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Südbaden

KellerWirtschaft

Wein-Kathedrale

Natürlich gibt’s in der «KellerWirtschaft» auch was zu essen. Schliesslich wirkt in der Küche mit Sebastian Heil ein absoluter Könner seines Fachs. In seiner Familie hat der Beruf des Kochs Tradition, selber hat er sich vor allem in München einen Namen gemacht, erst im Restaurant «Terrine» (ein «Michelin»-Stern), später im «Tramin». Nun sorgt er seit Herbst 2015 – mit einer schnörkellosen Produkteküche, wie es sich Fritz Keller gewünscht hat – dafür, dass sich die Gäste sauwohl fühlen. In dem etwas ausserhalb von Oberbergen gelegenen, in die Hügel des Kaiserstuhls hineingebauten Bergkeller, einem architektonisch gelungenen, modernen Meisterwerk des Weinguts «Franz Keller Schwarzer Adler».
Zur Wirtschaft geht es erst durch die Vinothek (mit hauseigenen und europäischen Gewächsen), dann nicht etwa die Treppe hinunter in den Keller (Glas im Fussboden lässt einen kurzen Blick auf die beleuchteten Barriques zu), sondern an grossen Stahltanks vorbei ein paar Stufen hoch, wo eine grosse Glasfront einen Blick auf die Arbeit des Weinguts erlaubt – gerade werden rote Trauben eingebracht. Die «KellerWirtschaft» ist ein grosszügig angedachter, offener, heller Raum mit prächtigem Weinkühlschrank, in dem man sich an einem langen Holztisch mit zwölf Plätzen hinsetzen kann, wir werden an unseren reservierten, quadratischen Tisch beim Kamin geführt. Entsprechend der Jahreszeit wird als kleine Überraschung der Küche ein Gläschen mit trüb-hellem Jungwein und ein kleines Stückchen Pizza gebracht. Die Stimmung ist locker und freundlich, der Einstieg mit einer Flasche Sauvignon blanc des Hauses (€ 27,–) durchaus geglückt. In der Weinkarte machen die Gewächse von Patron Fritz Keller allein an die 120 Positionen aus. Neben dem eigenen Programm bietet die «KellerWirtschaft» aber auch eine grossartige Auswahl an bemerkenswerten anderen Weinen. An badischen (Heger, Huber usw.) und anderen deutschen (etwa Joh. Jos. Prüm, Vollrads, Dönnhof, Knipser, Fürst, Wittmann usw.). Vor allem auch solchen aus dem Bordelais mit teils wunderbar reifen Jahrgängen zu äusserst fairen Preisen. Selbst eine Flasche Pinot noir 2011 von Martha und Daniel Gantenbein könnte man sich entkorken lassen (€ 150,–). Die attraktive Speisekarte wirkt übersichtlich mit vier Vorspeisen, sieben Haupt- und zwei Grillgerichten. Dazu kommen einige Desserts und ein Menü, das einen kleinen Querschnitt der Sebastian-Heil-Küche vermitteln will (€ 64,–, mit Weinbegleitung € 96,–). Wir beginnen mit Rohschinken, einem San Daniele DOP, über ein Jahr gereift und von Taggiasca-Oliven begleitet – ein sehr schöner Beginn (€ 14,–). Ebenso gut gefällt das pochierte Ei in einem Nest von Bittersalaten an einer zurückhaltend getrüffelten Mayonnaisesauce mit knusprigen Lardo-Streifen. Sehr schmackhaft dann das Rib-Eye vom deutschen Färsenrind mit Café de Paris (€ 34,–), zu dem karamellisierter Chicorée und Kartoffelpüree mit Schnittlauch perfekt passen. Das Highlight des Tages ist allerdings der Hirschrücken, kräftig angebraten, aber wunderbar zart, auf Quittenpüree angerichtet, begleitet von Randen, rassigem Pumpernickel-Couscous und – jetzt kommen wir richtig ins Schwärmen – zwei Scheiben knusprig angebratener Blutwurst. Herausragend. So gut schmeckt der Herbst in der «KellerWirtschaft». hjk

Badbergstrasse 44, 79235 Vogtsburg-Oberbergen, Deutschland
mi–fr 17–23, sa & so 13–23 Uhr (Küche bis 21 Uhr), mo & di geschlossen, mi–mittag, do–mittag und fr–mittag ebenfalls, von November bis Februar auch mi-abend sowie ganz vom 30. Januar bis 7. März
HG € 22–45
Trouvaillen für Weinnasen: Rang 3

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