Die Nachfrage nach dem Schweizer Trikot steigt. (Bildmontage: Telebasel/Keystone)
Schweiz

Schweizer Sieg befeuert Nachfrage nach Nati-Trikots

Mit dem ersten Sieg der Schweizer Nationalmannschaft ist das WM-Feeling in der Schweiz doch noch angekommen - trotz der Kritik am Turnierausrichter Katar.

Die Durchführung der WM in Katar sorgt nicht nur wegen der Menschenrechtslage im Land für Kritik. Auch für den Detailhandel wäre es einfacher gewesen, wenn das Turnier in bewährter Manier im Sommer stattgefunden hätte. So sieht sich der Detailhandel wegen dem ungewöhnlichen Zeitpunkt mit einer ganz anderen Ausgangslage konfrontiert als für gewöhnlich, noch dazu während einer Energiekrise und einer Zeit steigender Inflation. Ausserdem finden kaum Fanevents im öffentlichen Raum statt. So verzichten viele Städte auf Public Viewings. Und auch das Verbot der «One Love»-Armbinde kam bei Fans schlecht an.

Händler wittern trotzdem Millionengeschäft

Doch kaufen sich die Fans trotz allem ein Trikot ihrer Lieblingsmannschaft? Zumindest die grossen Sportartikel- und Kleidungshersteller erwarten von der Weltmeisterschaft immer noch ein Millionengeschäft. Konkret erhofft sich etwa Adidas (Hersteller des deutschen WM-Trikots) einen Umsatzschub von bis zu 400 Millionen Euro. «Im Vergleich zur WM 2018 verzeichnen wir eine stärkere Nachfrage», sagte ein Sprecher unlängst zur deutschen Nachrichtenagentur DPA.

Ähnlich sieht es bei Puma, dem Hersteller des Schweizer Nati-Trikots aus. Noch-Chef Björn Gulden, der bald zu Adidas wechselt, sagte Ende Oktober, er habe «das Gefühl, dass sowohl mit Trikots als auch mit Schuhen eine Menge Weihnachtsgeschenke gemacht werden können». Adidas stattet bei der WM insgesamt sieben Nationalmannschaften aus, Puma deren sechs.

Im Detailhandel kam dies bisher so jedoch noch nicht an. Zumindest im Vorfeld der WM spürte man bei den Schweizer Detailhändlern nur wenig WM-Fieber. So wurden etwa bei Manor im Vergleich zur letzten WM vorab weniger Fanartikel verkauft, sagte eine Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Die Umsätze mit Trikots, Fussbällen oder weiteren Fanartikeln lägen unter den gegebenen Umständen aber «im Bereich der Erwartungen».

Optimismus nach Nati-Sieg

Hört man sich in der Branche um, so ist der Optimismus aber noch nicht verloren gegangen. Nicht nur die Manor-Sprecherin, sondern auch der Vertreter der Migros-Tochter SportXX betonte: Wie viele Artikel verkauft werden, das hängt immer auch vom Erfolg der Nati ab. Und diese hat am Donnerstag ihren ersten Match gegen Kamerun mit 1:0 gewonnen.

Eine Bilanz will man daher etwa bei SportXX erst nach dem Turnier ziehen. Und auch bei der Schweizer Tochter des französischen Branchenriesen Decathlon hat man «zum gegenwärtigen Zeitpunkt» noch keinen Vergleich der Verkaufszahlen mit vergleichbaren Anlässen durchgeführt.

Gar keinen Einbruch bei den Verkäufen sieht gar Ochsner Sport, der «offizielle Fanshop» der Nati: «Die Abverkaufszahlen befinden sich auf demselben Niveau wie bei anderen grossen Turnieren», so ein Sprecher.

Bier ebenfalls grosses Thema

Schliesslich braucht der echte Nati-Fan nicht nur ein passendes Trikot, sondern er muss ja auch seine trockene Kehle mit einem passenden Getränk befeuchten. Dass in den Stadien im Emirat der Konsum alkoholhaltigen Biers verboten ist und auch die Alkoholzonen vor den Arenen kurz vor dem Turnierstart durch die Regierung untersagt wurden, sorgte da bei vielen Sportfans für Frust. Für viele gehört ein (alkoholhaltiger) Gerstensaft zu einem richtigen Match einfach dazu.

In der Schweiz kennen die Fans dieses Problem nicht. Doch nicht nur in Katar, auch hierzulande könnte während dieser WM deutlich weniger Bier über die Theken der Beizen gehen. Hauptgrund: der Zeitpunkt des Turniers im Winter. Die Wintermonate sind nämlich traditionellerweise keine richtigen Bier-Monate, abgesehen vom Weihnachtsgeschäft, wie ein Sprecher des Brauereiverbands auf Anfrage sagte.

Das Wetter sei die wichtigste Einflussgrösse, was den Bierkonsum anbelangt, hiess es weiter. Entsprechend verkauft sich der Gerstensaft in den warmen Sommermonaten generell besser – ob nun ein Turnier stattfindet oder nicht.

Nebst Bier und Fanartikeln gibt es jeweils einen dritten Klassiker unter den WM-Artikeln im Detailhandel: die Panini-Bildli. Der Geschäftsführer der Deutschland-Tochter des Unternehmens erwartete vor Beginn der WM ein deutlich schlechteres Geschäft als bei früheren Turnieren. In der Schweiz scheint sich diese Befürchtung indes nicht zu bewahrheiten. Die Bildli sind laut Manor hierzulande derzeit «ungebrochen sehr beliebt», genaue Verkaufszahlen gibt die Warenhauskette aber keine heraus.

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