Eva Herzog diskutiert mit dem Basler Regierungsrat Lukas Engelberger nach den Bundesratswahlen. (Bild: Keystone)
Schweiz

Eva Herzog schafft es nicht in den Bundesrat

Eine faustdicke Überraschung in Bern: Elisabeth Baume-Schneider ist neue SP-Bundesrätin. Die Baslerin und eigentliche Favoritin Eva Herzog hat das Nachsehen.

Elisabeth Baume-Schneider ist neue SP-Bundesrätin und Nachfolgerin von Simonetta Sommaruga. Die Vereinigte Bundesversammlung hat sie am Mittwoch mit 123 von 245 gültigen Stimmen gewählt, im dritten Wahlgang.

Die Wahl Baume-Schneiders kommt überraschend. Zwar wurde der 58-jährigen jurassischen Ständerätin und früheren Staatsrätin seit Sommarugas Rücktritt von Politbeobachtern zweifelsfrei das Format einer Bundesrätin zugeschrieben. Jedoch stand ihre Kandidatur lange im Schatten ihrer Deutschschweizer Kontrahentin Eva Herzog.

Nach erfrischenden Auftritten in den Fraktionsanhörungen und bei Anlässen von Interessenverbänden wendete sich das Blatt zugunsten von Baume-Schneider. Vier Fraktionen gaben keine Wahlempfehlung ab. Die offizielle Unterstützung der GLP für Herzog reichte nicht für die Baselstädterin.

Baume-Schneider erreichte im dritten Wahlgang punktgenau das absolute Mehr von 123 Stimmen. Herzog erhielt 116 Stimmen. Sechs Stimmen gingen an Daniel Jositsch.

Dank der Stimmen, die der Zürcher Ständerat erhalten hatte, wurde die Wahl spannend. Jositsch hatte ebenfalls für den Bundesrat kandidiert, blieb aber aussen vor, weil sich die SP-Fraktion für ein reines Frauenticket entschied. Im ersten Wahlgang hatte er 58 Stimmen erhalten, im zweiten dann noch 28. Diese Stimmen teilten sich zwischen Baume-Schneider und Herzog auf.

Ländliches Profil

Mit Baume-Schneider wählt die Bundesversammlung eine Politikerin mit viel Exekutiverfahrung in die Landesregierung. 2002 wurde sie in die Regierung des Kantons Jura gewählt. Sie leitete während drei Amtszeiten bis 2015 als Regierungsrätin das Departement für Bildung, Kultur und Sport. Seit 2019 ist Baume-Schneider Ständerätin. In der kleinen Kammer vertritt sie als Präsidentin der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie wichtige Dossiers.

Baume-Schneider hat sich während ihrer ganzen Karriere für soziale Gerechtigkeit eingesetzt. Sie hat ein ländliches Profil und präsentiert sich als bodenständige Sachpolitikerin, die sich für ihre Werte einsetzt.

Baume-Schneider ist zweisprachig und sieht sich als Brückenbauerin zwischen den Landessprachen. Ihre Wahl ist historisch: Der erst seit 1979 existierende Kanton Jura ist zum ersten Mal im Bundesrat vertreten. Und erst zum zweiten Mal in der Geschichte des Bundesstaates sind die Deutschschweizer im Bundesrat in der Minderheit.

7 Kommentare

  1. Herzlichen Dank an Daniel Jositsch und die bürgerlichen Parteien zur Wahl der SP-Selbstdarstellerin Baume-Schneider. Für mich kein würdiger Ersatz für Simonetta Sommaruga. Zudem ärgert mich einmal mehr die verpasste Chance, die Region Basel durch Eva Herzog gebührend zu vertreten. Intelligenz und Kompetenz sind im Bundeshaus in Bern nicht wirklich erwünscht. Die Schweiz verkommt tatsächlich zur Bananenrepublik!Report

  2. BaZ schreibt: „Gegen eine Stadt, deren Beitrag zum Wohlstand der Schweiz in weiten Teilen des Landes gar nicht wahrgenommen wird.“

    Ich bin masslos enttäuscht über diese Wahl. Wenn ich das oben genannte Zitat hinzuziehe, fordere ich mit aller Seriosität, dass der Gross- und Regierungsrat von Basel-Stadt sich ernsthaft überlegt, wie mit dem BS-Beitrag an den nationalen Ausgleichsfond künftig umgegangen wird. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass sich unsere Volksvertreter und Regierungsräte gegen Bundesentscheide querstellen.Report

  3. Es ist nicht nur die Deutschschweiz untervertreten, sondern es gibt nur noch BR aus dem ländlichen Raum. Urbane Gegenden sind offenbar völlig obsolet. Und: in der CH Landesregierung sitzen lediglich Vertreter aus Nehmerkantonen (NFA). Eine gerechte Vertretung der Bevölkerung sieht anders aus.Report

  4. Die CH mag einfach Basel nicht, und nicht ganz zu Unrecht.
    Und Basel streicht bei jeder Gelegenheit raus, das wir «anders», gar «besser» sind als die übrige CH.
    Mal Charme-Offensive starten, mit E. Herzog wird das aber nichts
    Gönne Frau Baume-Schneider von Herzen den Erfolg.
    Viva la Jura…. ich liebe ihn…..Report

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