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Der Fokus auf der journalistischen Arbeit und den Stimmen der Opfer. Der Film «She Said» zeigt die #MeToo-Story aus neuer Perspektive. (Video: Youtube/Universal Pictures)
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Hollywoods dunkelstes Kapitel

Vergewaltigung, Missbrauch, Harvey Weinstein. Die Geschichte rund um #MeToo ging um die Welt. Doch wer hat den Stein ins Rollen gebracht?

Gross war der Aufschrei, als die New York Times den Artikel über den Missbrauchsskandal Weinsteins veröffentlichte. Das nötige Wasser für die #MeToo-Mühlen, um diese endlich in Gang zu bringen und, um aufzuzeigen, was viele wussten aber nicht wahrhaben wollten: Der Missbrauch im Showgeschäft oder um Klartext zu reden, die Vergewaltigungen von Harvey Weinstein.

Weinsteins Name sowie seine Gräueltaten sind weltbekannt. Aber wer ist verantwortlich für diese Enthüllungsstory. Wer hat den Missbrauchs-Mogul zu Fall gebracht? Die Antwort liefert der Film «She Said», der seit dem 8. Dezember in den Basler Kinos läuft.

Die Stimmen der Opfer, nicht des Täters

Es ist die Geschichte von vielen Frauen, jungen Schauspielerinnen, angehenden Talenten, ungeschliffenen Diamanten. Sie alle haben eines gemeinsam, den Traum, in der Filmbranche zu arbeiten. Doch gleich zu Beginn zerstört ein harter Schnitt zur nächsten Szene die Idylle: Eine junge Frau rennt barfuss und völlig schockiert die Strasse runter. Wir alle wissen was passiert ist, wir alle wissen, wer es war, doch keiner spricht ein Wort, noch nicht.

So begleiten wir im Film «She Said» die beiden Journalistinnen Megan Twohey und Jodi Kantor, wie sie anfangs nur über Gerüchte von den Missbrauchsfällen windbekommen und versuchen der Spur zu folgen. Tief hinein in den Kaninchenbau der Intrigen, des Machtmissbrauches und der Gewalt. Immer mehr Opfer erscheinen auf der Leinwand, zum Teil namentlich genannt, zum Teil nur mit Stimme oder voll in Person. Alle erzählen sie die ähnliche Geschichte und alle nennen sie den gleichen Namen: Harvey Weinstein.

«Off the record»

Die Besonderheit, die der Film «She Said» mitbringt ist die Erzählweise. Es werden die Stimmen der Opfer gezeigt und auch die Arbeit der Journalistinnen, die sich auch selbst immer wieder in Frage stellen. Wieder treffen sie auf ein neues Opfer und wieder erhalten sie die gleiche Antwort: «Off the record», was zu Deutsch so viel bedeutet wie «nicht zitiert werden».


Megan Twohey (Carey Mulligan) und Jodi Kantor (Zoe Kazan) decken den Weinstein-Skandal auf. (Bild: Universal Pictures)

Alle reden, doch niemand will was sagen. Zu gross die Angst vor Weinsteins Macht, obwohl dieser im Film selbst kaum vorkommt. Nur hörbar über Telefon oder in Vertretung seiner Anwälte. Wie das Monster in einem Horrorfilm, bis zum Ende nicht sichtbar aber doch immer spürbar. Stark umso mehr das Spiel der beiden Protagonistinnen, die sich diesem Lügenkonstrukt immer mehr entgegen stellen, um sich Stück für Stück der Wahrheit zu nähern.

Journalistisches Meisterwerk

«She Said» ist der erste Hollywood-Blockbuster, der in den Original-Räumlichkeiten der New York Times gedreht wurde. Die Räume des Aushängeschildes für investigativen Journalismus. Denn nichts anderes steckt hinter der MeToo-Enthüllung: Lupenreiner Journalismus wie er im Buche steht.

Recherchiert, kombiniert, observiert – ohne die Arbeit dieser beiden Frauen würde Weinstein wohl noch heute vergewaltigen. Grund genug, dass «She Said» als einer der Favoriten für die Oscars 2023 gilt.

Der Blick auf Basel

Missbrauch und Vergewaltigung mit System, sowas kann doch nur in Hollywood passieren, oder? Weit gefehlt. Auch die Schweizer Filmbranche ist nicht frei von sexuellen Missbräuchen wie die Expertin für sexualisierte Gewalt Agota Lavoyer in der «Cinebulletin» aufzeigte.

#MeToo hat einen Wandel gestartet. Dank Organisationen wie z. B. «FemaleAct» oder «SWAN – Swiss Women’s Audiovisual Network» werden Frauen in der Schweizer Branche Plattformen geboten, um sich zu vernetzen oder ihre Missbrauchserfahrungen zu teilen. Der Film «The Case You» – in dem auch die Basler Schauspielerin Aileen Lakatos involviert war – zeigt auf, dass es auch in der Schweizer Filmbranche Missbrauchsskandale gibt.

Also wohl nur eine Frage der Zeit bis die Gräueltaten eines «Basler Harvey Weinsteins» an die Öffentlichkeit gelangen. Oder um aus dem Film «She Said» zu zitieren: «Alles kommt irgendwann ans Licht.»

Der Film «She Said» läuft seit dem 8. Dezember in allen Basler Kinos.  

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