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Südbaden

Inzlinger Wasserschloss

Fürstlich

Seit bald 50 Jahren gehört das eindrückliche Wasserschloss der Gemeinde Inzlingen. Der deutsche Nachbarort zum baslerischen Riehen verfügt damit wohl über eines der schönsten Rathäuser weit und breit. Für uns ist das in genau diesem Moment eher nebensächlich – uns interessiert das Restaurant im Wasserschloss, dem der Ruf eines exzellenten Lokals vorauseilt. Über eine Holzbrücke und durch den Schlosshof erreichen wir die Gaststube. Das hohe, barocke Speisezimmer, mit herrlich bemaltem Holz ausgekleidet und gepflegt möbliert, strahlt eine fürstliche Würde aus. An diesem heissen Sommertag ziehen wir allerdings einen Tisch unter den alten Bäumen im riesigen Park vor. Hier sehen wir auch den Patron, Sepp Beha, ganz in Weiss gekleidet, ein Bilderbuch-Koch. Er führt mit seiner Familie das «Inzlinger Wasserschloss» seit 40 Jahren, hat die Verantwortung für die Küche inzwischen aber an seine Tochter übertragen. Sepp Beha begrüsst gerade zwei Jäger, die beide je einen frisch erlegten Sommerbock geschultert haben. Eine Szene, wie sie sich hier wohl auch vor 400 Jahren hätte abspielen können.
Dass das erste Glas zum Aperitif ein Weissburgunder Kalkbödele 2014 (€ 4,50/dl) sein soll, scheint für unsere gutgelaunte Kellnerin klar zu sein, obwohl die Auswahl an offenen Weinen ausserordentlich beeindruckt. Deutschland prägt die Weinkarte (die einzelnen Gewächse sind nach Rebsorten gelistet), die Auswahl wird aber schön ergänzt durch Italienisches und Französisches (Château Gloria 2008, € 85,–). Heute werden wir beim Weisswein bleiben und im Anschluss einen Burgunder geniessen, den Baron R 2014 aus Chambolle-Musigny (€ 7,–/dl).
Die Küche meldet sich erst mal mit einem Amuse-Bouche, etwas Vitello tonnato mit Kapern und Wachtelei. Prima. Gespannt sind wir danach auf unser sommerliches Menü für 68 Euro, welches wir einmal mit Wild und einmal mit Fisch bestellt haben. Den Auftakt macht eine köstliche Mischung von Langusten- und Milkenstücken, sautiert in Petersilienbutter. Schmeckt sehr gut, das butterzarte Langustenfleisch obendrauf und das mit Melonen- und Artischockenstückchen versetzte Salätchen darunter. Äusserst zart geht es weiter mit einem grosszügigen Stück vom Sommerbock, zu dem rassig gewürztes Mischgemüse, ein kräftiger Fond und ein Schälchen Schupfnudeln gereicht werden. Der sorgfältig gebratene Fisch, Loup de mer, Seeteufel sowie eine Riesencrevette, fällt uns wegen der Zubereitung auf. Was wir meistens mit Olivenöl, Pfeffer und Salz serviert erhalten, ist hier in Butter gebraten und begleitet von einer feinen, sehr passenden Sauce mit Zitronenbutter – eine sehr gepflegte Art, Meerfisch zu präsentieren.
Den Abschluss des Mahls bildet eine tadellose Auswahl von schön gereiften Rohmilchkäsen, bestreut mit Nusssplittern und begleitet von Feigenhonig. Aber auch die gemischten Beeren im Holundersektsüppchen auf Sorbet werden in bester Erinnerung bleiben. Wie überhaupt der Besuch an diesem einmalig schönen Plätzchen. hjk

Riehenstrasse 5, 79594 Inzlingen, Deutschland
mo 12–24, do–so 12–24 Uhr (Küche 12–14.15 & 18.30–21.15 Uhr), di & mi geschlossen sowie 19. Februar bis 2. März
HG € 28–42
Südbadische und Elsässer Traditionshäuser: Rang 3

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