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Region Basel

Bad Schönenbuch

Denkmalschutz für den Lammkopf

Irgendwer muss in dieser Dorfbeiz mal zu Gast und unzufrieden gewesen sein. In der Folge schrieb er einen Bericht auf einem online einsehbaren Bewertungsportal und zeigte sich bitterlich enttäuscht, weil es keine Pommes frites gegeben hätte. So unterschiedlich sind halt die Eindrücke und Wünsche: Wir nämlich freuen uns sehr, dass hier gekocht wird, wie es in der Gastronomie ganz früher üblich war.
Um sicherzugehen, dass alles seinen rechten Gang geht im «Bad Schönenbuch», waren wir gleich zu sechst da und bestellten erst mal Weisswein aus dem Markgräflerland, bevor wir unsere Sinne schweifen liessen. Der grosse Gastraum sieht aus, wie Beizen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgesehen haben, im Nebenraum steht eine zauberhafte Leckerli-Vitrine, die Speisekarte ist handgeschrieben. Für den Lammkopf aus dem Ofen (Fr. 62.– für zwei Personen) muss sich wenigstens ein Duo aufgeschlossener Esser zusammenfinden. Geschmorte Kutteln (Fr. 28.–) in einer sehr feinen, tomatigen Sauce dagegen gibt es schon für den Solo-Geniesser, die Nierli vom Freilandschwein in Cognac-Senf-Sauce (Fr. 26.–) ebenfalls. Wir probierten beides und waren glücklich – nicht nur mit der zarten Konsistenz des Fleisches, sondern auch mit der kräftig gewürzten Sauce, mit den angebratenen, wunderbar intensiv-buttrigen Spätzli zu den Nieren (wer wollte da auf Pommes frites ausweichen!), mit dem Gemüse. Blut- und Leberwurst (Fr. 26.–) gelang nicht minder gut, der schottische Salm mit Sauerkraut (Fr. 41.–) machte Freude. Vor 100 Jahren hätte der noch nicht auf der Karte einer Baselbieter Beiz gestanden, aber soll dem «Bad» keiner vorwerfen, dass es nicht mit der Zeit ginge – zumindest ein bisschen.
Selbst Vegetarier werden hier glücklich angesichts von Steinpilzen, Herbstgemüse und Polenta (Fr. 32.–) oder der rassig gewürzten gebratenen Aubergine mit Joghurt und Feta (Fr. 15.–), die wir als Vorspeise kommen liessen. Kürbiskompott mit Crème fraîche und hausgeräuchertem Lachs (Fr. 16.–) ging sogar als unser persönliches Herbstgericht des Jahres durch. Sympathisch sind übrigens nicht nur die Klasse der Zutaten und die Kunst des Würzens, sondern auch die Methoden des Anrichtens. Lauter silberne Platten wurden auf den Tisch gestellt, jede mit Kerzen zum Warmhalten ausgestattet. Auf dass die Menge an gar köstlichen Lebensmitteln nicht kalt würde.
Im Anschluss an den badischen Durstlöscher haben wir noch wärmenden Vacqueyras bestellt, wie gemacht, um die deftigen Innereien und Würste zu unterstützen. Es hätte aber auch allerlei Bordeaux – von Château du Tertre bis zu La Croix Figeac. Während Weinpreise genannt werden, muss man nach den Jahrgängen fragen. Für Dessert und Kaffee hat es danach noch knapp gereicht, ein Spaziergang über die grüne Grenze ins Elsass – es sind nur ein paar Meter bis Frankreich – war der Verdauung halber notwendig. Auf dem Rückweg wanden wir dem Restaurant ein Kränzchen. Man müsste es, samt der netten Bedienung, den urigen Räumen und dem ofengegarten Lammkopf, unter Denkmalschutz stellen. wf

Brunngasse 2, 4124 Schönenbuch
mo–mi 17.30–23, fr & sa 17.30–24, so 10–22 Uhr (Küche 12–14 & 18–21.30 Uhr), mittags (ausser so) & do geschlossen sowie 15. bis 25. Februar, 26. Juli bis 12. August und 10 Tage im Oktober
HG Fr. 26–52, Menü ab Fr. 74
Ab ins Grüne: Rang 2

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