open menu close

Grossbasler Innerstadt

Acqua

Rehrücken und italienisches Flair

Was man zum angebotenen Essen wissen muss, steht auf dem Tischset. Zwei Menüs, zwei Zusatzspezialitäten, ein paar Desserts. Nur die genaue Beschreibung der hausgemachten Glacesorten fehlt, da heisst es fragen. Man habe Sauerrahm mit Zitrone und Kaffee da, erfahren wir, nach weiteren Varianten müsse er sich selbst erkundigen, antwortet der Kellner. Doch wir greifen vor. Erst mal tritt man ja zu pikanten Speisen ein in das ehemalige Wasserwerk, das längst zu einer der angesagtesten Basler Beizen umfunktioniert wurde. Ein langgestrecktes Gebäude, eine Lounge vorn, eine offene Küche dahinter, dann der Speiseraum. Kommt man im Winter, ist es also schon früh dunkel, sollte man eine gewissen Schummrigkeit einkalkulieren, aber die ergibt ja den besonderen Charme des Hauses.
Welches es übrigens nicht an Aufmerksamkeit fehlen lässt. Bürli, Grissini, ein Apéro: Die Kleinigkeiten vorab sind gut ausgesucht, werden nett serviert. Und satt werden soll man, hat die Geschäftsführung wohl eines Tages beschlossen, ebenfalls. Rohschinken auf Pilzfrittata, angereichert um Fontinacreme und Wirsingsalat, ist eine winterlich anmutende Vorspeise, die nach einem kraftvollen Wein schreit. Pizza bianca mit Zwiebeln und Pilzen könnte so auch in einer Osteria zwischen Milano und Bologna serviert werden. Dazu Orvieto und Franciacorta, das macht Laune. Und warum soll man den Schaumwein auch nicht, so wie hier, im Weinglas servieren? Da kommt das Aroma ebenso gut zur Geltung wie im klassischen Sektgefäss. Zumal die Flaschenkarte ja wirklich Stil hat. Brunello von La Gerla, der Magari von Angelos Gajas toskanischem Weinbauprojekt, der Tignanello für alle, die auf Nummer sicher gehen wollen.
Wollen wir nicht. Und stellen die Küche vor die anspruchsvolle Aufgabe, uns einen Rehrücken mit Maroni-Brot-Knödel und Apfelrotkraut zuzubereiten. Gelingt wunderbar, der Salbei peppt diesen Wildgang auf, das Fleisch hätte man kaum besser würzen können. Ist vielleicht auch ein Verdienst des multitalentierten Kochs Pascal Schmutz, welcher hier zum Zeitpunkt unseres Besuchs tätig ist. Bei den Rosmaringnocchi dagegen, mit Spinat, Gorgonzola und Haselnüssen serviert, wäre ein Hauch von zusätzlichem Salz zu wünschen. Seis drum, schmecken tut der Pasta-Gang dank frischer Zutaten und mustergültig geformter Teigwaren. Gelobt sei die kleine Karte! Und Lob verdient, abschliessend, auch die Glace. Nicht zu süss, wie sonst oft, erfrischend und eindeutig im Geschmack. Allein dafür würden wir wiederkommen. Und um den zwar lockeren, aber nicht selbstbezogenen Service zu bewundern, der uns mehrstimmig verabschiedet. Muss so sein, kann man behaupten, ist es aber längst nicht in jeder Basler Beiz. wf

Binningerstrasse 14, 4051 Basel
di–fr 12–14 & 19–24, sa 19–24 Uhr (Küche 12–13.30 & 19–22 Uhr), sa-mittag & so geschlossen Bar & Lounge: di–fr ab 17, sa ab 18 Uhr, so geschlossen
HG Fr. 33–45, Menü ab Fr. 45
Basler Institutionen: Rang 5

Weitere Restaurants aus "Basler Institutionen"