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Elsass

Les 4 Saisons

Noch eine Flasche vom Ältesten

Wir rieben uns verwundert die Augen, als wir das Hotel erblickten. Dort, wo vermutlich nur alle paar Jahre ein Gourmet vorbeikommt, in den Vogesen, ein gehöriges Stück von der Elsässer Weinstrasse entfernt. Eine überdimensionale Entenfigur stand vor der Tür des Hauses, in dem heute eine Frau am Herd steht. Christelle Mentzinger-Lang führt die fast 50 Jahre alte Gasthofstradition der Familie fort und tut das, was nicht selbstverständlich ist: Sie setzt eigene Akzente.
Drinnen ist zum Glück nichts vom Entenkitsch zu spüren, die Holztische sind hübsch und ein bisschen elsässisch geschmückt, die Bedienung ist herzlich. Weder die Chefin noch ihren Mann, Frédéric Mentzinger, Sommelier mit Erfahrungen im Pariser «Lucas Carton», haben wir bei diesem Besuch gesehen, aber der Weinservice verlief auch ohne den Patron ausgezeichnet. Auf die Bestellung einer Flasche sollte hier niemand, der halbwegs bei Trost ist, verzichten – aber dazu später. Erst mal geht es um das Auswählen der Speisen. Neben die Karte, auf der diverse Menüs aufgeführt wurden, platzierte die Kellnerin eine Tafel, auf der verfeinerte Klassiker der regionalen und französischen Küche standen. Feuilleté au Munster, der gratinierte Markknochen oder Salat mit Entenbrust. Danach hausgemachte Fleischnackas, Zanderfilet oder Kalbsschnitzel à la crème. Klingt nicht spektakulär, ist es aber, denn die von uns verzehrte Pâté en croûte war erkennbar selbstgemacht, gut gefüllt, saftig innen, knusprig aussen. Auch die Kalbsnieren hätte man kaum besser zubereiten können: eine Fülle an Fleisch, begleitet von ausgezeichnetem Gemüse und hausgemachten Spätzle. Und auch die Dessertvariation mit Sorbet, Kuchen, dekonstruierter Schwarzwälder Kirschtorte und mehr ragte über Elsässer Standard hinaus. Über Preise zu sprechen, lohnt kaum: Das teuerste Menü kostet 39 Euro, der hochpreisigste Hauptgang steht mit 22 Euro auf der Tafel.
Kostenintensiver wird es auch bei den Weinen nicht. Dem «4 Saisons» ist es gelungen, eine spannende, hochklassige Karte samt reifen Trouvaillen zusammenzustellen, die jedem Kenner das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Wir schwankten, ob wir einen 1990er (!) Riesling Grand Cru von Haegi zu 33 Euro, einen 2001er Savagnin aus dem Jura zu 28 oder den 2008er Viré-Clessé der Domaine de Sainte Barbe zu 52 Euro bestellen sollten. Für 51 hätte es einen Bordelaiser Maucaillou (Jahrgang 2005) gegeben, und das Faible fürs Piemont lässt sich an den Erzeugern ablesen: Pio Cesare, Gaja, Renato Ratti. Man schaut hier über den Tellerrand! Bei uns wurde es dann doch der fast drei Jahrzehnte alte Elsässer, reif, aber noch angenehm würzig: ein Schnäppchen! Hätten wir nicht noch Termine gehabt, weit weg, in der Zivilisation, wäre die Übernachtung eine Überlegung wert gewesen – zumal die hiesige Digestifkarte die umfangreichste ist, die wir zwischen Basel und Nancy kennen. wf

3 Route Du Frenz, 68820 Kruth
Dienstleistungen:
  • Mittags-menü
  • Vegetarische Gerichte
Mittagsmenu ab 13 EUR