(Bild: zVg/Telebasel)
Schweiz

Darüber sprechen Sie heute in der Kaffeepause

Regio Schlagabtausch im Sonntags-Talk: Lokale Politik diskutiert über den Asylunterkunft-Skandal, die Midterms und die Bundesratswahlen.

Brisant und aktuell. Der Sonntags-Talk lädt Persönlichkeiten aus der Region zur Einschätzung und Diskussion über aktuellste Themen der letzten Woche ein. In dieser Ausgabe stehen Christine Keller, bald zum wiederholten mal SP-Grossrätin, langjähriger FDP-Politiker, Migrationsexperte und Unternehmer Thomas Kessler und die Anwältin Saskia Frei auf der Gästeliste.

Letztere musste krankheitsbedingt spontan absagen. SVP-Grossrat Joel Thüring springt ein. So wird aus dem Mann plus zwei Frauen-Ticket, ein Frau plus zwei Männer-Ticket, was die erste Diskussion direkt einleitet: Die SP beharrt bei den Bundesratswahlen auf ein reines Frauen-Ticket: Gerechtfertigt oder ein Eigentor der Partei?

«Peinlich», so ein Frauen-Ticket

Gegen den Entscheid der SP ist ein Mann aus der eigenen Partei. Dass auf dem Zweier-Ticket nur weibliche Kandidatinnen landen sollen, geht dem SP-Ständerat gegen den Strich. Er kandidiert wild.

Ernst nehmen kann das Sonntagstalkgast Thomas Kessler nicht, aber nicht wegen seines Geschlechts: «Ich würde es Daniel Jositsch abnehmen, dass das diskriminierend ist, würde er nicht kandidieren», so Thomas Kessler im Talk. Er fügt an: «Ich empfand das als peinlich. Ich finde es ist an der Zeit, für jemand der gesellschaftspolitisch und auch staatspolitisch überzeugt, bei aller Sympathie zu seinen Kompetenzen, sehe ich Herr Jositsch da nicht.»

Dass Jositsch gegen den Willen der Partei kandidiert ist ein gefundenes Fressen für andere Parteien. «Peinlich», etwa meint Joel Thüring zu den Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei und betitelt die ganze Debatte als ein ‹Kommunikationsfehler›, zudem sei das reine Frauen-Ticket diskriminierend. Christine Keller räumt ein: «Man kann das kommunikativ schon in Frage stellen», doch das Frauenticket sei für die Partei trotzdem selbstverständlich.

Ob ein reines Frauen-Ticket diskriminierend sei, wurde zu einer nationalen Debatte. Auch die Region diskutiert darüber. Etwa unter dem Tweet der Bajour Chefredaktorin Andrea Fopp, den sie am frühen Sonntagabend publizierte.

Eva macht’s! Euphorischer Grössenwahn oder gerechtfertigt?

Zuversichtlich, dass Eva Herzog neue Bundesrätin werden kann, ist Christine Keller. Immer wieder lässt sie im Talk ihren Optimismus durchsickern. Eva Herzog, eine Topkandidatin in ihren Augen. «Eine Topwahl sagt man eigentlich bei allen, die kandidieren», oberflächlich sagt Thomas Kessler. Schlussendlich zählen die Qualitäten hinter den Kandidierenden (ausser in seinen Augen Daniel Jositsch) wären alle Kandidierenden ausreichend qualifiziert.

Frage in die Runde: Wird Eva Herzog Bundesrätin, wer geht für Basel in den Ständerat? «Excüsi, Frau Herzog ist noch nicht mal auf diesem SP-Ticket. Wenn man schaut, wer sonst noch Kandidat oder Kandidatin bei der SP ist, ist es noch lange nicht gegessen, dass dieser Sitz an Frau Herzog geht», laut Thüring ist spräche noch niemand über Nachfolgeoptionen von Eva Herzog im Ständerat – laut dem SVP-Grossrat hätte die SP sowieso keine geeigneten Leute.

Das dementiert SP-Gast Christine Keller, sie nennt keine Namen, aber: «Ich glaube die SP hatte immer schon eine breite Auswahl von Kandidieren und musste sich fascht schon mit Mühe zwischen hervorragenden Personen entscheiden.» Soweit kommt es aber erst, würde Eva Herzog gewählt. Die Euphorie in der Region Basel empfinden Kessler und Thüring als zu früh. In den Medien in Basel sei eine ‹Muttenzerkurve-Stimmung› aufgekommen.

Der Sonntagstalk zur Euphorie über Eva Herzogs Bundesratskandidatur. (Video: Telebasel)

Abschliessend zur Diskussion schwingt Joel Thüring seine Fahne für Bundesratskandidatin Evi Allemann: «Ich finde, jetzt den Mut zu haben, dass die SP mit Evi Allemann eine neue Generation von Politikerinnen im Bundesrat haben will attraktiver, wie jemand der sechzig ist und jetzt eigentlich eher dem Schema der anderen Bundesratsmiglieder entspricht.»

Wohnen mit Schimmel und es kommt noch dicker: Eine Flüchtlingswelle bahnt sich an

Die Sicherstellung von Unterkünfte für droht ausser Kontrolle zu geraten. Seit dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine nimmt die Anzahl von Asylsuchenden europaweit zu, auch in der Schweiz. Die regionalen Behörden müssen auf unterirdische Zivilschutz zurückgreifen. Dort schlafen Dutzende im selben Raum, viele darunter sind oder werden krank. Medien berichten von unzumutbaren Verhältnissen. Gegenüber Telebasel erzählen Geflüchtete von den Zuständen in der Region und die Rundschau von letzter Woche zeigt Bilder von schimmelbefallenen Häusern und Würmern im Lavabo.

Hauptsache diejenigen, die aus Not ihr Land verlassen müssen haben ein Dach über dem Kopf. «Von anderen Dingen, ob es Tageslicht hat oder nicht, kann man absehen», meint Joel Thüring. Herd des Problems sei laut dem SVP-Grossrat, dass es zu viele illegale Migranten in der Schweiz hätte. Die Politik müsse gegen Wirtschaftflüchtende agieren.

Migrationsexperte Thomas Kessler findet nicht, dass die Politik dieses Problem gross lösen könne. Die Behörden sprechen laut Kessler von einer Notlage, sie fänden keine besseren Unterkünfte für Personen auf der Flucht. Die Flüchtlingspolitik in der Schweiz sei im europaweiten Vergleich, trotz den neusten Skandalnachrichten, besser. Man könne es aber noch besser machen, dann ändern sich laut Kessler auch die Kapazitäten.

Es sei dicke Luft und die Schweiz müsse sich gefasst machen, dass viele Leute unterwegs in die Schweiz sein werden. Jetzt müsse die Aussenpolitik vorarbeiten. Nur so sei das Land vorbereitet wenn Flüchtende, sei es aufgrund von Krieg, Klimakrisen oder sonstigen Motiven, in die Schweiz kommen.

Migrationsexperte Thomas Kessler prophezeit eine Flüchtlingswelle. (Video: Telebasel)

Die Schweiz trage nur eine kleine Last in der europaweiten Flüchtlingssituation. Generell findet SP-Politikerin Christine Keller, die Schweiz könnte sich besser schlagen: «Ich habe den Anspruch, dass wir es als vergleichsweise wohlhabendes Land schaffen, dass wir mit diesen Geflüchteten humanitär umgehen.»

Trumps Untergang steht bevor

Zuerst meinten Umfragen und Kommentatoren zu wissen, dass ein Einbruch der Demokraten in den vereinigten Staaten bevorstehe. Schliesslich steht das Land vor Herausforderungen, welche die Wählerschaft wohl eher im Sinne der Republikaner denken lässt: Enorme Teuerungen bei Lebensmitteln und Benzin, Joe Biden – der Präsident steht unter keinem guten Stern, er gilt als unbeliebt und schwach, wird wegen seiner Kriegs- und Klimapolitik stark kritisiert. Doch trotzdem, die Republikanische Welle blieb aus.

In einem sind sich die Talk-Gäste einig: Grund zum ausgeblieben Erfolg der Republikaner sei der ehemalige US-Präsident Donald Trump. Zusammenfassend lasse sich sagen, dass eine Spaltung des Landes ein Phänomen der Demokratien sei. Dies stellt Thomas Kessler anhand den Beispielen in Brasilien, Grossbritannien während des Brexits, in der Türkei und auch bei vielen Abstimmungen in der Schweiz fest.

Im grossen und ganzen profitiere Europa noch immer von Amerika. Beispielsweise ist das Land der grösste Unterstützer im Ukrainekrieg. Das hat auch Auswirkungen auf Westeuropa. Auch sonst hätte die USA als Staatsmacht grosse Effekt auf Europa. Eine Wiederwahl von Trump, er stellt sich eventuell erneut zur Wahl als Präsident, hätte somit auch weitgehende Folgen.

Christine Keller zu den Auswirkungen von Donald Trump auf Westeuropa. (Video: Telebasel)

Trotz dem Vorteil der Demokraten zieht SVP-Grossrat Joel Thüring eine trübe Bilanz für die USA, zwar sei die Demokratie im Land stabil, doch das ‹alte demokratische Amerika›, wie es sich viele Wünschen würden, werde nicht zurückkommen.

Den ganzen Sonntagstalk sehen Sie unter diesem Link.

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