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Der Telebasel News-Beitrag vom 8. Januar 2023.
Basel

Ein Ort der Ruhe inmitten der Hektik

Im Café Moment herrscht Stille: keine Gespräche, keine Musik, keine Arbeit. Das neue Lokal hat neben der Ruhe weitere Besonderheiten zu bieten.

Wer das Café Moment betritt, merkt sofort, dass hier eine spezielle Atmosphäre herrscht. Es ist ruhig, sehr ruhig. Man beginnt sich automatisch leiser zu bewegen, möglichst keine Geräusche zu machen. Auf dem roten Boden stehen kleine Tische mit jeweils zwei Stühlen. Alle Gäste sind in ihre Bücher und Zeitschriften vertieft.

Ende November hat in der Bäumleingasse in Basel ein Café eröffnet, das es in dieser Form bisher noch nicht gab. Keine Stimmen, keine Musik, keine Töne aus dem Smartphone oder Laptop – im «Moment» herrscht Stille. Das Lokal soll ein Gegenpol zum oft hektischen und lauten Alltag sein. «Die Idee ist es, dass man hier nicht spricht, dass man still ist und sich auf das konzentriert, was man gerade konsumiert, oder auf ein gutes Buch, oder auf sich selbst», erzählt Initiant und Geschäftsführer Thomas Fries. Die Gäste sollen weder sprechen noch arbeiten und sich selbst eine Pause gönnen.

«Gerade in den Städten gibt es sehr wenig stille Orte, oder sogar gar keine. Wir wollten einen Ort ohne Schwelle schaffen, in dem man sich in Ruhe aufhalten und etwas trinken oder essen kann», so Fries über die Entstehung der Idee.

Konsumieren, lesen, meditieren

Die Stille ist nicht die einzige Besonderheit im «Moment». Nebst dem man frischen Tee, Kaffee, Saft und kleine Speisen flüsternd bestellen kann, gibt es auch einen Meditationsraum. Dieser darf genutzt werden, ohne dass man etwas konsumiert. Wer lieber ein Buch oder eine Zeitschrift lesen möchte, kann Werke zu den Themen Spiritualität und Philosophie lesen oder ausleihen. Der kleine Bücherraum wird von der GGG Stadtbibliothek betrieben.

Neben der Atmosphäre und dem Angebot ist auch die wirtschaftliche Ausrichtung aussergewöhnlich. Das Café versteht sich als Non-Profit-Organisation. Sobald es so weit ist, dass das Lokal überschüssiges Geld hat, soll dies an wohltätige Zwecke gespendet werden. Vorstellbar ist für Inhaber Thomas Fries, damit ähnliche Projekte zu unterstützen.

Breite Beliebtheit

Obwohl das ungewöhnliche Konzept nicht jedermanns Sache ist, reagieren viele Leute positiv. «Wir erhalten sehr schöne und Mut machende Feedbacks. Wir haben schon einige Stammgäste und auch viele Leute, die zum ersten Mal kommen und sich darauf einlassen. Wir haben das Gefühl, damit den Zeitgeist getroffen zu haben und vielleicht auch eine Marktlücke.»

Nicht nur Konsumierende freuen sich über den Ort der Stille. Wer im «Moment» arbeiten möchte, muss sich gedulden. Die Nachfrage ist so gross, dass es eine Warteliste gibt – ein ungewöhnlicher Zustand in der Gastronomie. Auch wenn das Gebot des Schweigens auch für Mitarbeitende gilt, leidet der Teamgeist nicht darunter, freut sich Thomas Fries: «Es ist eine angenehme Atmosphäre zum Arbeiten und es ist interessant, dass selbst wenn man nicht spricht, man trotzdem kommuniziert. Es entsteht ein schöner Geist, auch unter den Leuten, und wir haben es als Team total gut.»

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