(Bildmontage: Telebasel)
Basel

Diese alpine Pflanze hasst frühes Aufstehen noch mehr als Sie

Durch den Klimawandel setzt der Frühling früher ein. Das sorgt aber nicht wie erwartet für langanhaltende grüne Berglandschaften, sondern für «braune Matten».

Wie fänden Sie es, am Morgen plötzlich früher geweckt zu werden? Wahrscheinlich überhaupt nicht gut. Genauso geht es den alpinen Pflanzen in der Schweiz. Ganze zweieinhalb Wochen früher werden sie nämlich geweckt.

Früher Frühling

Grund dafür ist der Klimawandel. Die Schneeschmelze setzt schneller ein und sorgt für einen verfrühten Frühling. Das klingt im ersten Moment toll, ist aber laut einer neuen Studie der Uni Basel nicht nur von Vorteil. «Die Menschen glauben immer, dass ein früher und langer Frühling super schön sei», erzählt Dr. Erika Hiltbrunner vom Departement Umweltwissenschaften der Uni Basel im Gespräch mit Telebasel. «Sie wollen die negativen Seiten davon nicht unbedingt hören.» Es bleibt nämlich nicht wie erwartet länger schön und grün, sondern wird einfach schneller braun. Das frühe Aufwecken, also der sogenannte Austrieb der Pflanzen, führt nämlich zu früherer Alterung und daher zu «braunen Matten».

Problem vom Furkapass

Die Studie der Uni Basel entnahm intakte Blöcke von alpinem Rasen und transportierte sie in grosse Klimakammern. Dort wurden die Rasenstücke kalter Dunkelheit ausgeliefert, um den Winter zu simulieren. Ein erster Teil der Proben wurde dann im Februar, ein zweiter erst im April in den künstlichen Sommer geschickt. Die Ergebnisse wurden miteinander und mit den natürlich wachsenden Nachbarn in 2’500 Metern Höhe auf dem Furkapass, die erst Ende Juni aus dem Schnee kamen, verglichen.

Pflanzen haben eine innere Uhr

Die spannenden Ergebnisse: Ein Grossteil dieser alpinen Pflanzen hört nach fünf bis sieben Wochen auf zu wachsen und beginnt zu altern. «Diese Pflanzen haben eine Art innere Uhr», erklärt Doktorand Patrick Möhl gegenüber Telebasel. «Sie folgen dieser stur und bleiben nicht länger grün, nur weil man sie früher weckt.» Diese innere Uhr lässt sich von nichts aus der Ruhe bringen und so wächst die Pflanze nach einer bestimmten Zeit einfach stur nicht mehr weiter. Anders könne man diese alpine Pflanze auch mit einer Waschmaschine vergleichen, scherzt Dr. Hiltbrunner: «Die Pflanze zieht ihr Programm durch. Sobald man auf Start drückt, also die Pflanze weckt, startet das Programm und kann dann nicht mehr verändert, verlängert oder frühzeitig abgebrochen werden.»

Vor allem die alpinen Pflanzen seien besonders auf dieses kurze Programm getrimmt. Sie sind nämlich schon uralt und haben sich lange an die klimatische Umgebung gewöhnt. So reagiert jede Pflanzenart anders auf externe Einflüsse und somit auch auf den Klimawandel.

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