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Grossbasler Innerstadt

Au Violon

Oase über dem Barfi

Nicht nur im Sommer, wenn um den grossen Brunnen unter dem schattenspendenden Blätterdach hoch über dem Barfüsserplatz aufgetischt wird, empfinden wir das «Au Violon» als eine leicht versteckte Oase mitten in der Stadt. Auch in der schönen, klassischen Gaststube fühlen wir uns immer sogleich ein bisschen wie in einer anderen Welt. Einer sehr französischen. Und das liegt nicht nur am entsprechenden Akzent der freundlichen Profis im Service – und daran, dass am Nebentisch Französisch parliert wird –, sondern am ganzen Ambiente. Und an dem, was auf den Tisch kommt.
Bei uns kommt heute im «Au Violon» dies auf den Tisch: L’œuf mollet croustillant, champignons et mâche (Fr. 18.–) und Foie gras de canard marbré au vin rouge, dattes, mandarines et brioches (Fr. 25.–; grössere Portion Fr. 29.–) als Vorspeisen. Perfekt kommt das weiche Ei im Knuspermantel daher, Pilze und frischer Nüsslisalat bilden einen wohlschmeckenden Kontrast. Tadellos ist die schön angerichtete Entenleberterrine – wie in Frankreich. Am Büffet mitten im Raum wird Tatar gemischt und angerichtet, und dass das Fleisch nicht zu fein gehackt ist, gefällt uns. Doch der Sinn steht uns heute nach etwas Warmem. Wir erwägen kurz Filet de féra, saucisse Bâloise, jus de veau, orge perlé et épinard (Fr. 44.–), Felchenfilet mit Basler Wurst und Kalbsjus und die konfierte Lammhaxe mit Meaux-Senf-Linsen (Fr. 42.–). Wir entscheiden uns dann aber für ein typisch französisches Stück vom Kalb, das Onglet (auf Deutsch weniger «amächelig» Nierenzapfen bzw. Zwerchfellstück), das, aussen kross gebraten, innen zart, tranchiert serviert wird, begleitet von angebratenen Polentastäbchen, die wie Pommes aussehen, und feinen Schwarzwurzeln (Fr. 44.–). Ein schmackhaftes Gericht, das es hierzulande sonst kaum gibt. Sehr solide ist die Perlhuhnbrust auf der anderen Seite des Tischs, die mit Gnocchi, Kürbiswürfelchen und Marrons glacés (Fr. 39.–) an diesem Herbsttag saisongerecht dargeboten wird. Die kleine Weinkarte bietet eine schöne Auswahl französischer Tropfen an. Nach dem Aperitif aus dem benachbarten Elsass – der wunderbar würzige Gewürztraminer Wahlenbourg von Paul Ginglinger (Fr. 7.30/dl) – gehen wir zum Hauptgang in den Süden: Der Corbières Château Bel Evèque 2014 (Fr. 7.90/dl) von Pierre Richard – ja, der berühmte Schauspieler (1972 war er «Der grosse Blonde mit dem schwarzen Schuh») ist Winzer geworden – erweist sich als gute Wahl.
«Kein französisches Essen ohne Dessert!», lautet eine unserer Devisen. Und hier gibt es ja noch die klassische Eischneeinsel in Vanillesauce, die Ile flottante (Fr. 13.–). Und heute gebe es auch Saint-Honoré, sagt der Kellner, «hausgemacht, nicht etwa vom Beschle!». Die beiden Desserts bilden einen angenehmen Schlusspunkt unter ein gelungenes Essen in dieser Oase, bevor es wieder hinausgeht in die Basler Wirklichkeit. hpe

Im Lohnhof 4, 4051 Basel
mo–sa 11.30–23.45 Uhr (Küche 12–14 & 18.30–22 Uhr), so geschlossen sowie 22. Dezember bis 15. Februar
HG Fr. 24–54
Basler Institutionen: Rang 4