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Elsass

Girardin, La Maison des Têtes

Um eine Attraktion reicher

Das Kopfhaus in Colmar ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Amüsant daran ist vor allem, wie die fotografierenden Touristen ihrerseits von über hundert Köpfen an der Fassade des Hauses ebenfalls angestarrt werden. Ob sich die Steinköpfe wohl Gedanken über Selfies machen? Das Haus soll über 400 Jahre alt sein, aber wer sich ins Innere begibt, wird gleich mal ins 21. Jahrhundert katapultiert. Ausserdem ist das Restaurant «Girardin – La Maison des Tetes» im hinteren Teil des altehrwürdigen Hauses gut gegen neugierige Blicke abgeschirmt, und wer sich noch mehr zurückziehen will, kann den Tisch im Innern des Kokons wählen, der das Lokal dominiert. Mit den dezenten Weiss- und Grautönen wähnt man sich hier eher in einem schicken Pariser Lokal als im Elsass. Die Bedienung allerdings ist herzlich und freundlich elsässisch. Die dezente, helle Atmosphäre ist natürlich auch eine intelligente Art, den Hauptdarsteller hier, nämlich das Essen, gebührend auffallen zu lassen.
Eric und Marilyn Girardin haben sich über einige Jahre in Strassburg im «La Casserole» schon einen Namen in der gehobenen Gastronomie gemacht, aber hier in Colmar hatten sie die Gelegenheit, auch einer Brasserie sowie dem wunderbaren Hotel ihren persönlichen Stempel aufzudrücken. Eric Girardin hat einen eigenen, wie bei der Einrichtung sehr modern geprägten Kochstil, der aber viel Respekt vor der traditionellen Küche zeigt. Foie gras, Schnecken, Tauben und Munster-Käse kommen aber in sehr unkonventioneller Zubereitung auf den Tisch. Es lohnt sich, das grosse Menü (€ 110,–) mit acht Gängen zu bestellen, um die beeindruckende Vielfalt von Girardins Talent kennenzulernen.
Nach grosszügigen Amuses-Bouches begeistert uns ein Langustinen-Tatar, das simpel, aber grossartig mit Kräutern und Zitronen gewürzt ist. Darauf folgen Tomatenvariationen: Aus Krimtomaten wird ein Tatar gemacht, Green-Zebra-Tomaten stellen das Eis und Ochsenherz-Tomaten sorgen für die Gazpacho-Sauce. Girardins Kreativität mit vegetarischen Zutaten ist beeindruckend. Fast bereuen wir, nicht das grosse vegetarische Menü genommen zu haben, wo sich so spannende Gerichte wie Artischockenvariationen (mit unter anderem Pfeffer-Vinaigrette und einer Sencha-Uji-Tee-Bouillon) oder geräucherter Knollensellerie sowie gegrillte Wassermelone anbieten. Bei uns geht es dafür mit gebratenen Schnecken weiter, die mit betörend süssen grünen Erbsen, einer milden Knoblauch-Mousse und einem Bärlauch-Pesto serviert werden. Die Hummer-Ravioli kommen mit einer Thai-Zitronengras-Bouillon, während der Barsch seine eigene Bouillon hergegeben hat und von einem Aïoli-Sabayon ergänzt wird. Die Taube zum Hauptgang ist das vielleicht am wenigsten aussergewöhnlich gemachte Gericht, aber es braucht auch nicht mehr. Die Vielfalt der Zutaten mag den Eindruck erwecken, dass in den anderen Gerichten viel gespielt und experimentiert wird, aber Girardin dosiert alles in perfekter Weise und weiss vor allem, wann er etwas weglassen muss. Der Käse allerdings gehört dazu, nur wird der Munster hier als leichte Mousse serviert, die mit etwas Marc vom Gewürztraminer verfeinert ist.
Was können wir zusammenfassend sagen? Nun, Colmar ist mit dem «Girardin» sicherlich um eine Attraktion reicher geworden. nvh

19 Rue des Têtes, 68000 Colmar, Frankreich
Montagaben, Dienstagabend, Fr-So von 12:00-13:15 Uhr, 19:30-21:15 Uhr
Dienstleistungen:
  • Mittags-menü
  • Sonntag offen
  • Vegetarische Gerichte
39,00€-68,00€