Die Stadt am Rhein gehört zu den teuersten der Welt. (Keystone)
Basel

Basel, die teuerste Stadt Europas?

Wer hätte es gedacht, Basel hat alle überholt und ist eine der teuersten Städte der Welt. Und: Viele freut das. Aber längst nicht alle.

Wie teuer kauft es sich in einer Stadt ein? Was kosten also Lebensmittel, was ein Besuch in einem Restaurant? Und: wie tief muss man monatlich in die Tasche greifen, um die Miete stemmen zu können? Die Datenbank Numbeo untersucht seit 2009 genau diese Aspekte, um ein jährliches Ranking der teuersten Städte Europas zu ermöglichen. Die deutsche Reiseplattform Travelbook trug die Daten für 2023 Anfang Januar zusammen und kam zum Schluss: Die teuerste Stadt in Europa ist Basel. Den Unterschied im Vergleich zu anderen Schweizer Städten sollen die Lebensmittelpreise gemacht haben. Diese sind gemäss Ranking noch höher als in anderen Schweizer Städten.

Die Top sechs der fünfzig teuersten Städte Europas ist gesäumt von Schweizer Städten. Auf Rang zwei folgt Zürich, auf Rang drei Lausanne. Auch Zug, Bern und Genf sind in den Top sechs. Nicht nur die Kosten für Miete, Lebensmittel oder Restaurantbesuche wurden verglichen, auch die lokale Kaufkraft berücksichtigt. Aber Achtung: Die Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen, da die Erfassung der Datenmasse ähnlich funktioniert, wie die Plattform Wikipedia. Weltweit kann jeder und jede Preis- und andere Informationen einfüllen. Ausserdem greift die Webseite auf Shop-Daten zurück. Filter helfen dann bei der Bereinigung der Zahlen und errechnen Durchschnittswerte. Für einige Länder und Regionen fällt die Datenlage besser aus, je weniger NutzerInnen also Preise eingeben, desto höher ist die Fehlerquote.

Basel auf Rang vier im Mercer-Rating

Soll man das Rating also einfach als unprofessionell abtun? Ganz so einfach ist es nicht. Denn es gibt verlässliche Ratings, auf die sich auch international tätige Unternehmen und Regierungen verlassen. Eines davon ist das Mercer-Rating. In der Mercer Cost-ofLiving-Studie werden jährlich die teuersten Städte Europas und der Welt eingereiht. Die Zahlen für 2022 zeigen: Basel ist auch hier weit oben mit dabei. Auf Rang eins steht die Stadt Hong Kong, gefolgt von Zürich und Genf, auf Rang vier folgt Basel. In der Top 10-Liste sind nur vier europäische Städte vertreten, alle davon liegen in der Schweiz.

Das Cost-of-Living-Ranking von Mercer ist eine der weltweit detailliertesten Daten-Erhebungen und dient multinationalen Unternehmen und Regierungen dazu, Löhne für Mitarbeitende festzulegen, die im Ausland tätig sind. Als Basisstadt für alle Vergleiche wird New York City genommen und Währungsschwankungen werden gegenüber dem US-Dollar gemessen. Insgesamt beinhaltet die Umfrage über 400 Städte weltweit. Verglichen werden die Kosten für einen internationalen Waren- und Dienstleistungskorb mit mehr als 200 Positionen, einschliesslich Wohnen, Transport, Lebensmittel, Kleidung, Haushaltswaren und Unterhaltung.

Standortsuche von Firmen mithilfe von Ratings

Relevant für das Standortmarketing der jeweiligen Städte ist wiederum ein anderes Ranking von Mercer. Das sogenannte Quality of living city ranking richtet sich an Menschen, die im Ausland arbeiten wollen oder müssen. Sie erhalten Hinweise, in welchen Städten die Lebensqualität besonders hoch ist. Im aktuellsten Quality of living city ranking von 2019 belegt Basel dabei Rang zehn. Zürich belegt Rang zwei und Genf Rang neun. In diesem Rating geht es also um eine sogenannte Gesamtbeurteilung der Lebensumstände in einzelnen Städten. Sabine Horvath, Leiterin des Standortmarketings der Stadt Basel, sagt auf Anfrage von Telebasel, dass diese Ratings bei der Standortevaluation von Firmen unheimlich wichtig seien. Zielgruppe seien damit nicht jene, die schon hier leben, sondern speziell Firmen, die Expats nach Basel schicken könnten. Als Stadt teuer zu sein, bedeute aber nicht automatisch, dass auch die Lebensqualität hoch sei. Entsprechend aussagekräftig sei, dass Basel in beiden Bereichen weit oben mitschwinge.

Aus Tourismussicht habe das Mercer-Rating ebenfalls ein rechtes Gewicht, wie Christoph Bosshardt, Vizedirektor von Basel Tourismus, auf Anfrage sagt. Eine hohe Platzierung bei den teuersten Städten bedeute aus Tourismussicht keinen Preisnachteil. «Wir können die Preise mit Qualität rechtfertigen», so Bosshardt. Von TouristInnen kämen diesbezüglich bisher keine negativen Feedbacks.

Nicht alle freut die Platzierung

«Positive Rankings freuen uns als Standort sehr und werden von uns für die Vermarktung des Innovations- und Wirtschaftsstandortes Basel Area genutzt», sagt auch Martin Jordan von der Agentur für Standortpromotion Basel Area Business & Innovation. Die Rankings müssten aber auch in Relation gesetzt werden. Bei der Mercer Studie seien die Lebenshaltungskosten zwar hoch, man müsse sie aber im Kontext des hohen Lohnniveaus und der hohen Kaufkraft in der Schweiz ansehen. «Mit Blick auf den Wettbewerb unter den Schweizer Wirtschaftszentren ist es für die Region Basel von Vorteil, dass die Mercer Studie für Basel tiefere Lebenshaltungskosten ausweist als für Zürich und Genf», so Jordan.

Doch nicht alle erfreuen sich ob der «guten» Platzierung der Stadt Basel unter den teuersten Städten der Welt. Domenico Sposato, Geschäftsleiter der Caritas beider Basel, warnt: «Die Wohnsituation in Basel ist sehr akut.» Was in solchen Ratings nicht berücksichtigt werde, sei die Frage, wo die Menschen mit einem ’schmaleren Portemonnaie› hingehen sollen. Also diejenigen, die eben nicht von einem hohen Lohnniveau profitieren können. Am meisten betroffen von den stetig steigenden Preisen seien nicht nur die Leute, die am allerwenigsten haben, sondern diejenigen, die sich den Lebensunterhalt gerade knapp leisten könnten. Die Armutsgrenze für eine vierköpfige Familie liegt derzeit bei 4’000 Franken monatlich. «Würde man diese Grenze um 500 Franken anheben, würde sich die Zahl der Armutspersonen verdoppeln», sagt Sposato. Die Folge davon sei deutlich erkennbar: «Die Leute wandern in die Agglomeration und aufs Land ab, weil sie sich die Wohnungen in der Stadt nicht mehr leisten können. «Bei den Betroffenen handelt es sich sehr oft um Menschen mit Berufsabschluss, die einfach nicht genug verdienen, um das Leben in der Stadt noch finanzieren zu können.»

Attraktiv für Expats, gefährlich für Familien, die an der Armutsgrenze kratzen

Dass die Schere zwischen Arm und Reich in Basel immer grösser wird und viele BaslerInnen in Basel keine Wohnung mehr finden, bestätigt auch Patrizia Bernasconi, Geschäftsführerin des Mieterinnen- und Mieterverbands Basel. Mit der Annahme der Basler Wohnschutzinitiative gebe es nun aber Instrumente, die einerseits den Erhalt von bezahlbarem Wohnraum fördern und andererseits die Wohnbautätigkeit und notwendige Sanierungen nicht gänzlich verhindern würden. «Das Fundament ist eigentlich gelegt. Jetzt muss die Umsetzung starten», so Bernasconi.

Fazit: Die Stadt Basel ist höchst attraktiv für Expats und damit auch für Firmen, die auf der Suche nach einem Standort sind. Der Basler Tourismus leidet nicht unter den hohen Preisen, da diese im Rest der Schweiz ähnlich hoch sind. Sprich: Die Touristen nehmen das hin. Für Menschen hingegen, die mit knappem Budget in der Stadt wohnen möchten, wird es zunehmend eng. 1’000 Menschen sind 2021 aus dem Kanton Basel-Stadt weggezogen. Erstmals seit 2005 war der Wanderungssaldo negativ. Überdurchschnittlich gross war gar die Abwanderung in Agglomerationsgemeinden, die nicht direkt an die Stadt angrenzen. Die Bevölkerung im Kanton Baselland nahm vergleichsweise stark zu.

1 Kommentar

  1. Aha, so so. Die teure Stadt könne man auch als Qualität benehmen. Frage mich bloss welche Art von Qualität: Hauptstadt der Schweiz in Kriminalität und fast täglichen Demonstrationen (zumeist von Ausländern)? Lach mich schon fast kaputt.Report

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