Soll die WM 2022 boykottiert werden oder nicht? (Bild: Telebasel)
Basel

Soll die Fussball-WM in Katar boykottiert werden?

Es ist eine Frage, die weltweit für Diskussionen sorgt. Soll man die Fussball-WM 2022 in Katar boykottieren oder kann man ohne schlechtes Gewissen mitfiebern?

Von Fussballfest-Stimmung kann in unserem Land nicht die Rede sein. Es gibt kaum öffentliche Live-Übertragungen, dafür aber viele Boykott-Aufrufe. Wenn in zwei Wochen die Fussball-WM in Katar startet, fiebern deutlich weniger Menschen mit als bei den bisherigen internationalen Fussball-Spektakel. Soll man die Fussball-WM schauen oder nicht? Darüber wird weltweit viel diskutiert.

Menschenrechtsverletzungen

Medien berichteten über massive Zensur vor Ort: Es sei untersagt, Katarer in ihren privaten Räumen aufzunehmen oder Unterkünfte von Gastarbeitern zu zeigen. Es gab Berichte, wonach die Gastarbeiter, die die Stadien in der Wüste hochzogen, unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten und dass dabei tausende zu Tode gekommen seien. Zudem kritisieren Menschenrechtsorganisationen die Situation im Land. Frauen dürften nur mit Zustimmung eines männlichen Vormunds heiraten. Homosexualität könne im Extremfall mit dem Tod bestraft werden. Kritisiert wird auch die ökologische Bilanz: Klimaanlagen, Pendelflüge, die energieintensive Wasseraufbereitung.

Dass es ein Fehler war, diese WM nach Katar zu vergeben, wird der Fifa von vielen Seiten vorgeworfen. So äussert sich auch Ex-Fifa-Chef Sepp Blatter gegenüber der «Tamedia»-Titeln zur kontroversen WM: «Die Wahl von Katar war ein Irrtum. Der Fussball und die WM sind dafür zu gross.»

Durchmischte Stimmung

Auch in der Basler Fussballkulturbar Didi Offensiv wurde über das Thema diskutiert. Der Tenor ist klar spürbar: Die meisten Besucher des Lokals sehen die Weltmeisterschaft in Katar sehr kritisch und verspüren nicht die gewohnte Vorfreude.

Michel Meier aus Basel meint beispielsweise: «Wir werden vielleicht einzelne Spiele in einer späteren Phase schauen, sonst boykottiere ich aber die WM». Marcel von Arx aus Reinach sieht es ein wenig anders: «Ich habe nicht im Sinn, zu boykottieren. Ich lasse es auf mich zukommen und entscheide dann situativ». Pierino De Zanet aus Münchenstein wird einfach die Schweizer Spiele anschauen: «Und dann reicht es aber!». Sebastian Köchli aus Pffingen ist eher für einen Boykott: «Ich versuche, die WM grossflächig zu umgehen.

Massive Verbesserung

Wir sollten die Spiele nicht boykottieren, meint aber eine Stimme aus Basel, die bezüglich Katar-Lobbying als völlig unverdächtig gelten kann. Rita Schiavi, ehemalige Unia-Gewerkschafterin, einstige Basta-Grossrätin und Regierungsratskandidatin, hat die WM-Baustellen in Katar seit 2017 mehrfach zu Inspektionen besucht.

Die arbeitsrechtlichen Bedingungen hätten sich massiv verbessert. «Es gibt viele Gründe, die Fifa und ihren Gigantismus zu boykottieren. Meiner Meinung nach gab es aber mehr Gründe, die WM in Russland zu boykottieren als nun in Katar. Weil die Situation in Katar sich sehr verbessert hat und auch im Verhältnis zu anderen Ländern nicht unbedingt die schlechteste für die Arbeiter ist», so Schiavi.

Was ist deine Meinung zur Debatte? Soll die WM 2022 boykottiert werden oder nicht? Machen Sie jetzt mit bei der Telebasel Wochen-Umfrage.

3 Kommentare

  1. Das FIFA-Geschäftsmodell
    Bestechung, Korruption, Intransparenz, Menschenrechtsverletzungen.

    Es ist naiv anzunehmen, der Korruptionssumpf um die FIFA und deren Funktionäre liesse sich trockenlegen, solange die nationalen Fussballverbände Millionen abkassieren und die Politik diese wohlwollend beklatscht.

    Denn es wird sich nichts ändern, solange der Weltfussballverband wie eine sizilianische Gangsterfamilie mit der Unterstützung der Sponsoren und der Politiker agieren kann und Milliarden Gewinne nicht versteuern muss.Report

  2. Finde es schade für die Mannschaften. Die müssen ja nur reisen,, wohin sie die Fifa hinschickt. Dort müsste der Hebel angesetzt werden und zwar ohne Korruption. Solange man solche Anlässe für Geld kaufen kann🙈🙈…….so schade für den Sport, die Spieler können ja nichts dafür…..Report

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

Mehr aus dem Channel