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Elsass

L’Alchémille

Hot Spot
Basel geht aus-TV vom 1. September 2018.

Mit Ribeauvillé und Riquewihr gehört Kaysersberg zu den Tourismus-Stars im Südelsass. Während sich Busladungen und Familienverbände bei Choucroute alsacienne, Baeckeoffe und Fleischnacka «vergnügen», fahren wir gen Osten in Richtung Lapoutroie ins «L’Alchémille». Gut, hat Jérôme Jaegle ein Riesenschild mit seinem Logo am schmucklosen Flachbau angebracht. Sonst wären wir glatt vorbeigefahren am aktuellen Hot Spot im Elsass. Schilder am Eingang weisen zum Stammtisch und zur «Erweckung der Geschmacksnerven». Das macht genauso neugierig wie der Name «L’Alchémille», eine Pflanze, die Frauen fruchtbar machen soll und deren Morgentautropfen Elfentränen seien, die Waldgeister getrunken haben. Fauler Zauber? Mitnichten, eher geschürte Neugier auf ein spannendes, interessantes Menü namens Oxalis (7 Kreationen zu € 58,–). Es gäbe noch Pimprenelle (5 Kreationen zu € 48,–), Aspérule (4 Gänge zu € 38,–) und ein Mittagsmenü («Retour du marché» zu € 24,–). «Zurück zur Natur» könnte man auch nennen, was bei Jérôme Jaegle Programm ist. Pimpernelle hilft beispielsweise bei Frühjahrsmüdigkeit, Sonnenbrand und bei mindestens 15 weiteren Wehwehchen. Oxalis (Sauerklee) dagegen ist vordergründig ein übles Unkraut dessen Bekämpfung auf unzähligen Seiten im Netz empfohlen wird. Unkraut hin, Unkraut her, der geräucherte Kartoffelstock mit eben diesem Sauerklee und einem sehr intensiven Kräuteröl zu Beginn lässt ahnen, wie dieser Abend verlaufen wird. Überraschend, witzig, abwechslungsreich und weit weg von Sauerkraut und Co.
Ausser den Menü-Namen gibt es keine Hinweise, was aufgetischt wird. Lediglich kleine, mehr oder weniger lustige Illustrationen zeigen, was in der Küche passiert. Dass sich beispielsweise ein Kaninchen im Topf mit wildem Knoblauch, Dinkelchips und Bärlauch trifft («Rencontre avec un lapin» steht darüber) und daneben Spargel auf die Zubereitung wartet.
Bevor wir uns lange mit dem Bilderreigen «Essais pour l’avenir» die Zeit vertreiben, kümmern wir uns lieber um den Wein. Das lohnt sich. Aus der kenntnisreich komponierten Weinkarte wird es der Clos Saint Landelin sein, ein 2014er Riesling von Véronique und Thomas Muré, die das Weingut in Rouffach in zwölfter Generation betreiben. Der noch junge Riesling kitzelt den Gaumen mit frischen Südfrüchten und lässt bei den Kräutern von Jérôme Jaegle die Ellenbogen drin. Vor allem beim «Festival in Grün» – Basilikumravioli, Sauerampfer, Estragon hielt er sich vornehm zurück. Wunderbar! Der Kalbfleischsalat und das Ragout vom selben Tier spielen bei dieser Kreation nur die zweite Geige. Und das ist gut so.
Beim Saibling wiederum geniessen wir die Hauptrolle des Fisches sehr gerne. Selleriemousse, Fenchel und Dill drängen sich nicht in den Vordergrund. Beste Nebenrollen! Das alles war ein feines Gusto-Stückchen sensibler Abstimmung vom «vielversprechenden Jungtalent» («GaultMillau»). Der «Michelin» spendierte einen hochverdienten Stern. Da gratulieren sicher auch seine Lehrmeister Jean-Yves Schillinger (Colmar), Olivier Nasti (Kaysersberg) und Christian Têtedoie (Lyon).
Bei der Taubenbrust liegt uns ein spontanes «Salut» an die Küche sehr am Herzen. Rosa, zart, super Qualität, perfekt begleitet von Bohnenkernen, Erbsen und einer eleganten Karottenmousse. Dazu ein brauner Geflügeljus – zum Löffeln gut. Begleitet hat uns ein 2000er Chateauneuf-du-Pape der Domaine Beaurenard. Zum Glück brauchts manchmal nicht viel.
Beim «Terre du jardin» genannten Dessert mit Erdbeeren in diversen Interpretationen, kleinen Sesamküchlein, Fromage-blanc-Eis fällt einer Tischgenossin nichts Besseres ein als: «Ich hätte lieber noch ’ne Taube gehabt.» Anders ausgedrückt, der Nachtisch konnte nicht ganz mithalten mit dem Feuerwerk bislang, all den Gerüchen, Geschmäckern und Kreationen.
Ein erneuter Besuch zu Pimprenelle oder Aspérule (Waldmeister) ist in jedem Fall geplant. Neugierig wie wir sind. sk

53 Route de Lapoutroie, 68240 Kaysersberg-Vignoble, Frankreich
Mi-So 12:000-14:00 Uhr, 19:15-21:00 Uhr
Dienstleistungen:
  • Mittags-menü
  • Sonntag offen
Mittagsmenu ab 24€

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