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Südbaden

Eckert

Gestylt bis ins letzte Detail

Grenzach-Wyhlen mag nicht die allerschönste Ecke Deutschlands sein, aber ein Ausflug dorthin lohnt sich doch allemal, und zwar auch für einen längeren Aufenthalt über Nacht. Der alte Familienbetrieb, das «Eckert», ist an eine andere Familie übergegangen und hat eine der geschmackvollsten Renovationen verpasst bekommen, die man in Basel und Umgebung finden kann. Hotelanlage und Restaurant sind ästhetisch treffsicher durchgestylt, aber ebenso praktisch ausgerichtet, ohne jedoch kühl zu wirken, wie dies allzu oft der Fall ist in modernen Umgebungen. Sogar genügend Ladestationen für Elektroautos sind vorhanden. Einen passenderen Ort, um einen Tesla zu parken, können wir uns nicht vorstellen. Während das Gefährt tankt, kann man sich einem ausgiebigen Menü hingeben.
Nicolai Wiedmer, der junge Koch, experimentiert gern, was vielleicht einige alte Stammgäste vergrault, aber dafür ein neues, an ungewöhnlichen Geschmackserlebnissen interessiertes Publikum anzieht. Seine Inspiration holte er sich vor allem bei Tanja Grandits, deren Einfluss in vielen der Gerichte deutlich zum Vorschein kommt. Neben speziellen Zutaten, Kräutern und Kombinationen gilt dies auch für die berühmte Farbgebung von Grandits’ Gerichten. Das passt perfekt zur Einrichtung, der Stil ist hier wirklich bis ins letzte Detail durchgezogen. Zur Auswahl stehen neben A-la-carte-Gerichten ein kleines Menü zu 74 Euro sowie das «Tasting menu» mit sechs Gängen zu 98 Euro. Wir entschliessen uns für à la carte und scheinen unbewusst fast ausschliesslich von intensiven Rot- und Orangetönen geprägte Gerichte zu wählen. Für die Farbgebung sorgen ein Lachstataki auf Tomaten und Wassermelone mit etwas Chili, dann ein Hummer mit Karotten-Relish, Orange und Süsskartoffelstock und schliesslich eine Kürbis-Dashi-Sauce und Chicorino rosso, die einen Heilbutt begleiteten. Auch das Amuse-Bouche mit roten Beeten und sogar das Brot waren rot. Nur eine Vorspeise, fein gewürfeltes Kalbsbries mit sehr leckerem Yuzu-Jus und Fenchel, wich farblich ab. Aber Wiedmer versucht natürlich mehr als einfach Farbspielerei, auch wenn noch nicht in allen Bereichen die geschmackliche Kombination gelingt. Die Experimentierfreudigkeit des jungen Kochs ist aber stets erfrischend, und es ist lobenswert, wie er trotz Reminiszenzen an seine Lehrmeisterin einen sehr eigenen und unverkennbaren Stil entwickelt hat.
Mittags werden jeweils zwei Tagesteller angeboten und für Gruppen ab acht Personen werden besondere Menüvorschläge gemacht. Die Weinkarte ist erfreulich abwechslungsreich und listet neben ausgesuchten Produzenten der Umgebung viele moderne Weine, aus Spanien beispielsweise aus aufstrebenden Regionen wie Mallorca oder Jumilla, aber auch eigenwillig Altmodisches wie einen Crozes-Hermitage von Alain Graillot findet sich auf der Karte. Das passt farblich wie geschmacklich bestens zu den gebotenen Speisen. nvh

Baslerstrasse 20, 79639 Grenzach-Wyhlen
Mo-So 12:00-14:00 Uhr, 18:00-22:00 Uhr
Dienstleistungen:
  • Sonntag offen
  • Mittags-menü
  • Terrasse/Garten
HG 29 -38€