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Der Telebasel News Beitrag vom 17. November 2022.
Baselland

«Wir sind im 3. Weltkrieg»

Der russisch-schweizerische Autor Michail Schischkin ist einer der schärfsten Kritiker Putins. Am Mittwoch las er in Binningen aus seinem Buch.

Telebasel traf Michail Schischkin im Anschluss an die Lesung zum Interview.

Telebasel: Herr Schischkin, Sie haben die Ereignisse in der Ukraine in ihrem Buch von 2021 schon vorhergesagt. Inwiefern hat sich das vorher schon abgezeichnet?

Michail Schischkin: Ich habe das Buch «Frieden oder Krieg» bereits 2019 geschrieben und in diesem Buch erkläre ich Russland und wie das alles möglich war. Wenn man die Geschichte ein wenig versteht, kann man voraussehen, was als nächstes kommt. Und in den beiden letzten Kapitel beschreibe ich die Zukunft. Und wir sind leider jetzt voll in dieser Zukunft. Mir wäre es viel lieber gewesen, wenn ich nicht recht gehabt hätte.

Sie sprechen davon, dass wir aktuell im 3. Weltkrieg sind. Woran machen Sie das fest, denn hier merkt man ja wenig davon?

2014 nach der Krim-Annexion wollten die Leute im Westen ihr ruhiges Leben weiterführen, das ist absolut verständlich. Auch die PolitikerInnen wollten nicht wahrhaben, dass der Krieg schon da ist. Und auch nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine will man das bis jetzt nicht wahrhaben, dass wir im 3. Weltkrieg sind.

Dieser Krieg wird nur mit der totalen Niederlage der russischen Armee beziehungsweise des russischen Staates enden. Es ist wie damals in Nazi-Deutschland: Der zweite Weltkrieg endete nicht mit Hitlers Tod, sondern mit der totalen Vernichtung des Militärstaates. Die Nazis haben den Staat zum Instrument ihres Verbrechens gemacht. Genau so ist es in Russland.

Damals haben die Alliierten Deutschland mit dem demokratischen Neubeginn geholfen. Doch wer wird den demokratischen Neubeginn in Russland sichern? Weder die Nato, noch die Ukraine. Die RussInnen müssen das selbst machen, weil nur sie Russland bezwingen können.

Gehen wir mal davon aus, dass das stimmt. Wo stehen wir den aktuell in diesem Szenario?

Wir warten aktuell auf das Kapitel «Russland nach Putin», aktuell sind wir noch im Kapitel «Russland mit Putin». Wann das Kapitel wechselt, weiss niemand. Vielleicht morgen, vielleicht in zwei Wochen, vielleicht in zwei Monaten, aber das Ende Putins nähert sich. Danach wird der Zerfall des russischen Imperiums weitergehen, die russische Föderation, wie sie heute auf der Karte ist, wird nicht mehr existieren. Die russische Föderation ist heute hoch schwanger mit neuen Staaten, wie es bei der Sowjetunion war. Dann kommen die Bürgerkriege, wie wir sie in Jugoslawien gesehen haben. Ich erwarte nichts Gutes.

4 Kommentare

  1. Russland hat immer wieder gedroht das es westliche Waffenlieferungen als legitime Ziele ansieht. Da ist bis jetzt aber nie etwas passiert. Also keine konkreten Angriffe auf die Lieferungen. Es dürfte doch für die Russen nicht zu schwer sein, rauszufinden wann was wo auf was auch immer verladen wird.
    Russland hat ja angeblich auch Spionagesatelliten im Orbit.
    Die Aufklärung solcher Lieferungen sollte daher eigentlich nicht das Problem sein. Da aber konkrete Angriffe ausbleiben hat man entweder keine Mittel oder aber erhebliche Angst sich direkter mit der NATO anzulegen.Report

  2. Im Westen hat man sich nie vorstellen können, in welcher Welt V. Putin lebt. V. Putin, wie auch zum grossen Teil Russland, ist gesellschaftlich mindestens 50 Jahre hinter dem Westen.
    Wie die eigene Nation betrachtet wird, Einflusssphären und Stärke ist völlig überholt.
    Das ist es, warum V. Putin als vermeintlicher Taktiker den Westen überrumpelt hat. Die Ukrainer sind allerdings auch noch ein paar Jahre in in der Vergangenheit. Ihre Waffen aber nicht. Dagegen kann V. Putin nur verlieren.Report

  3. Edgar Binz, es ist und bleibt die offene Frage, was klüger ist, weiterhin mit versteckten Karten zu spielen oder die Karten offen auf den Tisch zu knallen. Meiner Meinung wäre es gescheiter, wie Michail Schischkin es macht, die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen zu stellen. Seit Jahrzehnten verfolge ich die Weltgeschichte, speziell was den Osten und seine weltweite Propagandierung in Afrika betrifft. Was Herr Putin u. Co. heute macht ist das Endprodukt aller seiner Vorgänger.Report

  4. Michail Schischkin schockt mit solchen Titeln. So erhält er natürlich Aufmerksamkeit. Doch mit solchen Sachen zündelt man nicht. Und das alles im Namen der Kultur. Anstelle mit Provokantem «Öl ins Feuer zu giessen» würden man lieber wirkliche Friedensarbeiter und Friedensbringer auftreten lassen. Aber das ist wahrscheinlich keine «Kultur»…..Report

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