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Elsass

Côté Cour

Kulinarischer Marktplatz

Ein absolutes Muss bei einem Colmar-Besuch ist der Isenheimer Altar. Bis zur endgültigen Renovierung des Museums Mitte/Ende 2015 kann man eines der bedeutendsten Werke der Kunstgeschichte in der Dominikaner-Kirche bestaunen. Nach dem Kunstgenuss empfehlen wir einen kleinen Spaziergang über den Kirchplatz direkt zum Hintereingang des «Côté Cour». Man kommt vorbei an proppenvollen Cafés und Restaurants, vorbei an fröhlichen Menschen, die die Abendsonne geniessen. Sprachfetzen erinnern an das bevorstehende Viertelfinale der Fussball-WM zwischen Frankreich und Deutschland. Dasselbe Thema beschäftigt auch die Gäste des lauschigen Innenhofes der Brasserie. Natürlich liegen «Les Bleus» bei dieser wenig repräsentativen Umfrage weit vorn. Allerdings glaubten wir vernommen zu haben, dass der «Mannschaft», so wird die deutsche Nationalelf in Frankreich genannt, auch gewisse Chancen eingeräumt werden. Das Ergebnis ist bekannt.
Emanuel Nasti, der zusammen mit seinem Bruder das «Chambard» in Kaysersberg mit drei Restaurants betreibt, sieht es absolut sportlich: «Wer besser ist, wird gewinnen!» Ein Wahlspruch, der durchaus für seinen Colmar-Ableger gilt. Die confierten Paprikaviertel (€ 12,50) als auch das Thunfisch-Carpaccio (€ 17,50) spielen in der oberen Liga. Das Gemüse mit feinen Röstnoten, dazu das Salz der Anchovis, ebenso eine gelungene Einstimmung aufs Abendessen wie das Carpaccio. In einer Soja-Vinaigrette mit Ingwer und Koriander gegart, wurden die zarten Scheiben vom Fisch mehr geschlotzt als gekaut.
Über Wein reden ist mindestens genauso schön und spannend wie eine Fussball-Fachsimpelei. Deshalb wechselten wir sehr gerne das Thema und entschieden uns, zusammen mit Monsieur Nasti, für das Weingut Albert Mann. Schnell war klar, dass wir seinen 2008er Riesling Grand Cru Schlossberg trinken. Vom Elsässer Pinot noir nicht immer überzeugt, liessen wir uns auf den 2009er Grand P vom selben Winzer ein. Er nennt ihn so, weil Pinot noir im Elsass keine zugelassene Grand-Cru-Rebsorte ist. Obwohl von der zunehmenden Qualität der badischen Spätburgunder verwöhnt, waren wir vom Grand P sehr angetan. Ein toller Wein mit Potenzial. Bestens passend zum «kernigen» irischen Entrecôte (€ 26,–) wie auch zum zarten Rücken vom Sommerreh mit kräftiger Hibiscus-Sauce (€ 23,50). Das Poulet für zwei (€ 58,–), zart gebräunt, die Haut verheissungsvoll glänzend, wurde von Emanuel Nasti eigenhändig und fachmännisch am Tisch zerlegt. Serviert wurden zuerst die Brust und danach die Schenkel. Alles wunderbar saftig und korrekt gewürzt – ein untadeliger Klassiker. Von den Pommes frites dazu bediente sich der ganze Tisch. Die Portion war gross genug, sonst wäre hier noch Streit aufgekommen. Volles Lob auch für den Umgang mit Gemüse. Karotten, Zucchini, Kohlrabi – fein geschnitten, bissfest gegart, Salz, Pfeffer – fertig ist die perfekte Beilage zum Rind.
Ein Abstecher nach drinnen lohnt sich allemal. Mitten im stylischen Lokal mit Ledersesseln, grossem Spiegel und mintfarbenen Wänden sind Tartes angerichtet, daneben Brote aus der hauseigenen Boulangerie, einige Flaschen Wein und eine Berkel, die prächtige Aufschnittmaschine in XXL-Format. Kulinarische Performance als appetitlicher kleiner Marktplatz – sehr liebenswürdig. Dass in diesen schönen Räumen Schlemmer-Intermezzi stattfinden, liegt auf der Hand. Grossmeister Emile Jung, der langjährige Chef des legendären «Au Crocodile» in Strassburg, eröffnete mit seinen Klassikern aus der Strassburger Zeit den «Bal des Saveurs». Auch Isabelle Sipp, die passionierte Winzerin – mittlerweile betreibt sie die Kochschule Cardamome in Colmar – tischte im «Côté Cour» bei ihrem Festival gross auf.
Zurück vom kleinen Ausflug, beschliessen wir dieses vorzügliche Essen natürlich mit den besichtigten Tartes (€ 6,20). Einmal Kirsche, einmal Aprikose, der Boden hauchdünn und nur ganz leicht durchtränkt vom Obstsaft – fabelhaft. Aber auch der Tischgenosse, der sich für den warmen Schokoladekuchen entschieden hatte (€ 7,50), lächelte glücklich bei jedem Bissen. Eine alte Pflaume, hier Vielle prune genannt, gab’s zum Abschied. sk

Place de la Cathédrale, 11, 68000 Colmar, Frankreich
mo–so 12–14 & 19–22.30 Uhr (Küche bis 22.15 Uhr), geschlossen zwei Wochen im Februar
HG € 20–40
Südbadische und Elsässer Trendsetter: Rang 4

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