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Südbaden

Fliegerhorst

Oldtimer-Flair

Der «Fliegerhorst» liegt am Rande des Gewerbeparks Breisgau, zu dem ein eigener Flugplatz (Geschäfts- und Sportflugzeuge bis 20 Tonnen) gehört. Zum «Fliegerhorst»-Eingang führt die wie eine Landebahn beleuchtete «Einflugschneise». An diesem Oktobersamstag standen zwischen den Lichtern noch fussballgrosse, gelbe Kürbisse, die uns zum hell erleuchteten, stattlichen Gebäude führten. Die mit reichlich Budget ausgestattete Kasse erlaubte es dem Hausherrn, Maxi Gainza, ein imposantes Haus mit zwei angedeuteten Flügeln in die Landschaft zu stellen. Gainzas Liebe zu Oldtimern der Lüfte kann man im «Hangar» besichtigen. Wunderbar restaurierte und flugfähige Spitfire, Corsair, Jak-3 und viele mehr sind zu sehen. Sehnsucht nach Loopings, Parabelflug (dabei wird man kurz schwerelos) oder atemstockenden Turns kommt auf. Kurzatmig wird auch mancher Autoliebhaber, der den orangefarben glänzenden De Tomaso im Foyer bestaunt. Vorbei an einer alten Zapfsäule und einem mächtigen Flugzeugmotor geht es hinauf ins in dunklem Holz gehaltene Restaurant. Wer einen Tisch mit Blick in die Flugzeughalle ergattern will, sollte frühzeitig reservieren. Ansonsten sitzt man um den runden gläsernen Aufgang oder mit Blick in die offene Küche. Bei unserem Besuch war das Lokal, verzeihen Sie den Ausdruck, rappelvoll.
Der Chef, Hervé Grosjean, in legeren Jeans, und seine Service-Crew in dynamischem Schwarz stehen mächtig unter «Dampf», nehmen sich aber trotzdem Zeit für ein schnelles Schwätzchen. Nein, er habe nichts mit dem Formel-1-Crack zu tun. Aber der Tennisspieler Sébastien, der einmal die Nr. 4 der Weltrangliste war, gehöre zur Familie, sagte Grosjean uns zwischen zwei Tellern. Unser erster Teller war eine Suppenschüssel. Die Strauchtomatensuppe (€ 6,50), in die sich der «Horst» verliebt hatte (so steht es in der Karte), stand vor uns. Das mit dem Verlieben können wir gut verstehen. Voller, kräftiger Tomatengeschmack, vorbildliche Würze, ein Schmankerl. Aber wer bitte ist Horst? Nun, das ist der unterhaltsame Plauderer, Geschichtenerzähler und Witzbold Horst Lichter, in der TV-Koch-Branche eine feste Grösse. Er ist so eine Art Pate und Berater für den «Fliegerhorst», und das Logo ähnelt stark seinem Konterfei.
Die Karte bietet auch einen Dreigänger (€ 43,–). Das Weinangebot ist ein bunter Strauss aus dem Markgräflerland, dem Kaiserstuhl und einige Tropfen aus Italien, Spanien und Frankreich. Lobenswert ist das Angebot von über 30 offenen Weinen. Salat mit Maispoularde (€ 12,80) und pochierte Eier «Meurette» mit Trüffel und Croûtons (€ 12,50) tönen nach Bistroküche. So war es dann. Auch der Coq au vin (€ 22,90) und Omas Rinderroulade mit Emmentalerstampf und Rotkraut (€ 23,50), ebenso wie der gebratene Heilbutt (€ 24,80) mit einer Steinpilz-Mais-Griesschnitte (badische Polenta). Sehr ordentliche «Ausflugsküche», Essen als Event, eine besondere Location, zuvorkommender Service und ab und zu ein Blick auf eine P-51 oder einen Wako-Doppeldecker – das ist der «Fliegerhorst». Väter können ihren Sprösslingen die Funktion von Seiten- und Höhenruder erklären. Ein abschliessender Ausflug ins nahe Markgräflerland oder an den Rhein wäre eine schöne Option.
Nachdem wir sehr lange aufs Essen warten mussten, die Küche war an diesem Tag einfach überlastet, hat die Servicedame kurzerhand beschlossen: «Zu den Desserts sind Sie eingeladen.» Wir haben ohne Murren akzeptiert, liessen uns Crème brûlée, Mangosorbet und Profiteroles schmecken. Und hoben auf der Startbahn zum Heimflug ab. sk

Freiburger Strasse 19, 79427 Eschbach, Deutschland
mo & di 12–14 & 18–23, do & fr 12–14 & 18–23, sa & so 12–23 Uhr (Küche bis 21.30 Uhr), mi geschlossen
HG € 13,80–30,50
Speisekarten mit Aussicht: Rang 2

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