open menu close

Südbaden

Genuss-Apotheke

Phantastische Geschmackserlebnisse

Die entspannende, gepflegte Atmosphäre der «Genuss-Apotheke» hat etwas für sich. Ein moderner, freundlicher Raum, zur Küche hin offen, heller Klinkerboden, lediglich sieben, allerdings recht grosse Tische. Einige dekorative Utensilien wie Reagenzgläser erinnern an jene Zeit, als hier tatsächlich noch eine Apotheke war. Doch dominanter ist das Heute, mit Weinflaschen und Weinregalen, mit einer Gourmetküche der Sonderklasse, die der «Michelin»-Führer mit einem Stern adelt. Den hat sich der am Herd stehende Raimar Pilz wohl verdient, seine Gäste schätzen ihn als Meister eigenwilliger Kombinationen von Aromen und phantastischen Geschmackserlebnissen. Assistiert wird Pilz von Juliane Zwar, die der Chef de Cuisine scherzend als «meine rechte Hand und meine linke Gehirnhälfte» bezeichnet. Das kann gut nachvollziehen, wer einem langjährigen Team ab und an bei der konzentrierten Arbeit zuschauen kann.
Das Hochsommer-Menü umfasst vier bis sieben Gänge, die zwischen 83 und 128 Euro kosten. Mittags wird ein zwei- oder dreigängiger Lunch empfohlen (ab € 27,50), zu dem etwa ein Maisgüggeli aus dem Elsass gehören kann oder Hotzenwald-Pfifferlinge mit Eierspaghetti. Für uns fängt es unerhört gut an, mit einem Stück exzellenter Gänseleber, ergänzt mit etwas Johannisbeerholz-Hafer-Creme, Rhabarberschaum und einer Mini-Brioche. Geschmacklich perfekt abgestimmt, ist das Gericht mit Blüten und Blättchen so schön angerichtet, dass es an ein japanisches Kunstwerk erinnert.
Dazu bekommen wir einen gehaltvollen Riesling aus der Pfalz, den Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll von Emil Bauer. Die reichhaltige Weinkarte, ist, was uns gefällt, nach Traubensorten geordnet. Deutsche Weine dominieren, aber es findet sich auch anderes: etwa ein spanischer Les Terrasses oder der Zwaa aus dem schaffhausischen Klettgau (€ 85,–). Bemerkenswertes Detail: im Anhang zur Weinkarte werden die wichtigsten Produzenten recht detailliert vorgestellt, etwa das Weingut Salwey in Oberrotweil am Kaiserstuhl. Von diesem haben wir einen eher herben Spätburgunder im Glas.
Nun ist die Zeit für zwei butterzarte Stücke vom Steinbutt gekommen, garniert mit Fencheltrieben und, vor allem, einem Stück Rande in Asche, beinahe verkohlt, aber ein weiteres tolles Geschmackserlebnis, wiederum wunderschön präsentiert. Zum folgenden Kalbsfilet gehören Distelköpfe und ein leuchtend orangefarbener Stock aus Süsskartoffeln und Kürbis. Dann abermals ein höchst dekorativer, mattschwarzer, runder Teller mit Rindskinn und Steinpilzen. Zarter und wohlschmeckender lässt sich Beef nicht essen. Keine Frage: Die «Genuss-Apotheke» mit ihrer sympathischen Crew zählt zu den wahren und erfreulichsten Bereicherungen der kulinarischen Landschaft rund um Basel. hjk

Schönaugasse 11, 79713 Bad Säckingen, Deutschland
di–sa 11.30–14.30 & 18.30–23 Uhr (Küche 12–13.30 & 18.30–20.30 Uhr), mo & so geschlossen sowie 23. Dezember bis 4. Januar, eine Woche im Februar und drei Wochen im August
HG Menü ab € 83
Südbadische und Elsässer Trendsetter: Rang 2