In diesem Jahr rechnete kaum jemand mit einem Gastauftritt des 20-fachen Grand-Slam-Turniersiegers. (Bild: Keystone)
Schweiz

Wenn Roger Federer zum Zuschauer wird

Für gewöhnlich stehen an den Sports Awards die Sportler des Jahres im Mittelpunkt. Mit Federer als Ehrenpreisträger änderte sich das am Sonntag schlagartig.

Kommt er oder kommt er nicht? Immer wieder wurde in der Vergangenheit darüber spekuliert, ob Roger Federer den Sports Awards vor Ort beiwohnen wird. Oftmals wurde der Tennis-Maestro per Video-Schaltung aus seinem Trainingsdomizil in Dubai in die TV-Gala zugeschaltet, nur sehr selten fand er wirklich den Weg nach Bern, Basel oder Zürich, wo die Schweizer Sportlerwahlen in den vergangenen zwei Jahrzehnten über die Bühne gegangen sind.

In diesem Jahr rechnete kaum jemand mit einem Gastauftritt des 20-fachen Grand-Slam-Turniersiegers, nachdem er nach monatelanger Verletzungspause im September einen Schlussstrich unter seine herausragende Karriere gezogen hatte. Doch «RF» war da, und die Überraschung damit geglückt.

Schon beim Einlauf der anwesenden Nominierten wurde Federer ein erstes Mal am TV eingeblendet, im Studio-Publikum sitzend neben seinem Jugendfreud und Ex-Tennisprofi Marco Chiudinelli und Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer. Nach rund Dreiviertelstunden wurde Federer schliesslich mit einer Standing Ovations auf der Bühne empfangen, um danach von Sportministerin Viola Amherd den Ehrenpreis des Schweizer Sportes verliehen zu bekommen.

Der Rücktritt, ein Prozess

Preise und Auszeichnungen hat der 41-jährige Basler während seiner Zeit als Tennisprofi schon zahlreiche erhalten. Alleine fünf Mal wurde er zum «Weltsportler des Jahres» gewählt. An den Sports Awards wurde er sieben Mal als Schweizer Sportler des Jahres ausgezeichnet – auch das ist ein Rekord. Mit dem Ehrenpreis begann für Federer nun aber eine neue Zeitrechnung, war es doch das erste Mal, dass er nach seinem Karrierenende einen Preis entgegen nehmen durfte.

Darauf angesprochen, ob dies nun einen Unterschied ausmache, meinte Federer nach der Sendung. «Ja, es ist definitiv etwas anderes.» Er sei bewusst alleine hierher gekommen, «weil ich nicht wollte, dass es plötzlich noch emotional wird, wenn ich meiner Frau oder meinen Eltern in die Augen schaue.» Tränen verdrückte er für einmal keine, nicht so wie bei seinem emotionalen Abschied gut zwei Monate zuvor am Laver Cup in London.

Aus diesem Grund habe er auch versucht, in den Wochen danach öffentliche Auftritte zu meiden. Eine Verabschiedung an den Swiss Indoors, seinem Heimturnier, musste deshalb warten. «Basel kam für mich zu früh, ich konnte nicht schon wieder so früh auf die grosse Bühne. Man hat ja gesehen, wie sehr ich am Laver Cup gelitten habe, im positiven Sinn», meinte Federer.

Dass er nun als einer von wenigen Persönlichkeiten mit dem Ehrenpreis des Schweizer Sportes ausgezeichnet wurde, bedeute Federer viel. «Ehrungen gehören zum Sportbusiness, aber in der Schweiz geehrt zu werden, mit einem Preis, der zuletzt vor 15 Jahren an Alt-Bundesrat Adolf Ogi verliehen wurde, das freut mich extrem.»

Einst Publikumsmagnet, nun Zuschauer

Konkrete Pläne für die Zeit nach seiner Aktivkarriere hat Federer noch nicht. «Schauspieler werde ich bestimmt nicht, wie schon von einigen vorgeschlagen», witzelte der Werbebotschafter von Schweiz Tourismus. Neben der Betreuung seiner eigenen Stiftung hofft er im nächsten Jahr einige Exhibition-Matches spielen zu können. «Damit möchte ich danke sagen, rund um die Welt, bei all den Fans, die mich immer so unglaublich unterstützt haben.» Er liebe es nach wie vor zu reisen, Tennis zu spielen und sei selber gespannt, was die Zukunft bringe.

Als vierfacher Familienvater will Federer aber vor allem «ein guter Papi sein, mit (meiner Frau) Mirka eine super Zeit verbringen und den Freunden etwas zurückzugeben, die mir über all die Jahre so viel gegeben haben. Jetzt ist die Zeit dafür gekommen.»

Und was wünscht sich «Sportrentner» Federer für das Sportjahr 2023? «Ich werde ein grosser Fan werden von ganz vielen Sportarten, die ich lange nicht intensiv genug mitverfolgen konnte», sagte Federer und dachte dabe an die Skirennen mit Marco Odermatt und Co.

Mit seinem Wirken war der beste Schweizer Sportler aller Zeiten für viele eine Quelle der Inspiration. Nun ist für ihn der Zeitpunkt gekommen, den Stab weiterzugeben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

Mehr aus dem Channel