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Elsass

Au Bon Pichet

Qualität und Tradition

Der Herr des Hauses ist eine über die Stadt hinaus bekannte Figur. Eine Erscheinung. Mit rechter Pauke, weissem T-Shirt und straff gezogenen Hosenträgern. Auf dem Weg von der Küche zum Stammtisch jongliert Roland Barthel mit verschmitztem Kennerlächeln ein mächtiges Stück rohes Fleisch auf einem Brett quer durchs Restaurant, um es am Stammtisch stolz zu präsentieren. Ursprünglich Metzger ist Barthel die Freude am Üppigen anzusehen. In der Küche hat er mittlerweile das Regime seinem Sohn Franck überlassen, einem Koch, der in guten Häusern gelernt hat, in der «Auberge du Père Floranc» in Wettolsheim oder bei den Haeberlins in der «Auberge de l’Ill» in Illhäusern.
Vor uns auf dem Tisch steht eine kleine Schiefertafel mit einer Empfehlung für 22 Euro: «Pied de porc désossé et farci comme l’aimait Paul Haeberlin, purée de pomme de terre comme un beackoeffe» – der entbeinte und gefüllte Schweinsfuss, wie ihn Paul Haeberlin liebte. Vater Haeberlin, legendärer Drei-Sterne-Koch der Auberge in Illhäusern, kehrte an seinen freien Tagen gerne im «Au bon Pichet» bei Roland Barthel ein. Und es heisst, er habe sich sein liebstes Gericht sogar nach Illhäusern bringen lassen, heimlich, als er bereits krank war, entgegen dem Rat der Ärzte.
Qualität und Tradition ist bei Vater und Sohn Barthel im Restaurant «Au Bon Pichet» angesagt. Das beginnt an unserem Tisch mit einer tadellosen Gänseleber, zwei Tranchen, begleitet von zwei halbierten Brioches und einem Chutney von Kirschen. Und einem veritablen Wurstsalat. Natürlich darf man sich in einem solchen Lokal die mustergültige Choucroute garni nicht entgehen lassen. Um das feine Kraut rangeln Kasseler, geräucherter Speck und Knackwurst um Aufmerksamkeit (€ 22,–). Selbstverständlich muss es auch das Barthel-Entrecôte sein, das mit zerflossener Knoblauch-Peterli-Butter beträufelt und von Bratkartoffeln begleitet ist (€ 29,–). Dazu trinken wir einen reifen Bordeaux, einen Château du Tertre.
Die Speisekarte des bodenständigen Lokals hielte auch Kalbsnieren oder Kalbskopf bereit, man bekäme aber auch ein Carpaccio von Coquilles Saint-Jacques. Währschaft sind die Portionen bei den Nachspeisen. Und ohne die Vacheringlace «Père Wendling» sollte man Sélestat und das «Au Bon Pichet» nicht verlassen! wm

place du Marché aux Choux 10, 67600 Sélestat, Frankreich
di–sa 12–14 & 19–23 Uhr (Küche bis 21.30 Uhr), mo & so geschlossen
HG € 13–29, Menü ab € 30
Gut und bürgerlich: Rang 1

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