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Südbaden

Krone

Hausgemachtes aus Prinzip

Historische Filme könnte man drehen in Zunzingen, ohne viel verändern zu müssen. Ein paar Szenen würde der gewiefte Regisseur wohl auch in die «Krone» verlegen, in ein Gasthaus, das sich von der austauschbaren heutigen Gastronomie deutlich unterscheidet. So ähnlich muss man vor vielen, vielen Jahren überall in Baden gewirtet haben, bis Neunmalkluge auf die Idee kamen, mit der Zeit zu gehen. Die Besitzer der «Krone» aber liessen sich nicht beirren. Warum etwas verändern, wenn es denn gut ist?
Und es ist gut, wie wir überprüfen konnten. Wir nahmen Platz unweit des Kachelofens, unter jenen Bildern, die Jubiläen des hiesigen Gesangsvereins zeigten. 1958 feierte der sein 75-jähriges Bestehen, lauter würdige Herren in Sonntagskleidung schauen ernst und würdevoll in die Kamera. Ob auch Frauen mitsingen durften, ist nicht in Erfahrung zu bringen, auf dem Foto konnten wir keine ausmachen.
Dafür war die Wirtin des Hauses schnell auszumachen. Kristina Rüdlin kam persönlich an den Tisch und brachte bald das Gewünschte. Die Speisenauswahl ist nicht riesig und bodenständig bis zum Gehtnichtmehr, aber genau das ist es ja, was die Ortsansässigen früher erwarteten und was Gourmets heute wieder schätzen. Einen Elsässer Wurstsalat (€ 8,–) kann man also bekommen, das Käsebrot mit Schweizer (!) Emmentaler (€ 7,50) oder hausgemachten Käse, aus Rohmilch bereitet und mit 8,50 Euro fast so etwas wie das hiesige Äquivalent zum Rindsfilet anderswo. Wer es lieber warm mag, ordert Schäufele mit hausgemachtem Kartoffelsalat (€ 9,–) oder gebratenen Fleischkäse mit Ei (€ 8,–). Das selbstgebackene Brot bekommt man an jedem Tag, den ebenfalls persönlich zubereiteten Kuchen dagegen nur sonntags. Wäre ja noch schöner, wenn man immer im Besonderen schwelgen wollte!
Wir können jedenfalls persönlich die überdurchschnittliche Qualität von Kartoffelsalat, Brot, Käse (mit Zwiebeln und Kümmel serviert) und Hausmacherwurst bestätigen und auch die Grösse der Portionen: Satt ist hier noch jeder geworden. Dass die Chefin sich irgendwann in die Küche zurückzog und die weitere Servicetätigkeit einer jungen Dame übergab, schadete dem ganzen Erlebnis kein bisschen. Gewundert haben wir uns nur bei der Lektüre der Weinkarte. Ob es vor 50 Jahren auch schon so viel Auswahl gegeben hat? Der von uns verkostete 2015er Gutedel von Schlumberger aus Baden (€ 17,– die Flasche) schmeckte ausgezeichnet, aber es hätte auch Sauvignon blanc von Schneider oder Merlot von der Ihringer Winzergenossenschaft gegeben. Sogar ein Grosses Gewächs von 2011 und aus Pinot noir, abgefüllt von Schlumberger und mit 36 Euro für Müllheimer Verhältnisse purer Luxus.
Den gewährt übrigens auch die Terrasse hinterm Haus, eine der schönsten, die wir im Markgräflerland kennen. Das Filmteam könnte hier so manche Pause machen und in den eigenen Ferienwohnungen bequem übernachten. wf

Rosenbergstrasse 8, 79379 Müllheim-Zunzingen, Deutschland
mi–so ab 15 Uhr (Küche 15.30–21 Uhr), mo & di geschlossen sowie Weihnachten/Neujahr
HG € 5–11 Keine Kreditkarten
Ab ins Grüne: Rang 6

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