Das schreibt die Presse zur 1:6-Pleite gegen Portugal. (Bild: Keystone)
Schweiz

Mutlos, glücklos und emotionslos ins Debakel

Zu wenig Emotionen bei den Spielern und die falsche Taktik: Die Schweizer Medien gehen mit der Nati nach dem Debakel gegen Portugal meist hart ins Gericht.

Die Taktik von Murat Yakin wird in den Medien genauso kritisiert wie die fehlenden Emotionen im Spiel der Schweizer. «Ist es vielleicht die Schlafkrankheit?», fragt der Tages-Anzeiger. «Wie sonst kann eine Mannschaft nach einer Pausenansprache noch einmal exakt denselben emotionslosen Stiefel runterspielen wie zuvor?» Der Blick in die Zukunft fällt trotz des «Debakels» (Le Temps), der «Blamage» (Blick) nicht negativ aus. Aufgrund des Alters der Leistungsträger bestehe für die Generation um Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Ricardo Rodriguez die Möglichkeit auf ein «schöneres Ende ihrer Geschichte» (Tages-Anzeiger).

«Yakin verzockt sich komplett»

Blick: «Das war fado, liebe Nati. Was für eine Blamage. Die Schweiz löchrig wie ein Emmentaler. Murat Yakin verzockt sich komplett. Der Nati-Coach setzt zu Beginn überraschend auf eine Dreierkette. Ein Versuch, der total in die Hose geht. Auch im fünften Anlauf klappt es damit nicht mit dem Einzug in die WM-Viertelfinals. So krachend wie im Lusail-Stadion ist die Schweiz aber noch nie gescheitert. Für einmal bricht das Schweizer Kollektiv komplett auseinander.»

Tages-Anzeiger: «Ausgeträumt. Hat man Murat Yakin schon jemals derart leer in die Ferne schauen sehen? Geschichte wollten sie schreiben, seine Schweizer an dieser WM in der Wüste. Aber dann ist es, als hätte jemand ‹einmal bitte den Schweizer Achtelfinal spezial› bestellt. Wie 2018 gegen Schweden, wie 2006 gegen die Ukraine spielt die Schweiz ein K.o.-Spiel, als sei sie erst fünf Minuten vor dem Spielbeginn aus dem Bett gerissen worden – und mache sich erstmal auf die Suche nach einem dreifachen Espresso. Die Schweizer sind schwach. Dann bauen sie stark ab.»

NZZ: «Die Schweizer wollen ihre WM-Geschichte weiterschreiben, sagte der Trainer Murat Yakin vor dem Achtelfinal gegen Portugal. Die Geschichte, die herausgekommen ist, ist die Geschichte eines Totalversagens. Sie handelt von einer Demütigung statt von einer schönen Geschichte, an die man sich mit Freude erinnert. Yakin, Xhaka und das ganze Team waren nicht bereit. Genau darauf kommt es aber an: Bereit zu sein, wenn es darauf ankommt. Was die Demütigung für Konsequenzen haben wird, ist abzuwarten. Klar ist aber: Einiges ist schief in diesem Team.»

«Halt doch nicht Weltklasse»

CH-Media: «Halt doch nicht Weltklasse. Die Schweiz wollte Geschichte schreiben, aber sie hängt immer noch im alten Kapitel. 2006 – mutlos raus gegen die Ukraine. 2014 – glücklos raus gegen Argentinien. 2018 – emotionslos raus gegen Schweden. Und 2022? Mutlos, glücklos und emotionslos raus gegen Portugal. Es ist schlimmer als alles, was wir bisher in Achtelfinals erlebt haben. Ist das nun das Ende aller Träume? Bleibt der Viertelfinaleinzug bei der EM 2021 das glanzvollste Resultat dieser Generation? Aber für einen letzten Versuch, an der EM 2024 etwas richtig Gigantisches zu schaffen, sollte es zumindest vom Alter her noch reichen.»

SRF: «Am Ende bleibt die ernüchternde Feststellung, dass es der Nati an einer WM erneut nicht gelungen ist, das im Verlauf des Turniers entfachte Feuer in die K.o.-Phase zu transportieren. Die Annahme, dass man aus dem Schweden-Debakel vor 4 Jahren die richtigen Schlüsse gezogen hat, erwies sich an diesem denkwürdigen Abend im Norden Dohas vorerst als falsch.»

Watson: «Es ist einfach, jetzt auf die Schweizer Nationalspieler draufzuhauen. Oder auf ihren Trainer Murat Yakin. So muss sich die Schweiz nach diesem Spiel hinterfragen, die schwache Leistung analysieren. Aber sie muss sich für diesen Auftritt nicht schämen – und erst recht sollten die starken Leistungen in den Gruppenspielen aufgrund eines Abends zum Vergessen nicht zur Seite gekehrt werden.»

«bluewin.ch»: «Natürlich ist es Pech, dass die Nationalmannschaft von einer Erkältungswelle erwischt wird und dadurch Stamm-Rechtsverteidiger Silvan Widmer ausfällt. Doch genau für solche Eventualitäten hätte Murat Yakin gerüstet sein müssen. Er hat sich dagegen entschieden und trägt jetzt die Hauptverantwortung für die Klatsche gegen Portugal.»

Le Temps: «Das Debakel von Doha. Die Schweiz verlässt die WM durch die ganz kleine Tür, geohrfeigt von Portugal, das dafür nicht einmal sein ganzes Talent ausspielen musste.»

Corriere del Ticino: «Die dunkelste Nacht. Die beschämendste und damit schmerzhafteste. Wir wollten Geschichte schreiben und beschliessen die WM stattdessen mit dem schlimmsten Ende. Die üblichen vier Kapitel. Und kein Happy End.»

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