open menu close
Basel

Löwenzorn

Liebhabereien

Es ist immer interessant, wenn ein Koch mit am Tisch sitzt. Kommt es zur Speisenwahl, wird er in der Regel mutiger entscheiden, nämlich Gerichte aussuchen, welche der Rest der Runde nicht mal in Erwägung zieht. Im «Löwenzorn», dieser von den Frick-Brüdern Karim und Anwar im Sommer übernommenen Basler Traditionsbeiz im Herzen der Stadt, könnten das Kuttelknusperli mit pikanter Sriracha-Mayonnaise sein (Fr. 17.–) oder das halbe Schweinszüngli mit Specktranche auf Sauerkraut und Kartoffeln (Fr. 29.–). Wir trinken Bier: Ueli Reverenz. Gibt es wie andere Biere auch, von Appenzeller Brandlöscher bis Paulaner Oktoberfest, in drei Grössen: 3 dl (Fr. 5.40), 5 dl (Fr. 8.20), «Leue»-Krug mit 2,1 Litern (Fr. 35.70). Dazu passen warme Bretzeln (Fr. 2.50).
Der neu gestaltete «Löwenzorn»-Hofgarten mit Segeldach und Bar bietet viel Altstadtflair und ist nun wieder Anziehungspunkt für durstige und hungrige Gäste. Die verschiedenen historischen Säle im Haus sorgen fürs richtige Ambiente bei kleineren Anlässen und grösseren Festivitäten, ganz besonders der prächtige, mit Renaissance-Täfer beschlagene Intarsiensaal aus dem 16. Jahrhundert, geeignet für 50 bis 70 Personen. Holz dominiert auch das gemütliche Restaurant im Parterre, wo die Bänke gepolstert sind, man ansonsten auf Stabellen an runden oder rechteckigen Tischen Platz nimmt, nahe beim grünen Kachelofen oder unter Butzenscheiben.
An unserem Tisch sitzt tatsächlich ein Koch. Und er bestellt von den warmen Vorspeisen die Kalbshirn-Spinat-Omelette mit Kürbismus (Fr. 19.50) und umschreibt später die Konsistenz der Füllung: wie lauwarme Austern. Wir geniessen eine Pastinakencreme, die mit etwas Mark veredelt worden ist und ihre rauchige Note gebratenen Speckstreifen verdankt (Fr. 11.50). Zudem eine Hühnerleberpâté auf Baguette, das Brot etwas lasch, die Pâté kräftig und lebrig (Fr. 17.–). Fleischkäse gäbe es, hausgemachte Frikadellen oder einen Wurstsalat. Zu den Klassikern und Spezialitäten zählen die Kalbsleberli, die butterzart sind, eher durchschnittlich fällt die Rösti dazu aus. Sodann das Cordon bleu vom Kalb, gefüllt mit Bergkäse und Schinken. Das Kalbsgeschnetzelte, das Kalbspaillard auf Gemüseragout und das Wienerschnitzel mit sehr gutem, lauwarmem Kartoffel-Gurken-Salat, das Tatar maison oder der Burger.
Wer davon ausgeht, das «Zorn» sei vor allem eine Bierbeiz, täuscht sich. Der Weinkeller ist überraschend mit teils äusserst interessanten Gewächsen bestückt, auch mit lokalen Trouvaillen. Zum Essen liessen wir uns eine Flasche Weissburgunder entkorken, den süffigen Le Petit Blanc 2016 vom Riehener Schlipf (Fr. 57.–). Eine weitere Überraschung ist das Angebot an Desserts. Neben Vermicelles und Crema catalana empfehlen sich ein Bread-&-Butter-Pudding mit Lebkuchenglace, ein Quitten-Tiramisu auf Buttenmostspiegel oder ein warmer Schokoladenvulkan mit gesalzener Fior-di-latte-Glace. wm

Gemsberg 2, 4051 Basel
mo–do 11–14 & 16.30–24, fr 11–14 & 16.30–01, sa 12–01, so 14–23 Uhr (Küche bis 21 Uhr), so-mittag geschlossen
HG Fr. 24–43
Gemütliche Beizen für Geniesser: Rang 4

Weitere Restaurants aus "Gemütliche Beizen"