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Elsass

La Petite Auberge

Gastfreundschaft mit Garten

Spät waren wir da, aber längst nicht zu spät. Auch wenn uns der Verkehr einen Streich gespielt, wenn es schon halb zwei geschlagen hatte, dachten die Inhaber nicht daran, uns schief anzuschauen. Selbstverständlich sei es noch nicht zu spät und klar, dass wir noch das «Menu Gourmet» bestellen dürften! Einen Platz im idyllischen Garten bekamen wir auch und fanden schnell heraus, dass wir an diesem Mittag im Sommer nicht die einzigen Gäste waren, die sich für einen kulinarischen Besuch in Bergholtz entschieden hatten. In einem Ort, der ja seiner Lage wegen meist in Vergessenheit gerät, wenn Kenner die bekanntesten Destinationen der Elsässer Weinstrasse aufzählen. Bergholtz ist nicht Riquewihr, weder Colmar noch Kaysersberg. Touristentrubel hallt anderswo durch die Gassen.
Der Gastronomie kommt die Ruhe zupass. Küchenchef Georges Castanheira, Elsässer mit portugiesischen Wurzeln, lässt es ohne Kraftmeiereien angehen, denkt nicht daran, zu viel zu wollen. Mögen sich andere um Sterne bemühen, er bleibt auf dem Boden, serviert Klassisches mit regionalem Touch. Eine Wassermelonensuppe als Amuse-Bouche zum Beispiel, herrlich erfrischend, gefolgt von der für ein französisches Restaurant im Rahmen eines Gourmetmenüs unvermeidlichen Foie gras, angereichert um Lauch. Lauch? Zur cremigen Leber? Ungewöhnlich, aber interessant, denn die Beigabe brachte eine unvermutete Würze ins Essen. Dazu einen Süsswein zu trinken, wäre ein Fehler gewesen, wir blieben beim Pinot gris von Rominger, einem der Spitzenwinzer des Ortes. Offenes hat die Karte reichlich zu bieten, flaschenweise eh, geht weit übers Elsass hinaus. Auch aromatisch, denn die gebratenen Langustine mit Tomaten hatten mehr mit Mittelmeer zu tun als mit Sauerkraut-verliebter Cuisine à l’alsacienne. Wie in alten Zeiten wurde dann ein Sorbet gereicht (mit Apfel, viel zu süss), doch der unter dem Nachbartisch dösende Hund wurde erst beim folgenden Gang neugierig. Rindsfilet à la forestière, also mit vielen Pilzen. Eine mächtige Tranche, eine kräftig reduzierte Sauce. Alles gut. Wie auch bei Käse und Beerendessert, mit denen wir uns einen netten Abschluss gönnten.
Nein, Bäume werden keine ausgerissen, aber wohlgefühlt haben wir uns in diesem Elsass-Restaurant sehr. Zumal der Service auch nach dem Bezahlen der – sympathisch niedrigen – Rechnung noch bestens gelaunt war und aus der Verabschiedung fast eine Feierlichkeit machte. wf

4 rue de l'Église, 68500 Bergholtz
Mo & Do 12:00-13:30 Uhr, 19:00-20:30 Uhr, Di & Mi geschlossen, Fr-So 12:00 -13:30 Uhr, 19:00-20:30 Uhr
Dienstleistungen:
  • Vegetarische Gerichte
  • Terrasse/Garten
  • Sonntag offen
  • Mittags-menü
HG: 26€-33€

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