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Region Basel

Bad Schauenburg

Grande classique mit einem Hauch von Magie

Ein magisches Anwesen, vor allem in der kühleren Jahreszeit! Die Anfahrt mit dem Auto – öffentliche Verkehrsmittel sollte man in diesem Teil der Welt schnellstens vergessen – durch die Dunkelheit, bis irgendwann die Lichter auf der Höhe auftauchen. Das «Bad Schauenburg» denkt nicht daran, sich den Moden anzupassen, und bleibt, was es schon lange war: ein durch und durch gediegenes und elegantes Hotel mit klassischer Gastronomie. Toll.
Doch seinen Stil zu bewahren, bedeutet ja nicht, dass man nicht auch feilen könnte an den Details. Von 2016 bis 2018 wurde saniert, seit 2016 führt Stéphanie Häring die Geschäfte. Die Gastronomie präsentiert sich mit seinen beiden Restaurants – neben dem Gourmetlokal existiert in einer einstigen Scheune das «Zum Schauenegg» – stilvoller denn je. Und Küchenchef Francis Mandin hat eh ein Faible für Stil. Hirschcarpaccio mit Gewürzgelee und Feigen-Tartelette serviert er, eine Taube mit Blumenkohlpüree und gegrilltem Mais oder Mignon vom Reh mit Hagebuttenjus. Das Menu Signature ist zum Preis von 130 Franken zu haben, aber wir entschieden uns, à la carte zu bestellen. Zunächst kamen Amuse-Bouches, zwei an der Zahl und das zweite noch besser als das erste. Zunächst Pulpo auf Süsskartoffelpüree, dann Cassuolette von Garnelen mit Pastis unter einer Blätterteighaube. Das erinnerte im ersten Moment an die legendäre Trüffelsuppe des seligen Paul Bocuse und schmeckte im zweiten einfach nur klasse.
So kann es weitergehen, sagten wir uns, und so ging es weiter. Fricktaler (!) Shrimps wurden mit Maki Sushi samt Avocado, Mango und Wasabi-Limetten-Mayonnaise zu einem asiatisch-schweizerisch inspirierten Gericht veredelt. Ganz anders das Entenleber-Duo – einmal mustergültig gebraten mit Zwetschgen und zum Zweiten als Crème brûlée mit Feigen. Der Versuchung, allzu viel Süsse in die Leberkreation zu packen, entging die Küche, die Balance wurde gewahrt. Schliesslich noch eine Liaison aus braisierten Kalbsmilken und Langoustine, um Kalbsjus und Schmelzkartoffeln angereichert. Ausgezeichnet!
Braucht man zum weitgehend klassischen Essen den passenden Service? Ganz sicher. Hier ist er am Werk, spricht mit einem Akzent, den wir als französisch einstuften, servierte erst Riesling, dann Rotwein, erläuterte die Schätze der Weinkarte. Château Beychevelle ist auch aus 1995 (!) und 1998 zu haben, doch der Keller ist nicht nur gut gefüllt mit Bordeaux, sondern auch mit einer verblüffenden Fülle an Italienern (Barolo von Sandrone, Conterno) und richtig guten Spaniern. Das alles hat seinen Preis, aber dieser wirkt nicht übertrieben. Man bekommt Lust darauf, eine reife Flasche dekantieren zu lassen.
Indische Kulfi-Eiscreme (von typischer, recht fester Konsistenz) mit Mango, Popcorn und dem Aroma von Tonkabohnen würden wir nicht als klassisch französische Kochkunst bezeichnen, aber sie erfüllte ihren Zweck, erfrischte und befriedigte unsere Neugier. Am Schluss waren wir glücklich. 168 Franken für vier Gänge à la carte, Wein und Wasser, Apéro und Kaffee, die Friandises inklusive, nennen wir mehr als fair. Und das magische Ambiente gibt es gratis dazu. wf

Schauenburgerstrasse 76, 4410 Liestal
mo–sa 12–14 & 18–24, so 12–16 Uhr (Küche 12–13.15 & 18–21 Uhr), so-abend geschlossen sowie 20. Dezember bis Mitte Januar
HG Fr. 42–56, Menü ab Fr. 130
Grosse Küche für Gourmets in Basel: Rang 5