Mani Matter hat zeitloses schweizerisches Liedgut hervorgebracht. (Bild: Keystone)
Schweiz

Mani Matter, ein Künstler ohne Verfalldatum

Heute vor 50 Jahren starb Mani Matter. Er ist unvergessen, seine Lieder sind längst zum Volksgut geworden.

Der Berner Chansonnier kam am 24. November 1972 bei einem Auffahrunfall auf der Autobahn bei Kilchberg ZH ums Leben. Er war unterwegs zu einem Konzert in Rappperswil. Mani Matter – der eigentlich Hans Peter hiess – wurde nur 36 Jahre alt, hinterliess aber ein reiches Werk. Sein Tod löste landesweit Betroffenheit aus.

Erst ein Jahr zuvor hatte er begonnen, allein aufzutreten und die Kellertheater der Deutschschweiz zu füllen. Davor war mit seinen Kollegen Bernhard Stirnemann, Ruedi Krebs, Markus Traber, Fritz Widmer und Jacob Stickelberger in loser Gruppierung als «Berner Troubadours» aufgetreten.

Allgegenwärtige Liedkunst

Mani Matters Lieder sind längst Klassiker. Kinder lieben sie genau so wie Erwachsene, Frauenchöre tragen sie so leidenschaftlich vor wie Punkbands. Ein junger Rapper interpretiert sie auf TikTok, YB-Fans singen sie im Stadion.

Schier unendlich ist die Zahl der Coverversionen. Und auch die Originale sind noch immer begehrt. Mani Matters Album «I han es Zündhölzli azündt» hat schon 299 Wochen in der Schweizer Hitparade hinter sich, zurzeit liegt es auf Platz 66.

Fast alle seine Lieder sind gut gealtert. Die wenigen Ausnahmen sind dem Zeitgeist geschuldet – zum Beispiel «Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama», der für seine Tochter 220 Kamele verlangt. «Würde Mani Matter heute leben, käme dieses Stück sicher nicht mehr am Radio», stellte vor einigen Jahren Endo Anaconda fest.

Hemmige im Olympia

Der «Stille Has» sang das Lied trotzdem. Er gehörte zu den vielen Bewunderern Mani Matters in der Berner Mundart-Szene. Ein anderer, Stephan Eicher, sorgte dafür, dass ein Matter-Song weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt wurde. Im Pariser Olympia sang die Menge «Hemmige» Wort für Wort mit – auf Berndeutsch, wohlverstanden.

Die Anziehungskraft von Mani Matters Werk ist ungebrochen. Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried sagte dazu vor kurzem: «Die wahre Genialität erschliesst sich einem oft erst im Laufe der Zeit, wenn die Texte, die man einst nur lustig fand, von der Realität eingeholt werden und so noch an Tiefe gewinnen.»

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