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Der Telebasel News-Beitrag vom 28. November 2022.
Basel

Ende einer Ära: Verzell doch das em (neue) Fährimaa

Ende Jahr geht die lange Fähri-Familien-Tradition zu Ende: Urs Zimmerli muss seine Klingental-Fähre abgeben. Aus seiner Geschichte ist eine Hommage entstanden.

Noch bevor der Film «Rheinleben» startet, fliessen bereits die Tränen. Sowohl die Schwester, als auch die Frau von Urs Zimmerli sind sichtlich gerührt vom Ende einer 50-jährigen Ära. Gestartet hat diese 1972 mit Walter Zimmerli. Der Familienvater übernahm damals die Pacht der alten Klingental-Fähre. Sein Sohn Urs half ihm immer wieder aus, wenn viel los war. Eine Karriere als «Fährimaa» strebte er eigentlich nicht an.

Sein Vater hatte jedoch andere Pläne für seinen Sohn und wollte, dass dieser die Fähre nach seinem Tod übernimmt. Was zu Beginn mehr eine Pflicht war, entwickelte sich immer mehr zum Lebenswerk. In den vergangen 30 Jahren, so lange war Zimmerli jr. Pächter der Klingentalfähre, erlebte er so einiges. Darüber wurde auch im Kurzfilm «Rheinleben», welcher am Montag Freunden, Familie und Weggefährten der Klingentalfähre gezeigt wurde, berichtet.

Auch Rolling Stones auf der Fähre

Vor 40 Jahren spielten die Rolling Stones im Basler Joggeli. Während ihres Aufenthaltes in Basel gönnten sich die Rock-Stars auch eine Rheinüberquerung auf der Klingentalfähre. Bezahlt haben sie dafür einen Franken, so wie alle anderen Gäste auch. Urs Zimmerli macht keinen Unterschied: Egal ob arm oder reich, dick oder dünn – jeder ist auf seiner Fähre willkommen. So erstaunt es auch kaum, dass der bescheidene Fährimaa die berühmte Band nicht erkannte.

Zimmerlis Lebenswerk erinnert aber auch an weniger schöne Momente. So habe Zimmerli 2010 eine Frau aus dem Rhein gefischt, die kurz vor dem Ertrinken stand. Dies sei leider kein Einzelfall gewesen, erinnert sich sein Schwager Stefan Schröder. Zimmerli beschreibt er als typischen Fährimaa. «Die ganzen Geheimnisse, die ein Fährimann mitbekommt unter dem Motto «Erzähl du das dem Fährimann». So verschwiegen sind sie teilweise auch gewesen, wenn es ums kommunizieren ging und ich glaube das ist das, was den Fährimann ausmacht. Mit dieser ganzen Aura, die sie ausstrahlen. Ich glaube, ein Fährimann muss so sein, sonst wäre es nicht der Fährimaa,» so Schröder.

Pacht neu vergeben

Die Stimmung im Saal war vor der Präsentation des Kurzfilms teilweise rührend, erinnerte teilweise auch an eine Bestattung. Dies könne auch damit zusammenhängen, dass das Ende der Ära etwas überraschend kam, schätzt der Schwager die Stimmung ein. «Ich glaube einerseits sind es wirklich die Emotionen, die man mitnimmt nach 50 Jahren. Auf der anderen Seite steht das Unverständnis, wieso man Schluss machen musste. Soweit ich gehört habe, wäre Urs gerne noch etwas länger Fähre gefahren, weil er mit Herz und Blut Fährimaa war.»

Wie es für Zimmerli nach der Pensionierung weitergeht, ist noch nicht klar. Es haben sich aber bereits diverse Firmen um und im Rhein gemeldet, die den erfahrenen Rheinkenner gerne für sich gewinnen würden. Er war am Montag krankheitsbedingt nicht vor Ort, um seinen Kurzfilm zu sehen. Bis Ende 2022 wird er allerdings noch in der Klingentalfähre anzutreffen sein.

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