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Kleinbasler Innerstadt

Krafft

Beim Fischer und Sammler

Es ist Ende August, die Sonne geht im Westen über dem Novartis Campus schon ein bisschen früher unter als noch vor einem Monat. Noch hat es viele Wickelfische, welche den Bach ab treiben, doch braucht es schon ein bisschen mehr Überwindung, sich in die Fluten zu stürzen.
Wir hatten Lust, bei angenehmen Temperaturen noch einmal am Rhein zu sitzen. Wenn einem der Sinn nach mehr als einer Buvette steht, dann ist das «Krafft» mit seiner grossen Rheinterrasse ein sicherer Wert. Leider hat uns dann ein heftiges Sommergewitter am Nachmittag einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Den Aperitif haben wir dennoch an der zum «Krafft» gehörenden «Consum»-Bar eingenommen und dann mit Freude – es war nach dem Gewitter nämlich doch etwas kühler geworden – im grossen Speisesaal im ersten Stock des Hotels Platz genommen. Hier wird man von einem jungen, motivierten und enthusiastischen Serviceteam in Empfang genommen.
In der Küche wirkt seit rund einem Jahr Hubert Mayer. Seine Art zu kochen passt perfekt zum Hotel: mit klarer Haltung, aber ohne Prahlerei. Die Abendkarte bietet ein paar wenige Vorspeisen wie zum Beispiel einen toskanischen Brotsalat mit Pesto und cremiger Burrata (Fr. 18.–), ein Tatar vom Baselbieter Rind mit Pfifferlingen, Kirschen und Belper Knolle (Fr. 24.–) oder eine sommerliche kalte Suppe von geschmorten Tomaten und Basilikum (Fr. 15.–).
Bei den Hauptspeisen sind uns der Spinatrisotto mit Pinienkernen und Rucola (Fr. 27.–) oder das geschmorte Kalbsbäggli mit Erbsen-Parmesan-Stampf und Zucchini (Fr. 48.–) aufgefallen. Da uns der junge Bursche im «Consum» so überschwänglich dazu geraten hat, unbedingt Hubis Menü zu essen, haben wir uns also darauf eingelassen. Und wir sagen es gleich vorneweg: Es war eine gute Idee. Und wir haben genickt, als wir gefragt wurden, ob wir uns auf die Weinempfehlungen verlassen wollen.
Die Küche begrüsste und überraschte uns zuerst mit einer Brennnesselcreme mit Flusskrebs und Wakame. Als Vorspeise genossen wir hausgebeizten Saibling auf grünem Gazpacho und Avocado-Salsa mit Scheibchen von diversen Apfelsorten und frischem Meerrettich. Dazu haben wir ein Glas Riesling Grauschiefer von Andreas Schmitges getrunken, der perfekt sowohl zum Amuse-Bouche als auch zur Vorspeise passte.
Als Hauptgang hat Hubert Mayer auf dem Holzkohlegrill ein Côte de bœuf perfekt rosa gebraten. Er servierte es uns persönlich mit einer Kartoffel-Mousseline und von ihm – der sich selbst als Sammler und Fischer bezeichnet – selbst gesuchten regionalen Sommertrüffeln und Pfifferlingen. Dazu passte ein nur leicht im Holz ausgebauter Merlot von Georg Prieler vom Neusiedlersee perfekt.
Den süssen Abschluss bildete ein Schoggiküchlein im Strudelteig mit Salzcaramel und roten Beeren. Eine Riesling-Spätlese vom Weingut Bischel war hierzu die richtige Begleitung.
Das Menü hat uns pro Person 75 Franken gekostet. Die Weinbegleitung – vom Merlot haben wir uns noch ein bisschen mehr einschenken lassen als ein Glas – hat mit 84 Franken für zwei Personen zu Buche geschlagen, was wir summa summarum als ein perfektes Preis-Genuss-Verhältnis erlebt haben.
Schön, dass Hubert Mayer im «Krafft» seinen Wirkungsort gefunden hat und neben seinen Sammler- und Fischer-Qualitäten vielleicht auch das Sesshafte eines Bauern zu schätzen lernt und uns für die nächste Zeit erhalten bleibt. tw

Rheingasse 12, 4058 Basel
Täglich 12:00-13:45 Uhr, 18:30-21:45 Uhr
Dienstleistungen:
  • Mittags-menü
  • Terrasse/Garten
  • Raum für Raucher
  • Sonntag offen
HG ab 26 CHF

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