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Region Basel

Bärgbeiz Gempenturm

Öppis rächts uf em Täller

Nur vom Hörensagen kennen wir ein paar alte Geschichten aus der offenbar wenig rühmlichen Vergangenheit dieses Restaurants. Wie auch immer. Die «Bärgbeiz Gempenturm», an exponierter Lage über einem Felsen, hat wieder geöffnet, steht nicht mehr leer. Die Gäste werden mit viel Schwung und guter Laune von Martine und Bertrand Beurret, den neuen, motivierten Wirtsleuten, bei der Stange gehalten. Was dabei richtig Freude macht: Die Küche ist gut, für eine für Ausflügler gedachte «Bärgbeiz» sogar sehr gut.
Bei schönem Wetter ist die Aussicht von der Schartenflue (759 Meter) phänomenal, und die Tische auf der Terrasse sind meist schnell besetzt. Uns gefällt es drinnen im «Gempenturm» ausgesprochen gut, ob in der getäferten Beiz mit einer Batterie von Schnäpsen auf dem schwarzen Klavier selber oder im hellen Vorbau, einer ebenso gemütlichen Veranda mit aufgedeckten Aussichtsplätzen. Türen und Fensterrahmen haben einen sanften Grauton bekommen, auf dem Tischen stehen kleine Holzlaternen mit Öffnungen in Herzfom, durch die man das Geflacker der Kerze sieht. An vielen kleinen Details lässt sich erkennen, dass hier mit viel Gespür und Herzblut verändert und eingerichtet worden ist. Glücklicherweise wurde die vor mehr als 100 Jahren erbaute «Bärgbeiz Gempenturm» aber nicht überrenoviert.
Mit «Öppis rächts uf em Täller» sind auf der Speisekarte die Hauptgänge umschrieben. Das reicht vom Brasato di manzo mit grober Mascarpone-Polenta (Fr. 34.–) über Cordon bleu vom Bier-Schwein mit Pommes frites und Gemüse (Fr. 32.–) bis zum Rindsfilet aus dem Jura mit Kräuterbutter und Pommes frites (Fr. 48.–). Im Körbchen liegt wunderbares Bauernbot. Das brauchen wir fürs köstliche Hausdressing (Geheimrezept!), nachdem wir mit den superfrischen Salaten fertig waren. Einem Nüsslisalat mit Ei, Speck und Croûtons (Fr. 14.–) und einem saisonalen Salat vom Bauernhof (Fr. 10.–). Die Portionen dürften auch für Kampfwanderer etwas gar reichlich sein. Wir haben uns ein bisschen geniert, dass wir vom hübsch angerichteten Teller mit schwarzen Beluga-Linsen (plus Kartoffeln, wenig Lauch und ein Klacks Sauerrahm; Fr. 20.–) etwas übrig liessen und auch den Teller mit den Serviettenknödel-Talern in einem Ragout von Steinpilzen und Pfifferlingen (Fr. 30.–) nicht ganz fertig schafften. Aber wir versichern: Es hat uns ausgezeichnet geschmeckt. Aber mit Desserts war natürlich danach nichts mehr. Nix Eiscafé, nix Coupe Danmark, nix Tarte Tatin, nix Meringues mit Vanilleglace. Uns war mehr nach einem Schnaps «vom Hof» (Kirsch, Williams, Mirabelle, Framboise, Zwetschgen, Apfel, Quitten, Vieille prune).
Was sollte man sonst noch wissen? Die Weinkarte spricht Schweizerdeutsch, Italienisch und Französisch. Und: Im Winter sollte man sicher mal das Fondue bestellen (Käse von La Maison Sterchi in La Chaux-de-Fonds, 200 Gramm: Fr. 26.–). wm

Gempenturmstrasse 15, 4145 Gempen
mo–so 10–22 Uhr (Küche 11.30–14 & 17.30–21 Uhr,sa & so durchgehend), mo & di geschlossen von Oktober bis Ende April
HG Fr. 20–48
Speisekarten mit Aussicht: Rang 1