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Region Basel

Neubad

Ein Mittag bei Julie und Philipp

Um das Abendmenü am Mittag zu geniessen, muss man sich nicht gross anstrengen, sondern einfach Bescheid sagen. Vorher natürlich, bei der Reservierung, rechtzeitig. Damit sich die Küche vorbereiten und dann alles auffahren kann, was sonst nur den Znacht-Gästen vorbehalten ist. Ob man das tun sollte, fragen Sie? Ob nicht auch das einfache Lunch-Angebot genügt? Für den Alltag ja, aber wehe, es gibt was zu feiern! Dann ist das von Julie Jaberg Wiegand und Philipp Wiegand geleitete Restaurant mit seinem vier- bis sechsgängigen Spitzenmenü genau die richtige Adresse. Nicht erst seit gestern übrigens, die Geschichte des Hauses ist lang und vielfältig, beginnend mit der Entdeckung der Quelle über die Eröffnung des neuen Bads bis zu den wechselnden Wirten und Angeboten des Gasthauses. Vor ein paar Jahren übernahm das junge Paar die Leitung. Ob man jemals besser essen konnte als bei Julie Jaberg Wiegand, die bei Tanja Grandits Erfahrungen sammelte, und dem aus Deutschland stammenden und im Gourmetdorf Baiersbronn geschulten Küchenchef? Wagen wir zu bezweifeln, denn schon das aufgedeckte Brot entspricht dem eines Gourmetrestaurants, das Olivenöl schmeckt ausgezeichnet, und die Weinkarte hat Klasse, ohne den Gast zu überfordern. Die Cuvée d’Or von der Siebe-Dupf-Kellerei, einen süffigen Einsteiger, gibt es ebenso glasweise wie den Chablis von Alain Geoffroy, und bei den Flaschen finden sich diverse Raritäten. Man kann über die Stränge schlagen im «Neubad», aber nie so, dass man sich am nächsten Morgen ärgern würde.
Kalbsbäckchenragout als Amuse-Bouche ist das, was unsereiner erwartet an einem goldenen Herbsttag wie diesem. Auch die Kombination von Scampi, Mais und Safran passt in die Jahreszeit und zeigt, was die Küche antreibt. Herzhaft soll es sein, aber differenziert. Verschiedene Texturen gehören hier zu jedem Gang, aber abgehoben soll es nicht sein. Schweinsbrust, Zwiebel und grüner Apfel machen dies nochmals deutlich: Das Fleisch ist fein gegart, der Apfel steuert einen Hauch Süsse bei, die Zwiebel Würze. Beim Hauptgang kommt die Bedienung ins Erklären. Blumenkohl (gebacken sowie als eine Art Couscous) und Currytrauben werden variiert und zum Kalb dargeboten. Das Ergebnis ist wunderbar vielschichtig, ansatzweise orientalisch und erfrischend, schreit fast nach einem Wein mit Würze. Ob es der üppige Nounat aus den Tiefen Mallorcas sein soll? Ob der Chablis trotzdem passt? Tut er, und bis zum Dessert ist er ausgetrunken. Crème Gruyère und Rosmarin, Honig und Meringue bringen zum Abschluss mediterrane Würze hervor, aber ein bisschen allzu süss ist der Nachtisch dann schon – da fehlen die Kontraste. Es ist die einzige kleine Kritik, die wir am «Gasthof Neubad» üben, und sie ist so winzig, dass man sie gleich wieder vergessen und sich lieber an den tollen Mignardises und am nett verabschiedenden Service erfreuen sollte. Des seligen Benedikt Staehelin, des Entdeckers der Quelle, sollten Sie beim Rausgehen unbedingt gedenken – ohne ihn wäre Binningen um viele Attraktionen ärmer. wf

Neubadrain 4, 4102 Binningen
Di-Fr 12:00-14:00 Uhr, 18:00-23:30 Uhr, Sa 18:00-23:30 Uhr, So-Mo geschlossen
Dienstleistungen:
  • Mittags-menü
  • Terrasse/Garten
HG: ab 32 CHF, 3-Gang Menu ab 86 CHF