Baume-Schneider und Rösti gemeinsam im Bundeshaus. (Bild: Keystone)
Schweiz

Jubel in der Westschweiz – Ernüchterung in der Deutschschweiz

Das Echo der Medien in der Deutsch- und der Westschweiz zu den Wahlen von Albert Rösti und Elisabeth Baume-Schneider fällt sehr unterschiedlich aus.

Während die Deutschschweizer Medien ernüchtert die Unterrepräsentanz beklagen, jubelt die Westschweizer Presse. Die Landesregierung sei aus dem Gleichgewicht, schreibt der «Tages-Anzeiger». Im neu gewählten Bundesrat sei die urbane Deutschschweiz nicht mehr vertreten. Das Parlament müsse diesen Zustand nach den Eidgenössischen Wahlen 2023 korrigieren. Nie in der Geschichte sei die Deutschschweiz, in der 70 Prozent der Bevölkerung lebten, im Bundesrat derart untervertreten gewesen wie jetzt.

Baume-Schneider müsse nun zeigen, dass sie mehr als nur nett und bodenständig sei, schreibt die «Neue Zürcher Zeitung». Einigen Bürgerlichen sei Eva Herzog zu stark und zu europafreundlich. Andere hofften, dass eine zugängliche Kandidatin auch eine beeinflussbare Bundesrätin sei. Doch es sei nicht das erste Mal, dass in einer Bundesratswahl die Gmögigere gewählt worden sei.

Die Wahl sei eine Sensation, kommentiert der «Nebelspalter». Es sei der Sieg des Charismas einer Frau, die noch vor wenigen Wochen kaum jemand in der Deutschschweiz gekannt habe. Sie habe die Herzen der bürgerlichen Politikerinnen und Politiker im Sturm erobert. Für das Newsportal Watson.ch sind die Bundesratswahlen ein Armutszeugnis der Schweiz. Die urbanen und finanzstarken Kantone seien frustriert.

Von einem Freudentag für den Kanton Jura spricht die «Basler Zeitung». Und es sei ein trauriger Tag für Basel, Heimat der unterlegenen Ständerätin Eva Herzog. Sie sei mit ihrer besonnenen Art nicht durchgedrungen. Die Wahl von Baume-Schneider sei ein Triumph der ländlichen Schweiz über die Städte.

Völlig anders tönt es in den Westschweizer Medien. Der 7. Dezember sei ein historisches Datum, schreibt die Neuenburger Zeitung «Arcinfo». Baume-Schneider bringe Frische und Überzeugungen in die Landesregierung. Als weltoffene Frau aus dem Jura sei sie sich bewusst, dass es Partnerschaften mit anderen Staaten brauche.

Der Waadtländer «24 Heures» spricht von einem Erdbeben. Mit Rösti und Baume-Schneider seien Persönlichkeiten in den Bundesrat gewählt worden, deren Charaktere sich positiv auf die zuletzt angespannte Atmosphäre in der Regierung auswirken dürfte.

Der Walliser «Nouvelliste» bezeichnet die Wahl der beiden neuen Bundesräte als «Überraschung im Namen aller Kleinen». Baume-Schneider verkörpere zahlreiche Minderheiten: die Frauen, die Linke, die Westschweiz, die Randregionen und die Bauern.

Die «Tribune de Genève» spricht von einem Geschenk für den jüngsten Kanton der Schweiz. Dank der Wahl von Baume-Schneider sei der Jura nun definitiv in der Schweiz angekommen, heisst es im Kommentar des «Quotidien Jurasisen». «Le Temps» bezeichnet die Wahl als grösste politische Überraschung der letzten 20 Jahre.

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