open menu close

Elsass

Bistrot La Cave

Paris, gleich hinter der Grenze

Wandert man von der letzten Tramstation der Linie 11 hinüber nach Saint-Louis, erhält man gemischte gastronomische und sonstige Eindrücke. Ein paar abgetakelte Beizen, ein geschlossenes Traditionslokal, Schnellimbisse und Sushi. Nach ein paar hundert Metern reift die Erkenntnis, dass es im Elsass hübschere Orte gibt und die französische Esskultur durchaus ambivalent zu sehen ist. Doch was dann auftaucht, auf der rechten Seite der Strasse, gibt Hoffnung zurück. Ein modernes Hotel der komfortablen Art und ein authentisch wirkendes Bistro, fröhlich essende Menschen und Kellner, die beim Eintreten keine Sekunde zögern, den Gast zu begrüssen. Man kommt sich vor wie in Paris und kennt von dort die Gewohnheit der Wirte, erst mal die kleinen Tische zu verkaufen, um die grösseren für allfällig noch später eintreffende Gesellschaften frei zu halten. An Nettigkeit freilich mangelt es nicht, und gut gefüllt ist das «Bistrot La Cave» auch.
Nun wäre freilich höfliche Nostalgie allein noch kein Grund, die Reservation zu empfehlen. Eher schon ist es die Kombination aus bemerkenswertem Weinangebot und zupackender Küche, welche die Grenzüberschreitung lohnend macht. Immer wieder werden hier Winzer- oder Weinabende veranstaltet, man empfiehlt auch sonst Feines und Feinstes. Nur durch die Speise- und Weinkarte muss man sich kämpfen: Sie ist bunt und mehrsprachig, verwirrend und auswahlreich. Eine Tafel existiert auch, aber auf der steht nur das Mittagsmenü, eine Speisenfolge zum Schnäppchentarif. Doch wir wollen die von Frédéric Morisset und Antony Djemaa geleitete Küche in ihrem tiefsten Inneren auf die Probe stellen. Also à la carte. Beachtlich gutes Brot kommt vorab, zum Marbré de foie gras (€ 22,–) wird eine unerwartet gelungene Brioche serviert. Das Tatar (€ 29,–) ist dann, wie es sein soll, aber nicht überall ists wie hier, mit dem Messer geschnitten und mit Pesto auf mediterrane Weise gewürzt. Dazu Beilagen, die zwei Personen sättigen könnten: Salat sowie eine Kasserolle mit reichlich Pfifferlingen und Kartoffeln. Pfeffer und Salz stehen bereit, die Köche haben an beidem gespart – egal. Über die Portionsgrössen kann man nicht meckern, und wir sind sicher, dass auch das Simmentaler Rindsfilet mit gebratener Foie gras und Rotweinsauce (€ 35,–) oder der Steinbutt mit Bouillabaisse-Emulsion (€ 32,–) ähnlich grosszügig vorgelegt werden – vom Hummer-Bagel, einem Signature Dish des Hauses, gar nicht zu reden.
Alexis Sanli verantwortet nicht nur den Service im Allgemeinen, sondern auch die Weinberatung im Besonderen. Hochwertiges wie der Riesling von Stentz-Buecher (ein Grand Cru im Trinkreifestadium) und der Volnay von der Domaine Clos de la Chapelle wird dank dem Konservierungssystem Coravin glasweise ausgeschenkt, für eine Flasche Arbois der Domaine de la Pinte (€ 44,50) oder vom 2004er Château Lynch-Moussas (€ 79,50) zahlt man weniger als anderswo. Der bestellte Dessertwein zur Zitronentarte geht vergessen, aber am guten Gesamteindruck ändert das nichts: Den Weg zurück nach Basel legt wohl jeder beschwingt zurück. wf

rue de Lectoure 1, 68300 Saint-Louis, Frankreich
mo–so 7–24 Uhr (Küche 12–14.30 & 19.30–22.30 Uhr)
HG € 24–29
Trouvaillen für Weinnasen: Rang 9