Die «Junge Tat» auf dem Dach des Bahnhof SBB in Basel. (Bild: Telebasel Leser-Reporter)
Basel

«Junge Tat»: Wie gefährlich ist diese Gruppierung?

Die «Junge Tat» hat auf dem Dach des Bahnhof SBB Petarden gezündet. Wie schätzt Extremismus-Experte Samuel Althof ihr Gewaltpotenzial ein?

Sie sind jung, sie sind rechtsextrem und sie fallen durch ihre Aktionen immer wieder auf. Die Rede ist von der Gruppierung «Junge Tat». Am Sonntag fand eine Aktion in Basel statt. Dabei standen sechs vermummte Mitglieder der Gruppierung auf dem Dach des Bahnhofgebäudes, schwenkten Petarden und machten mit einem Banner mit dem Schriftzug «Kriminelle abschieben» auf sich aufmerksam.

Geringes Gewaltpotenzial

Die Gruppierung hat an anderen Orten in der Schweiz bereits auf sich aufmerksam gemacht. Mitte Oktober versuchten Mitglieder, eine Veranstaltung in Zürich zu stören, bei der Dragqueens Kindern aus Büchern vorlasen. Die «Junge Tat» führte Anfang Jahr eine Demonstration von Corona-Massnahmen-Gegnern in Bern an und versuchte im Juni an der Zurich Pride einen LGBTQI-Gottesdienst zu stören. Doch wer sind sie?

Die Gruppierung besteht aus einem «harten Kern» von ungefähr zehn Personen, sagt Samuel Althof, Leiter der Fachstelle für Extremismus- und Gewaltprävention. Die Mitglieder seien schätzungsweise zwischen 16 und 30 Jahre alt, befänden sich am äussersten rechten Rand des politischen Spektrums und seien nicht nur in der Region Basel tätig, sondern in der gesamten Schweiz.

Der Extremismus-Experte schätzt das Gewaltpotenzial der Gruppierung jedoch als gering ein: «Ihr Ziel ist es, eine Botschaft zu senden. Und Gewalt würde die Botschaft nur konkurrenzieren», sagt er. Dass die «Junge Tat» zu gemeinsamen Boxtrainings aufruft, sei dabei im Grundsatz unproblematisch. Denn Kampfsport sei keine Straftat. Und da die «Junge Tat» zumindest bisher keine Gewalttaten verübt hätte, gäbe es derzeit auch keinen Grund, die rechtsextreme Gruppierung zu verbieten. Man dürfe sie nicht auf die gleiche Ebene wie zum Beispiel die Mafia oder die Terrororganisation Al-Qaida setzen.

Gute Inszenierungen

Viel mehr sollte man sich die Frage stellen, wie die Gesellschaft mit dieser Gruppierung umgehen soll. Und da sieht Althof die Medien in der Pflicht, sich nicht instrumentalisieren zu lassen. «Wir haben hier eine Gruppe, die sich gut inszenieren kann», so Althof. Eine intensive Berichterstattung könne Ängste auslösen und würde die Gruppierung künstlich aufblasen.

Bisher wurde niemand bei Aktionen der «Jungen Tat» verletzt, dennoch steht die Gruppierung unter grossem juristischen Druck, erklärt der Experte. Denn die Mitglieder begingen oft Hausfriedensbruch wie beispielsweise bei der Aktion am Sonntag in Basel. «Ob sich in Zukunft noch mehr Personen der Gruppierung anschliessen, ist deshalb fraglich.»

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