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St. Johann, Südwesten

Chez Donati

Rencontre mit Rossini

Das «Donati» ist das vielleicht berühmteste, sicherlich aber das legendärste Restaurant Basels. Warum? Weil es unter den ersten italienischen Restaurants überhaupt in der Deutschschweiz war? Weil es eine schlicht einzigartige Atmosphäre hat? Weil es preislich deutlich über dem Durchschnittsitaliener liegt? Weil es als einziges Etablissement der Stadt auch noch die grossen kulinarischen Klassiker des französischen Nachbarn bewahrt hat? Weil klassisch-moderne Kunst, gigantische weisse Murano-Leuchter, prunkvolle, mitten im Restaurant geparkte Servier-Carellos und mit stoischer Ruhe gesegnetes Servierpersonal hier ein Gesamtkunstwerk entstehen lassen? Oder vielleicht einfach, weil man hier seit weit über 60 Jahren gleich hervorragend isst? Die Antwort? Alles zusammen, natürlich.
«LIVE OR DIE» steht auf einem kleinen Kunstwerk unter der alten Wanduhr, die sinnvollerweise auf drei Minuten vor zwölf stehen geblieben ist. Und da wird sie auch stehen bleiben. Denn im «Donati» steht die Zeit still, seit Jahrzehnten. Und das könnte nicht besser sein. Rognoni di vitello trifolati, Paupiettes de veau, Kalbsleber nach dem Rezept der Nonna, Kutteln und Kalbskopf à la mode du chef, die Sogliola alla livornese, ein Fasan für zwei mit Sauerkraut und Pommes purées oder der Brasato, der donnerstags jeweils im silbern glänzenden Carello wörtlich aus dem Vollem schöpfen lässt. Dies alles vermittelt mehr kulinarische Kunst als sämtliche Kochshows zusammengenommen. Und weil gutes Essen mit guter Gesellschaft zu tun hat, gibt es im «Donati» etliche Gerichte, die erst ab zwei Personen zubereitet werden: das Côte de veau double au romarin, das Filet de veau «Marie Stuart» mit Sauce périgourdine, das Chateaubriand oder die Tagliata di manzo «Cesare».
Und weil gutes Essen auch mit gutem Trinken zu tun hat, gibt es im «Donati» genügend Magnum-Flaschen, den Sito Moresco von Gaja beispielsweise oder, noch passender, den Monte Sant’Urbano, ein Amarone von den Speri-Brüdern im Herzen des Valpolicella. Wir möchten beileibe keine Etikettentrinker sein, aber wir erfreuen uns trotzdem an solch altmodischen Weinetiketten, die nirgends so passend sind wie im «Donati». Und zu solchem Wein passt am besten das vielleicht ultimativ dekadenteste Gericht und der Inbegriff des Schlemmens überhaupt: Tournedos Rossini. Rindsfilet und Gänseleber mit einer getrüffelten Madeira-Demi-glace auf einer Scheibe getoasteten Brots, die sybaritischste Alternative zum Hamburger. Und wenn Sie schon dabei sind, dann lassen Sie sich vom Carello mit Süssigkeiten noch vollends verführen! Denn bedenken Sie: Auch die Gäste sind immer ein Teil des Restaurants. Das «Donati» sollte man nicht als Sehenswürdigkeit besuchen. Tauchen Sie richtig ein in diese vergangene Welt, die hier hoffentlich für immer auf drei Minuten vor zwölf stehen bleibt. nvh

St. Johanns-Vorstadt 48, 4056 Basel
di–sa 11.30–14 & 18.30–22 Uhr, mo & so geschlossen sowie 18. bis 26. Februar und 1. Juli bis 1. August
HG Fr. 24–68
Basler Institutionen: Rang 1

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