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Grossbasler Innerstadt

Bodega zum Strauss

Halb Basel

Erstbesucher mögen sich vielleicht kurz ein wenig unsicher fühlen, denn in der «Bodega» kennt man sich. Die meisten Gäste werden mit Vornamen begrüsst. Aber auch Novizen werden freundlich empfangen. In vielen Fällen müssen sie aber leider auf später vertröstet werden. Es ist oft ziemlich voll; in der «Bodega» sollte man also reservieren oder frühzeitig einkehren. So trifft man auf halb Basel, quer durchs soziale Panorama. Also wohl kaum der Ort für ein diskretes Rendez-vous. Man teilt sich die Tische und kommt fast unweigerlich ins Gespräch. Wer es etwas weniger hektisch mag, sollte sich in den ersten Stock zurückziehen oder bei schönem Wetter draussen vor dem Eingang Platz nehmen und der anderen Hälfte von Basel beim Vorbeiflanieren zusehen. Drinnen wird auch viel hin und her gelaufen, nicht nur von den Kellnern, die irgendwie ballettartig zwischen den eng bestuhlten Tischen durchnavigieren, sondern auch von den Habitués, die hier keine Menükarte verlangen, sondern zum Büffet pilgern und die schwarze Tafel konsultieren. Da wird vor allem italienisch Bodenständiges aufgelistet wie Gnocchi tre formaggi, Scaloppine di fegato, Penne Moskovskaya (mit Crevetten und Paprikarahmsauce) sowie ganz einfache Bolognese oder Spaghetti carbonara. Ab und zu aber findet sich auch ein Ausflug in heimische Regionen, eine Saucisson d’Ajoie etwa oder Exotisches wie die Pouletstreifen Teriyaki. Dazu kommt eine stattliche Auswahl an offenen Weinen, die offensichtlich mit Bedacht ausgesucht wurden, Elena Walchs Pinot grigio zum Beispiel. Mumm-Champagner kann deziliterweise bestellt werden, die «Straussenbodega» mag vielleicht informell sein, aber sie hat Stil. So empfehlen sich auch noch einige weitere festliche Tropfen auf der Weinkarte, ein Serre Nuove von Ornellaia beispielsweise. Stammgäste am Tisch verraten übrigens, dass der Wirt mit schottischen Wurzeln, Johnny Freeman, auch eine hervorragende Whisky-Sammlung im Haus habe. Ach, und eine grafische Kunstsammlung hat es auch noch. Praktischerweise wird für die Rechnung das weisse Papiertischtuch benützt.
Das Lokal ist nach dem mittelalterlichen Hausnamen «Zum Strauss» benannt, aber wo dieser wiederum seinen Ursprung hat, ist nicht ganz klar. Sicher ist, dass es hier nicht ums sprichwörtliche Verstecken geht. Aber offensichtlich bezeichnet Strauss auch den Federschmuck auf alten Helmen. Und das passt ganz gut, denn die «Bodega» kann sich durchaus mit ihren eigenen Federn schmücken. nvh

Barfüsserplatz 16, 4051 Basel
mo–sa 12–14 & 18–24, so 18–24 Uhr (Küche bis 21.30 Uhr), so-mittag geschlossen und zwei Wochen Ende Juli / Anfang August
HG Fr. 19–42
Basler Institutionen: Rang 5

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