bad Bubendorf)

Understatement auf höchstem Niveau

In Italien nennen sich die Gaststätten, welche schon an der Türe ihre Gäste wissen lassen wollen, dass man hier «gehobene» Küche erwarten darf, Ristorante. Die anderen Lokale, welche eher die Geselligkeit in den Mittelpunkt stellen und wo die Mamma am Herd ein bisschen Pasta kocht, sind die Trattorie oder Osterie.
Daher muss die Namensgebung bei der «Osteria Tre» – einem der drei Restaurants im Hotel «Bad Bubendorf» – wohl als Koketterie und Understatement verstanden werden, denn in Tat und Wahrheit wird dort Italianità auf höchstem Niveau zelebriert und das, ohne die Geselligkeit zu vernachlässigen.
Nachdem wir zu unserem Tisch begleitet worden waren, kümmerte sich ein junger Mann, welcher gemäss dem Namensschild noch in der Ausbildung ist, um uns. Wir nehmen es gleich vorweg: er begleitete uns sehr sympathisch und aufmerksam durch den Abend, auch wenn er zu Beginn noch etwas nervös war und mit den Beschreibungen des Angebots aus Küche und Keller noch nicht ganz auf Du und Du war.
Jedenfalls traf seine Empfehlung, als Aperitivo ein Glas Franciacorta Ca’ del Bosco (Fr. 10.–) zu trinken, unseren Gusto. Dank zwei feuchten Tüchern, welche uns an den Tisch gebracht wurden, angenehm erfrischt, freuten wir uns auf das, was uns der Abend bringen sollte. Wie eine wichtige Postille aus der Küche wurden uns zwei gerollte Papiere überbracht, auf welchen das «Menu Uno» präsentiert wurde: das saisonal wechselnde Menü, welches Flavio Fermi – der Chef am Herd – kreiert. Das «Menu d’autunno», welches ab zwei Personen serviert wird und pro Person 135 Franken kostet, bestand bei unserem Besuch aus Fischcarpaccio mit einer Riesencrevette, Saltimbocca vom Merluzzo – also vom Kabeljau – und danach einer klassischen Bistecca alla fiorentina und zum süssen Abschluss einem Tiramisu aus Baselbieter Zwetschgen.
Zu einem Brotkörbchen mit verschiedenen briocheartigen Focaccine und Südtiroler Griebenschmalz, Pestocreme und Tomatenpesto dazu, haben wir uns der Speisekarte gewidmet. Sehr sympathisch fanden wir die Idee des Youngster-Menüs, welches Menschen bis 30 Jahren angeboten wird: die Jungen aus der Küche verwöhnen mit diesem Angebot junge Gäste mit einem 4-Gang-Menü für 85 Franken, das, wie die Karte anpreist, man so schnell nicht vergessen wird.
Wir wollten allerdings aus der Karte wählen und haben uns bei der Vorspeise für ein kleines Tatar vom Kalb mit einem pochierten Wachtelei und Meerrettich (Fr. 28.–) sowie Entenleber-Terrine mit Kakao, Mango und Langpfeffer (Fr. 30.–) entschieden. Beide Vorspeisen repräsentieren bestens die Fähigkeiten der Küche: mediterrane Klassiker ohne Aufhebens in eine zeitgemässe und wohltuend unaufgeregte Form zu bringen, so dass die Aromen der Zutaten zu ihrem Recht und zur Geltung kommen.
Kein italienisch inspiriertes Essen ohne einen Pasta-Gang: hier haben wir Tagliatelle alla carbonara (Fr. 30.–) gewählt und waren gespannt darauf, wie die Küche dieses Gericht meistert, welches leider viel zu oft in langweiligem Rahm versinkt. Wir wurden verwöhnt mit feinsten Nudeln an einer leichten Sauce mit 50 Monate altem Büffelparmesan und statt dem Bauchspeck mit dünnsten Scheiben vom Parmaschinken. Dazu tranken wir ein Glas Roero Arneis Trinita von der Tenuta Malvirà (Fr. 7.90).
Zum Hauptgang haben wir uns für den grossen Klassiker der italienischen Fleischküche entschieden: die Bistecca alla fiorentina, welche mit sehr authentischem toskanischem weissem Bohnensalat, marinierten Pilzchen und einem Rosmarin-Jus serviert wurde. Bekommen haben wir auf einem grossen Holzbrett eine nahezu 900 Gramm schwere Bistecca, nach allen Regeln der Kunst zubereitet. Aussen kurz und scharf angebraten, innen noch wunderbar zart und rot. Das war Fleischgenuss auf höchstem Niveau zum sehr moderaten Preis (Fr. 69.– pro Person). Dazu passte bestens ein Glas Barbera Ca’ di Pian von Giorgio Rivetti (Fr. 7.90).
Wer sich nicht im selben Ausmass solchen Fleischgenüssen hingeben will, der hätte an diesem Abend auch einen Teller aus dem Meer mit Steinbutt und Oktopus oder eine Perlhuhnbrust mit Lardo Colonnata bestellen können.
Mit dem Besuch des äusserst sympathischen Flavio Fermi an unserem Tisch geht ein äusserst genussvoller Abend zu Ende. Wenn wir etwas monieren wollten, dann höchstens, dass die Weinkarte, welche schon eher als Weinbuch bezeichnet werden müsste und seit Jahren vom «Wine Spectator» ausgezeichet wird, noch ein bisschen mehr Auswahl an offenen Weinen anbieten könnte; trotz der sehr grossen Auswahl an halben Flaschen sind drei Weissweine und drei Rotweine eher an der unteren Grenze. tw

Kantonsstrasse 3, 4416 Bubendorf
di–sa 18–24 Uhr (Küche bis 21.30 Uhr), mittags, mo & so geschlossen sowie 1. bis 9. Januar, 5. bis 13. März und 16. Juli bis 7. August
Dienstleistungen:
  • Hunde erlaubt
  • Terrasse/Garten
  • Vegetarische Gerichte
HG Fr. 40–69, Menü Fr. 128
Verführung auf Italienisch: Rang 1

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