Die Nati kann nach dem ersten Gruppenspiel jubeln. (Bild: Keystone)
International

Schweizer Nati atmet auf: «Schlussendlich zählen die drei Punkte»

Die Schweizer Nati startet mit einem Sieg in die WM 2022 in Katar. Sie gewinnt gegen Kamerun 1:0. Ausgerechnet Breel Embolo löst mit seinem Tor den Knopf.

Eine Halbzeit lang tat sich die Schweiz im stark heruntergekühlten Prunkstadion Al-Janoub in Al-Wakrah sehr schwer. Mehrmals drohte sie gegen die clever auf Konter lauernden Kameruner in Rückstand zu geraten, zwischenzeitlich verlor sie auch die Kontrolle über das Mittelfeld. Mit dem Gefühl, froh über das 0:0 sein zu können, gingen sie in die Pause. Dann kamen sie zurück – und trafen 151 Sekunden nach dem Wiederanpfiff.

Entsprechend zufrieden zeigt sich Nati-Trainer Murat Yakin mit seiner Mannschaft: «Es war eine reife, solidarische Leistung. Wir hätten beim Abschluss zwei-, dreimal schneller und präziser spielen könne, dann hätte es vielleicht noch einen anderen Torschützen gegeben.»

Ausgerechnet Breel Embolo war der Torschütze, der Sohn kamerunischer Eltern und selbsternannte grösste Fan der «Unbezähmbaren Löwen». Granit Xhaka spielte mit einem scharfen Pass Remo Freuler im Zentrum an. Freuler lancierte Xherdan Shaqiri auf dem rechten Flügel. Shaqiri sah, dass Embolo in der Mitte Platz hatte und passte in den Strafraum. Embolo schoss aus sechs Metern ein – und hielt sich mit den zwei Herzen in seiner Brust beim Jubeln zurück.

Nach dem Spiel lässt er dann seiner Freude freien Lauf: «Ich bin stolz. Es ist enorm. Erstes WM-Goal gegen Kamerun. Ich bin einfach stolz für mich und meine Familie. Kompliment an die Mannschaft. Es war eine sehr, sehr reife Leistung. Glückwunsch an die Mannschaft und alles Gute für Kamerun.»

Befreiungsschlag nach der Pause

Es war der Befreiungsschlag, den die Mannschaft von Trainer Murat Yakin nötig hatte, schliesslich wollte es in den ersten 45 Minuten nicht richtig klappen. Nach dem 1:0 hatte Ruben Vargas nach guter Vorarbeit von Silvan Widmer das 2:0 auf dem Fuss (66.), dazu verhinderte der starke André-Frank Anguissa einen zweiten Treffer Embolos beim folgenden Corner in extremis (67.) und scheiterte der eingewechselte Haris Seferovic in der Nachspielzeit alleine vor Goalie André Onana. «Wir hätten mit einer besseren Chancenverwertung auch 2:0 oder 3:0 gewinnen können. Aber das Wichtigste war, das erste Spiel zu gewinnen. Damit haben wir die Pflicht erfüllt», sagte Xherdan Shaqiri nach dem Spiel.

So gefährlich wie vor der Pause tauchten die Kameruner in Rückstand liegend derweil nicht mehr vor Yann Sommer auf. Sommer seinerseits agierte nach dem zwiespältig verlaufenen Comeback im Test gegen Ghana jederzeit stilsicher. Wobei er vor allem in den ersten 30 Minuten gefordert war. Die Schweizer begannen zwar wie von Yakin gefordert dominant und diktierten das Spiel zunächst, doch Kamerun konterte gefährlich und hatte in der ersten Halbzeit die bedeutend besseren Chancen.

Nach zehn Minuten hätte der in die Tiefe geschickte Bryan Mbeumo im Strafraum quer zu Eric Maxim Choupo-Moting spielen müssen. Trotzdem ergab sich im Nachsetzen eine gefährliche Chance, indem Karl Toko Ekambi aus guter Position zum Abschluss kam, aber über das Tor schoss. Wenig später zog plötzlich Choupo-Moting alleine auf Sommer los, der Angriff wurde aber nachträglich zurückgepfiffen.

Kamerun wurde stärker

Auch übernahmen die mit einem klaren Plan agierenden Kameruner im Mittelfeld zusehends die Kontrolle. Im Spiel der Schweizer fehlte es dagegen an der letzten Entschlossenheit. Nach den gefährlichen Kontern Kameruns wirkte es, als wollten sie in erster Linie nicht als Verlierer vom Platz gehen.

«Es ist klar, dass nicht alles immer funktioniert hat und dass wir in einigen Situationen verkrampft waren. Schlussendlich zählen aber die drei Punkte», sagte Yann Sommer nach dem Spiel und ist froh, dass er nach überstandener Verletzung überhaupt im Tor stehen konnte. «Ich war gestern beim Abschlusstraining sehr happy. Es war das erste Mal, dass ich alles schmerzfrei machen konnte. Ich bin sehr glücklich, dass der Fuss jetzt wieder gut ist.»

Yakin setzte im Startspiel, an dessen Rande FIFA-Präsident Gianni Infantino seine Aufwartung gab, auf exakt jenes 4-2-3-1 und jene Elf, die sich mit ihren starken Auftritten im September in der Nations League gegen Spanien und Tschechien aufgedrängt hatte. Für Okafor, der wegen einer Zahn-Operation gefehlt hatte, bedeutete dies wie für Haris Seferovic und Fabian Schär ein Platz auf der Ersatzbank.

Shaqiri egalisiert Rekord

Xherdan Shaqiri, der nach 72 Minuten ausgewechselt wurde, bestritt sein zehntes WM-Spiel und zog damit mit den Rekordhaltern Valon Behrami und Stephan Lichtsteiner gleich. Der 20-jährige Fabian Rieder kam zu seinem WM-Debüt, Renato Steffen fehlte wegen Nackenproblemen auf dem Matchblatt.

Der Auftaktsieg hält das Nationalteam in seinen hohen Ambitionen auf Kurs. Es ist der erste Schritt Richtung Achtelfinals, aber eben auch nicht viel mehr als die erfüllte Pflicht. Im zweiten Auftritt gegen WM-Favorit Brasilien wird sie es am nächsten Montag mit bedeutend mehr Qualität zu tun bekommen und das dritte Spiel gegen Serbien am 2. Dezember kündigt sich auch mit dem Auftaktsieg auf der Habenseite als das entscheidende an.

Der Nati-Trainer ist zuversichtlich für das nächste Spiel gegen den fünffachen Weltmeister: «Gegen Brasilien werden wir noch präziser und konkreter sein müssen. Es wird nicht das gleiche Spiel werden, das wissen wir. Aber geniessen wir jetzt mal den Moment. Wir werden auch gegen Brasilien bereit sein.»

1 Kommentar

  1. Noch eine Randnotiz durch die rot/blaue Brille. Fabian Frei beim FCB praktisch auf dem Abstellgeleise aber in der Nati WM Debutant. Alex Frei erklären sie sich.Report

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

Mehr aus dem Channel